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Solingen: Tabuzone für Handys

VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 04.03.2009

Solingen (RPO). Handys bieten technisch immer mehr und werden in den Händen von Schülern immer brisanter, weil darüber auch Fotos ins Internet gestellt werden können. Deshalb wird das Handyverbot an Schulen immer strenger.

Kein Anschluss auf dem Schulgelände unter dieser Nummer: Nur im Ausnahmefall und nur mit Zustimmung des Lehrers dürfen Schüler in einem speziellen Bereich auf dem Pausenhof des Humboldtgymnasiums mit dem Handy telefonieren – so wie hier Annika Migdalek (l.) und Lena Blank.   Foto: RPO
Kein Anschluss auf dem Schulgelände unter dieser Nummer: Nur im Ausnahmefall und nur mit Zustimmung des Lehrers dürfen Schüler in einem speziellen Bereich auf dem Pausenhof des Humboldtgymnasiums mit dem Handy telefonieren – so wie hier Annika Migdalek (l.) und Lena Blank. Foto: RPO

Kein Schulranzen ohne Handyfach: "Ein Schüler ohne Handy ist wie Fußball ohne Ball", heißt es unter Schülern auf dem Pausenhof der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Auf dem Schulgelände wird das Spiel allerdings konsequent abgepfiffen, wie Rektorin Ingeborg Friege unterstreicht. Im Unterrichtsgebäude und auf dem Schulhof dürften die Mobiltelefone nicht zu sehen und nicht zu hören sein. Das Handy muss unbenutzt in der Tasche bleiben. Das gleiche gilt für MP-3-Musikplayer.

"Ich kann es nicht leiden, wenn Kinder mit Stöpseln in den Ohren herumlaufen." Seitdem dieser strikte Kurs gefahren wird, hat die Belästigung durch Handys und Co. nach Frieges Worten deutlich abgenommen. Inzwischen unterschreiben die Schüler an ihrer Schule sogar einen Vertrag übers Nicht-Benutzen des Mobiltelefons.

"Man kennt seine Pappenheimer", sagt Reinhard Schneider, Leiter der Hauptschule Krahenhöhe. Auch hier gilt für die Schüler ein Handy-Benutzungsverbot. Allerdings gehen die Lehrer bei der Einhaltung mit pädagogischem Fingerspitzengefühl vor. Während einer AG am Nachmittag werden nicht so strenge Maßstäbe angelegt. Mit einem Handy dürfen aber keine Fotos gemacht werden.

Schneider verweist auf die Gefahr, dass Schüler sich filmen und diese Bilder anschließend ins Internet mit einer grenzenlosen Verfügbarkeit stellen könnten. Auch Marko Voigt sieht diese große Gefahr, selbst bei vermeintlich harmlosen Aufnahmen von Schülern auf dem Schulflur. "Im Netz werden die Bilder dann in einen sinnentstellenden Zusammenhang gebracht." Das sei ein Straftatbestand, betont der Leiter des Humboldtgymnasiums. Nach seinen Worten gilt das nicht nur für Bilder, sondern auch für die Gespräche. "Es ist absolut notwendig, dass die Schule – wie die Familie auch – ein Schutzraum bleibt. Das ermöglicht erst Schule", ist Voigt überzeugt.

Deshalb dürfen am Humboldtgymnasium Handys zwar mitgeführt werden, müssen aber ausgeschaltet bleiben. Bei Schülern, die mobiltelefonierend erwischt werden, greift ein Maßnahmenkatalog: Die Eltern werden benachrichtigt. Außerdem hat der Schüler eine Strafarbeit anzufertigen. "Warum gilt an der Schule ein Handyverbot? Warum ist Schule ein nicht öffentlicher Ort? Warum hat jemand ein Recht auf sein Bild und seinen Ton?" – diese Fragen sind dabei per Internet-Recherche zu beantworten und anschließend in einer persönlichen Stellungnahme vom Delinquenten zu bewerten.

Hier versteht Voigt keinen Spaß. Augen und Ohren verschließt der Rektor vor den Anforderungen des Kommunikationszeitalters jedoch nicht. Falls die letzte Stunde ausfällt oder bei anderen Erfordernissen müssen Schüler kurzfristig zu Hause anrufen können. Dazu fragen sie einen Lehrer um Erlaubnis und begeben sich aufs Schachbrett auf dem Pausenhof. Das ist eine Art virtuelle Telefonzelle, in der Handygespräche auf dem Humboldt-Schulgelände erlaubt sind. Früher hat es einmal eine richtige Telefonzelle in der Schule gegeben. Doch die hat dem Schulverein mangels Benutzung nur Kosten verursacht.

Quelle: RP

 
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