Solingen: Suche nach Gold und Geld
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 18.12.2009Solingen (RPO). Bei Einbrüchen bevorzugen die Täter ganz normale Wohnsiedlungen, in denen vermehrt ältere Menschen leben. Denn hier ist oft noch Goldschmuck und viel Bargeld zu holen. In der dunklen Jahreszeit ist Hochsaison.
Statistik
Pro 100 000 Einwohner wurden im Jahr 2008 im bergischen Städtedreieck 179 Einbrüche registriert.
Erfasst sind die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid, wobei Wuppertal laut Polizei die meisten Einbrüche zu verzeichnen hat und die Statistik allein für Solingen günstiger aussehen würde.
Mit dem Wert liegt das Bergische im Mittelfeld. Den höchsten Wert hat mit 330 der Kreis Heinsberg. Dies liegt in erster Linie an der Grenznähe: Reisende Tätergruppen können hier gut ein- und ausreisen. Den niedrigsten Wert im "Einbruch-Atlas NRW" hat der Kreis Höxter mit 62 Einbrüchen pro 100 000 Einwohnern.
Tatort war eine Dachgeschosswohnung in einer ganz normalen Wohngegend, die Tatzeit lag zwischen 14 und 17 Uhr, die Beute bestand aus Geld und Schmuck. Diese aktuelle Polizeimeldung ist ein Klassiker. Denn Einbrecher, die im Moment wieder vermehrt unterwegs sind, haben es keineswegs nur auf Villengegenden abgesehen, und sie kommen keineswegs nur im Schutze der Nacht. Obwohl Solingen in einem jetzt veröffentlichten Einbruch-Atlas NRW im Mittelfeld liegt, hat die Polizei auch hier in den vergangenen Wochen mit Sorge die vermehrten Aktivitäten von Einbrechern registriert. Die kommen vielfach in ganzen Gruppen in eine Stadt, häufig stammen sie aus osteuropäischen Ländern.
"Wir sehen die Lage allerdings noch entspannt", sagt Andreas Scharberg vom Wuppertaler Polizeipräsidium. Mit der Aktion "Wachsamer Nachbar" wird Jahr für Jahr versucht, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Statistisch gesehen, so Scharberg, passiert in Solingen pro Tag ein Einbruch, die Beute hat einen durchschnittlichen Wert von 4000 Euro. Doch oft ist die Tatsache, dass Fremde in ihrer Wohnung waren, für die Opfer noch schlimmer als der Verlust von materiellen Dingen.
Auf diese allerdings haben es die Täter gezielt abgesehen. Und sie wissen: In den ganz normalen Siedlungen der Wohnungsbaugesellschaften ist reiche Beute zu machen, denn dort wohnen meist ältere Menschen, die noch wertvollen Schmuck haben und denen das Geld im Wäscheschrank sicherer erscheint als auf der Bank. "Und die Bankenkrisen haben nicht gerade dazu beigetragen, dass sich das ändert", sagt Andreas Scharberg, der durchaus festgestellt hat, dass in den vergangenen zwei Wochen in Solingen vermehrt eingebrochen wurde.
Auch in der Klingenstadt sind es häufig reisende Täter, die die nächste Autobahn nutzen, um wieder zu verschwinden. Und noch eins kommt dazu: Die Einbrecher kommen nicht mehr mit den alten, auffälligen Fahrzeugen, sondern mit neutralen, unauffälligen Mietwagen, weiß die Polizei.
Und so wird es auch für den wachsamsten Nachbarn schwer, fremde Fahrzeuge zu erkennen. Die Polizei versucht, die Täter durch ihre massive Präsenz abzuschrecken, doch sie kann nicht überall gleichzeitig sein. Daher ist es wichtig, dass die Nachbarn ein aufmerksames Auge haben und – wenn nötig – die Polizei verständigen. Leise, unauffällig sollte das geschehen, vor allem sollte niemand selbst die Verfolgung eines Täters aufnehmen, raten die Experten. Hilfreich im Kampf gegen die Einbrecher sei neben den Schutzvorrichtungen an Fenstern und Türen auch, dass in den Wohnungen nicht so viele Wertgegenstände aufbewahrt werden. Doch dies zu erreichen, scheint unmöglich. Und das wissen die Einbrecher ganz genau.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



