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Solingen: Täter in Ohligs gefasst

VON SUSANNE GENATH UND MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 12.07.2010

Solingen (RPO). Nach dem Mord an einem 52-jährigen Obdachlosen hat die Polizei die mutmaßlichen Mörder festgenommen. Zwei 23-jährige Arbeitslose sollen ihn erstochen haben, um an seine Habseligkeiten zu kommen.

Die Hubertusstraße und angrenzende Straßen wurden gestern kurz gesperrt. Ein Polizeihubschrauber machte Aufnahmen vom Tatort.  Foto: RPO
Die Hubertusstraße und angrenzende Straßen wurden gestern kurz gesperrt. Ein Polizeihubschrauber machte Aufnahmen vom Tatort. Foto: RPO

Habgier ist nach ersten Erkenntnissen der Grund dafür, dass ein 52-jähriger Obdachloser in der Nacht zu Freitag an der Schwanenstraße erstochen wurde. Die Polizei hat nach eigenen Angaben zwei 23-jährige Tatverdächtige aus Ohligs festgenommen. Zeugenaussagen brachten die Mordkommission bereits am Freitagabend auf die Spur des ersten jungen Mannes. Den zweiten konnten Spezial-Einsatzkräfte wenige Stunden später, gegen 1.15 Uhr, in der Sozialwohnung, in der die beiden lebten, widerstandslos festnehmen. Dort fanden die Ermittler auch das Tatmesser sowie Tatkleidung.

Den vermutlichen Tathergang schildert Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt so: Die zwei Männer, die seit längerem ohne Job sind, hatten in der Tatnacht dem 52-jährigen Roland H., während dieser vor einem leerstehenden Supermarkt an der Schwanenstraße/Ecke Hubertusstraße schlief, seine wenigen Habseligkeiten wegnehmen wollen. Dabei wachte der Obdachlose auf und wehrte sich. Weil Roland H. daraufhin von den beiden 23-Jährigen geschlagen und malträtiert wurde, ergriff er die Flucht. Er rannte über die Hubertusstraße zur Schwanenstraße in Richtung St. Lukas Klinik und verlor dabei seine Schuhe. Weit kam er nicht weit.

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Schneller Erfolg

Die Staatsanwaltschaft ist froh über den schnellen Fahndungserfolg, der mehreren Zeugenaussagen zu verdanken ist. Man habe eigentlich mit einer längeren Suche gerechnet.

Vor einem Wohnhaus knapp 100 Meter von seinem Schlafplatz entfernt holten ihn seine Verfolger ein und streckten ihn nieder. Dann stachen sie ihm mindestens 15 Mal mit dem Messer in den Rücken, ehe sie ihn leblos am Rande des Gehwegs liegen ließen und mit ihrer Beute – rund zehn Euro und Roland H.'s Personalausweis – flüchteten. Ein Anwohner fand gegen 5.30 Uhr den blutüberströmten 52-Jährigen und alarmierte die Rettungskräfte.

Gegen die zwei polizeilich bekannten Solinger ist nach Auskunft von Polizeisprecherin Claudia Otto mittlerweile Haftbefehl erlassen worden. Fest stehe bislang, dass die Tat keinen rechtsradikalen Hintergrund habe. "Das Opfer und die mutmaßlichen Tätern kannten sich auch nicht", sagt Otto. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an. Gestern Vormittag wurde der Kreuzungsbereich von Schwanen-, Hubertus- und Dunkelnberger Straße sowie Hermann-Löns-Weg für eine Viertelstunde gesperrt, damit ein Polizeihubschrauber aus der Luft Aufnahmen von dem Ort des Geschehens machen konnte.

Am Schlafquartier von Roland H. erinnern Nachbarn mit Blumen und Kerzen an den friedlichen 52-Jährigen. Foto: RPO

Am Schlafquartier von Roland H. sind sein Fahrrad und seine Decke, die sich am Freitag noch unter dem Vordach des Supermarktes befunden hatten, weggeräumt. Statt dessen stehen stehen Blumen und Kerzen in der Ecke, in der sich der 52-Jährige meist mit seinem Kofferradio aufgehalten hatte. An der Wand hängen zwei Zettel mit den Aufschriften "Warum?" und "Wir trauern um unseren friedlichen Nachbarn!". Den Anwohnern war das Opfer seit Jahren bekannt.

Auch in der "Dürpelstube" an der Düsseldorfer Straße war der Mord an dem 52-Jährigen beherrschendes Thema. "Ich kannte den Mann vom Sehen", sagt Inhaber Michael Vollak. Einige seiner Stammgäste hätten Roland H. ebenfalls gekannt. Er sei ein "angenehmer Obdachloser" gewesen, mit dem man immer vernünftig habe sprechen können. "Er gehörte einfach zu unserem Stadtteil." Er sei entsetzt, sagt Vollak, dass so etwas in unmittelbarer Nähe passiere. Das fand auch eine Aufderhöherin, die auf der Terrasse der Dürpelstube saß. "Ich musste direkt an den Obdachlosen denken, der vor einigen Wochen von Jugendlichen in seinem Auto in Kamp-Lintfort umgebracht wurde." Sie sei aber beruhigt, dass so schnell jemand festgenommen werden konnte.

Quelle: RP

 
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