Solingen: Spielkonsolen für alle Altenheime?
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009Solingen (RPO). Der Verein Lebensherbst will die Lebenssituation älterer Menschen in Solingen verbessern. Er schlägt deshalb zum einen vor, Heimbewohner durch Videospiele fit zu halten. Zum anderen bietet er an, Sponsoren für einen Mehrgenerationenspielplatz zu suchen.
Einen ungewöhnlichen Vorschlag machte Petra Krötzsch gestern im Seniorenbeirat. "Wir könnten uns vorstellen, alle Solinger Altenheime mit Wii-Spielkonsolen auszurüsten", erklärte die Geschäftsführerin des bundesweit tätigen Vereins Lebensherbst. Die Videospielgeräte des japanischen Herstellers Nintendo übertragen die Handbewegungen des Spielers über eine Fernsteuerung auf einen Fernseher. "So kann man zum Beispiel virtuell Tennis spielen oder kegeln."
In anderen Städten habe man mit dem Einsatz der Spielkonsolen in Altenheimen bereits Erfolge erzielen können. Mancherorts würden damit sogar schon ganze Stadtmeisterschaften im Bowling ausgetragen. "Die Geräte schulen die geistigen und motorischen Fähigkeiten", berichtete Krötzsch. Und mit ihnen sei es auch Rollstuhlfahrern möglich, sich in kleinen Maßen sportlich zu betätigen. "Selbst bei Demenzkranken wurden damit gute Erfahrungen gemacht." In Köln beispielsweise habe der Verein für zwei Spielkonsolen gesorgt, die nun regelmäßig von rund 50 Senioren genutzt würden.
Verein Lebensherbst
Der Verein Lebensherbst wurde 2005 durch Ariella Ahrens gegründet.
Nach Auskunft von Geschäftsführerin Petra Krötzsch will er älteren Menschen den Lebensabend verschönern und die Freude am Leben möglichst lange wach halten. "Denn Altersarmut ist in Deutschland bitterer Ernst, und vielen Menschen droht Vereinsamung", weiß Krötzsch.
Deshalb kümmere sich der Verein vor allem um Heimbewohner, unter anderem durch Ausflüge, Kochen am Bett oder Besuche mit Tieren. In bundesweit 18 Seniorenheimen sei man bereits engagiert. "Eventuell auch bald in Solingen", sagt Krötzsch.
Im Seniorenbeirat stieß der Vorschlag auf geteilte Meinung. Ruth Hein vom Solinger Sportbund begrüßte die Geräte. "Auf der Seniorenmesse hatte wir auch eine solche Spielkonsole dabei", berichtete sie. "Sie wurde sehr gut genutzt." Rita Pickardt (CDU) hielt die Geräte dagegen für Altenheime für weniger geeignet. "Wer heute im Pflegeheim lebt, ist in der Regel sehr pflegebedürftig und kann sich nicht mehr sportlich betätigen", wandte sie ein. Sie sähe die Spielgeräte deshalb in Begegnungsstätten, wo sich noch die fitten Älteren träfen, besser angebracht.
Laut Petra Krötzsch ist dem Verein wegen bestehender Vereinbarungen mit dem Hersteller allerdings nur eine Bestückung der Altenheime möglich. "Wenn sie dort dann verstärkt von den Enkeln genutzt würden, wäre es auch nicht schlimm – wenn dies dazu führen würde, dass die Enkel häufiger kämen." Das fände auch Julia Freiwald (Grüne) in Ordnung. "Das wichtigste ist der menschliche Kontakt", erklärte sie. Denn daran fehle es meist den Altenheimbewohnern. Grundsätzlich begrüße auch sie Spielgeräte. "In der evangelischen Altenhilfe Wald zum Beispiel ist das Tischkegelspiel immer gut angenommen worden."
Unterstützung bietet der Verein Lebensherbst der Stadt Solingen auch bei einer weiteren Sache an: bei dem geplanten Mehrgenerationen-Spielplatz. In Berlin habe man beispielsweise in unmittelbarer Nähe zu einem Kinderspielplatz Trimmgeräte für Senioren errichtet. Rund 40 000 Euro müsse man für die Ausstattung veranschlagen. "Das Geld kann der Verein nicht bieten, aber gute Kontakte, über die wir sicherlich Sponsoren gewinnen können", erklärte Krötzsch. Dafür müsse die Stadt allerdings eine entsprechende Fläche zur Verfügung stellen.
Nach Auskunft von Rolf Bilo vom Stadtdienst Soziales ist der geplante Mehrgenerationenspielplatz in Gräfrath "mangels Masse ganz hinten angestellt worden". Es seien aber noch zwei Projekte in der Vorspeler Anlage sowie an der Korkenziehertrasse am alten Nordbahnhof im Gespräch. Der Seniorenbeirat will beide Vorschläge des Vereins Lebensherbst bis zur nächsten Sitzung überdenken.
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