Solingen: Städtisches Sparpaket empört die Ohligser
zuletzt aktualisiert: 19.04.2010Solingen (RPO). "Die Stadt sollte mal lieber oben sparen, nicht immer unten bei uns Bürgern!" Birgitt Flöck und Erika Schauch flanieren durch die an diesem Vormittag mit Sonnenlicht geflutete Ohligser Fußgängerzone und regen sich über die Sparbemühungen der Stadtspitze auf, die ihren Stadtteil Ohligs besonders hart treffen:
Mit dem Union-Stadion am Hermann-Löns-Weg, der Festhalle an der Talstraße und dem Heidebad stehen gleich drei Ohligser "Urgesteine" zur Disposition. Und das geht vielen an die Nieren, wie eine Umfrage der Morgenpost ergab. "Dann können sie Ohligs gleich zumachen", echauffiert sich Erika Schauch, die seit 50 Jahren dort lebt.
Unattraktiv für Einzelhändler
Birgitt Flöck macht sich auch Gedanken über den Wirtschaftsstandort Ohligs und bringt ihre Sorge auf einen ganz einfachen Nenner: "In einer unattraktiven Stadt lassen sich keine Einzelhändler nieder." Passenderweise steht sie just in diesem Moment vor einem Ladenlokal an der Düsseldorfer Straße, das seit geraumer Zeit leer stehe. Abschreckendes Beispiel ist für die Ohligserin "der untere Teil der Hauptstraße in der Innenstadt", der lediglich Domizil "fliegender Händler", ansonsten aber tot sei. "Wenn wir am Weyersberg demnächst Parkgebühren zahlen müssen, ist alles zu spät", ergänzt Schauch schon fast mit Galgenhumor in der Stimme. "Wir zahlen Steuern, und sie nehmen uns unsere Freizeitanlagen weg", auch das wollten die beiden Damen unbedingt noch loswerden, bevor sie ihren Frühlingseinkauf fortsetzen.
"Was glauben Sie, wie lange ich brauche, bis ich meine Bushaltestelle erreicht habe?" Der Seniorin Krista Offer setzt die Baustelle am Bremsheyplatz ziemlich zu und ergänzt: "Wie viel Geld haben sie vorher in den Bremsheyplatz gesteckt?" Zwar ist die 71-Jährige nicht unbedingt eine Fußball-Fanatikerin, aber "das Stadion gehört einfach zu Ohligs". Auch mit der Festhalle verbindet sie Kindheitserinnerungen wie Schul- und Chorfeiern. Eine junge Mutter schiebt ihren Kinderwagen in Richtung Busbahnhof und beschwert sich über längst fällige Reparaturen auf dem Spielplatz unweit ihrer Wohnung, aber dafür sei "offenbar kein Geld da".
Auch Louisa Schälte (17) ist Ohligserin und plädiert im Namen ihrer Altersgenossen für den Erhalt der Ohligser Fußballplätze. Gingen dort doch "so viele Fußball spielen". Eine Schließung des Heidebades wäre ihrer Meinung nach insbesondere für die Ohligser Jugend eine große Enttäuschung.
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