Solingen: Streit um die 4. Gesamtschule
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 12.09.2009Solingen (RPO). Wird eine Hauptschule zur Gesamtschule, etwa die Hauptschule Höhscheid, die bereits im Ganztag läuft? Die SPD bringt ein Reizthema erneut in die Diskussion und die CDU vermutet ein politisches Manöver.
Klaus Ohliger, Hausmeister der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, muss am Anmeldetag stets eine Frühschicht einlegen. Denn dann stehen die ersten Eltern bereits gegen 7 Uhr vor der Tür. Ohliger schließt ihnen auf, damit sie die eineinhalb Stunden bis zum Anmeldestart nicht draußen warten müssen. Das Problem: 324 Kinder sind zuletzt an den drei Gesamtschulen abgelehnt worden. Nun spricht die SPD aufs Neue von Handlungsbedarf und will die die Errichtung der vierten Gesamtschule prüfen (wir berichteten). Mittwoch wird dies Thema im Schulausschuss.
Hauptschule Höhscheid im Visier?
Keine Frage, die vierte Gesamtschule ist ein Reizthema, das seit Jahren hochkocht. Wegen der zurückgehenden Anmeldungen an den Hauptschulen müsse jetzt reagiert werden, fordert SPD-Schulpolitikern Ulla Feldhaus und sieht einen Zusammenhang zwischen den Schulformen. "Welche Entwicklung nehmen die Hauptschulen und wie lassen sich die Chancen für Hauptschüler verbessern?" Dies müsste untersucht werden. Brisant dabei: Die SPD will auch konkret prüfen lassen, eine Hauptschule zur vierten Gesamtschule umzuwandeln. Auch an eine Verbundlösung wird gedacht.
Anmeldezahlen
31 Kinder aus den vierten Grundschulklassen sind zuletzt am Anmeldetag an der Hauptschule Höhscheid angemeldet worden, 46 waren es an der Krahenhöhe und 21 in Ohligs. Die Hauptschule Central kam auf 101 Anmeldungen.
An den drei Gesamtschulen Ohligs, Wald und Wupperstraße sind jüngst 864 Kinder für die neuen fünften Klassen angemeldet worden. Damit mussten 324 Schüler abgelehnt werden, weil die drei Gesamtschulen zusammen nur 540 Plätze bieten.
CDU-Schulpolitikerin Nicole Molinari wundert sich über diesen Vorstoß jedenfalls nicht. "Der Versuch hat die SPD schon mal gestartet." Für Molinari liegt denn auch auf der Hand, dass die Sozialdemokraten bereits eine Hauptschule im Visier haben, die sie am liebsten in eine Gesamtschule umwandeln wollen: und zwar die Hauptschule Höhscheid. Denn diese laufe bereits im Ganztag. Für Molinari sind derlei Überlegungen jedenfalls ein politisches Manöver, um das Wohlwollen der Landesregierung beim Ganztagsausbau der Höhscheider Hauptschule auszunutzen und sie durch die Hintertür zur Gesamtschule zu machen.
"Wir halten von der vierten Gesamtschule nichts", macht Molinari im Gespräch mit unserer Zeitung die Position der Christdemokraten deutlich. Diese sei kein Allerheilmittel. Sie fordert, den vorzogenen Anmeldetermin an den Gesamtschulen abzuschaffen. Dies führe zu verzerrten Anmeldezahlen. Dass bei insgesamt sinkenden Schülerzahlen langfristig vier Hauptschulen zu viel sein könnten, will Molinari jedoch nicht ausschließen – ebenso wie Schulaussschuss-Vorsitzender Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver: "Wir kommen an den Punkt, eine Hauptschule schließen zu müssen", sagt der SPD-Mann.
Dann sollte sie zur Gesamtschule werden. Ihn wundert nicht, dass die Akzeptanz der Hauptschule schlecht sei, wenn laut Arbeitsamt nur 60 Prozent der Abgänger eine Lehrstelle bekämen. Aus Sicht des Stadtschulpflegschafts-Vorsitzenden Wolfgang Sinkwitz muss die Hauptschule gestärkt werden. Und das Gerede über die Schulform müsse aufhören: "Das frustriert Schüler, Eltern, Lehrer." Sein Standpunkt: "Die Hauptschulen leisten tolle Arbeit – für Schüler, die in diese Schulform passen."
Unterdessen fordert die Gewerkschaft GEW weiter die vierte Gesamtschule: "Wir sehen eindeutig den Elternwillen und das Angebot in dieser Stadt, das dem nicht gerecht wird", sagt Sprecher Michael Seiffert.
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