Solingen: Stolperfallen am Ruhesitz
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 12.10.2006Solingen (RPO). Nur knapp eine Handvoll der 28 Wohnungen in der Seniorenresidenz an der Wupperstraße sind seniorengerecht.
Der Bauträger sieht jedoch die Schuld dafür nicht bei sich, sondern bei den Käufern der Wohnungen.Es war eine Werbung, die vor über einem Jahr die Aufmerksamkeit von Elisabeth Schwarzer auf sich gezogen hatte. „Nicht überall, wo Seniorenwohnung dran steht, ist auch eine drin! Geben Sie lieber 0,50 Euro mehr aus, als in einer Mogelpackung zu sitzen“, stand da zu lesen. Und weiter: „Nicht nur auf die Wohnung, die barrierefrei und rollstuhlgerecht sein muss, vielmehr sollten Sie ein Augenmerk auf die Lage richten.“ Ebenso, dass Allzweckräume zur Verfügung stehen müssten, in denen ein Masseur, Fußpfleger und Frisör ihre Dienstleistungen anbieten können.
Die Werbung, mit der für eine „Seniorenresidenz“ auf der Wupperstraße geworben wurde, sprach die Rentnerin, die mittlerweile auf die 70 Jahre zugeht, an. „Ich dachte mir: Wunderbar, das ist mein Ziel für später“, berichtet sie. Die Lage sei top und nicht weit von ihrer früheren Wohnung entfernt. Dass die angekündigten Dienstleistungen bei der Besichtigung der Seniorenresidenz noch nicht angeboten wurden, beunruhigte sie nicht. „Es war ja alles neu“, erzählt Schwarzer. „Ich war überzeugt, dass das alles noch kommt. Schließlich stand es ja groß in der Werbung.“
Auch dass von einer seniorengerechten Wohnung nicht die Rede sein kann, fiel der Rentnerin, die ehrenamtlich im Caritasverband tätig ist, erst später auf. „Viele Dinge bemerkt man ja erst, wenn man darin wohnt“, berichtete sie auch im Seniorenbeirat. Die Mogelpackung, die sie habe vermeiden wollen, habe sie nun bekommen. „Ich bin sehr enttäuscht, dass man sich nicht mehr auf ein Wort verlassen kann.“
Der Bauträger, die Firma Plan 8, über die Elisabeth Schwarzer den Mietvertrag abgeschlossen hat, weist die Schuld von sich. „Es stimmt zwar, dass viele Wohnungen der Residenz nicht seniorengerecht sind“, sagt Geschäftsführer Gerd Fischer. Das liege aber daran, dass die Käufer das Konzept nicht wie geplant umgesetzt hätten.
„Jede Wohnung ist mit der Option verkauft worden, dass sie barrierefrei umgestaltet werden kann.“ Zwar habe Plan 8 jedem Käufer angeboten, die Wohnung schon direkt und ohne Aufpreis barrierefrei zu bauen – „aber das wollten nur drei oder vier“. An einer mangelhaften Beratung der Käufer könne dies nicht liegen, versichert Fischer.
Die Beschwerden von Mieterin Elisabeth Schwarzer kann der Geschäftsführer von Plan 8 nicht nachvollziehen. „Man schaut sich eine Wohnung doch vorher an“, sagt er. „Wenn ich sehe, dass da zum Beispiel noch kein Massageraum eingerichtet ist, lasse ich mir das doch als Voraussetzung für das Mietverhältnis im Vertrag vermerken.“ Lediglich auf eine Werbung zu vertrauen und diese einem Mietvertrag zugrunde zu legen, sei blauäugig. „Man kann doch da nicht blind reingehen“, sagt Fischer. Der Verwalter der Seniorenresidenz habe ihm aber nun mitgeteilt, dass der vorgesehene Behandlungsraum bald eingerichtet werde.
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