Solingen: Stürmische Zeiten
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 15.05.2007Solingen (RPO). Wann kommt der nächste Orkan? Das fragt sich auch Feuerwehrsprecher Michael Stachelhausen. Nach seinem Gefühl nehmen die Sturmeinsätze zu. Versicherungen empfehlen, die Policen auf den aktuellen Stand zu bringen.
„Ewalds“ Ausläufer machten sich in der Nacht zu gestern kaum bemerkbar. Keine sturmbedingten Feuerwehr-Einsätze, dies meldet Sprecher Michael Stachelhausen. Am vergangenen Freitag sah das ganz anders aus. 16 Mal musste die Wehr beim kleinen Bruder von „Kyrill“ ausrücken. Auch Bäume wurden wieder entwurzelt. Der Feuerwehrsprecher sieht in der entspannten Lage am gestrigen Vormittag aber nur die sprichwörtliche Ruhe vor dem nächsten Sturm. Sein Eindruck: „Es wird windiger.“ Die Sturmlagen würden zunehmen, beschreibt Stachelhausen sein Gefühl mit Blick auf die Diskussion im Zusammenhang mit dem Klimawandel.
„Wenn Gefahr im Verzug ist, sind wir zur Stelle.“ Längst nicht nur bei entwurzelten Bäumen, die auf die Straße gestürzt sind, rückt die Feuerwehr aus. Auch bei Dachpfannen, die in die Regenrinne gerutscht sind und drohen, auf den Bürgersteig zu stürzen, handeln die Feuerwehrmänner und setzen die Drehleiter ein. Drei Jahrzehnte ist Stachelhausen jetzt bei der Berufsfeuerwehr. Der Orkan „Kyrill“ im Januar ist ihm noch gegenwärtig. „Das war das Heftigste, das ich bisher erlebt habe.“
Vom Winde verweht
Als „Kyrill“ am 18. Januar dieses Jahres über Solingen fegte, brachen zirka 1000 Bäume. Zwischen der Ohligser Heide und Burg tobte der Orkan am heftigsten und hinterließ Schneisen der Verwüstung.
„Jeanett“ raste Ende Oktober 2002 über die Stadt hinweg. Damals war auch der verkaufsoffene Sonntag vom Winde verweht und das Brückenfest vom Orkan weggefegt. Weit über 250 Feuerwehrmänner, Polizisten und Helfer von THW und DRK waren im Dauereinsatz.
Die Stürme „Vivian“ und „Wibke“ schlugen Anfang der 90er Jahre zu. Die Bäume auf der Strohner Höhe sind wie Streichhölzer geknickt worden.
Stachelhausen empfiehlt Hauseigentümern als Vorsorgemaßnahme ein Sicherheitscheck des Daches: Mal sollte es mal vom Dachdecker begutachten lassen, insbesondere bei älteren Häusern.
Ernst-Friedrich Honscheid, Leiter des Stadtdienstes Grün- und Freiflächen, rät Gartenbesitzern ebenfalls, die Standsicherheit der Bäume am Haus im Auge zu behalten: „Eigentum verpflichtet.“ Auch sein Gefühl spricht übrigens für eine Zunahme der Sturm-Ereignisse. „Vivian“ und „Wibke“ Anfang der 90er Jahre seien aber genau so stark wie „Kyrill“ gewesen, berichtet er. Im Januar seien die Orkanböen allerdings aus der ungewohnten Nord-West-Richtung gekommen, so dass „Kyrill“ in den Wäldern noch verheerender zuschlagen konnte. Gut 80 Prozent der Forstschäden durch den jüngsten Orkan sind nach Honscheids Worten bereits beseitigt.
Udo Espelmann ist Versicherungsvertreter am Central. Nach „Kyrill“ stand das Schadenstelefon beim ihm tagelang nicht mehr still. „Das war eine Ausnahmesituation“, berichtet er. „Ewald“ sei damit nicht zu vergleichen. Einzelne Schäden hätte es wegen der Sturmböen aber dennoch gegeben. Espelmann empfiehlt, die Versicherungspolicen für Gebäude und Hausrat auf den aktuellen Stand zu bringen. Mitunter seien die Jahrzehnte alt. Wenn die Klimaforscher Recht behielten, verschärfe sich die Situation. Deshalb könnte man auch über die Versicherung von Elementarschäden nachdenken. Dies greift zum Beispiel, wenn der Keller nach einem sintflutartigen Regenguss überflutet ist.
Sturmschäden gehen schnell in die Tausende. Häufen sich die Schadensfälle, werden die Versicherungspolicen zwangsläufig teurer. Espelmann erwartet das.
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