Solingen: Tankstellen-Überfall: nur noch ein Angeklagter
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 15.04.2010Solingen (RPO). Erst als sie zwei Stunden später zu Hause war, realisierte eine Kassiererin, was da am 16. Januar um 5 Uhr morgens passiert war, nachdem drei junge Männer den Verkaufsraum einer Tankstelle an der Merscheider Straße betreten hatten. Denn plötzlich sah die 40-Jährige sich einem auf sie gerichteten Messer gegenüber. "Überfall, Geld raus" habe dann einer der Männer gerufen, berichtete die Kassiererin gestern vor dem Wuppertaler Landgericht. Dort müssen sich drei Männer zwischen 18 und 20 Jahren seit gestern verantworten. Für zwei endete das Verfahren schnell: Der 18-Jährige wurde freigesprochen, gegen den 20-Jährigen wurde das Verfahren eingestellt.
Für die Kassiererin ging es am Tattag noch glimpflich aus, denn plötzlich, wie er es gezogen hatte, steckte der Täter, ein 20-Jähriger, die Waffe wieder ein und verschwand ohne Beute mit den beiden anderen. Die Staatsanwaltschaft sagt in ihrer Anklage, dass die Täter erst von ihrem Vorhaben Abstand nahmen, als draußen ein Auto vorgefahren sei.
Doch wie die gestern im Gerichtssaal gezeigten Videos der Überwachungskameras deutlich machten, waren die Täter bereits beim Verlassen des Verkaufsraumes, als der Wagen vorfuhr. Juristisch könnte dies ein "Rücktritt vom Versuch" des Raubes sein, somit wäre eine geringere Strafe für den verbliebenen Angeklagten zu erwarten. Der 20-Jährige, der das Messer zog, will seine beiden Kumpels nicht in seine Pläne eingeweiht haben, sagte er gestern vor Gericht, das Messer habe er von einem ihm unbekannten Mann in Düsseldorf bekommen.
Andere Aussage bei der Polizei
Bei seiner Aussage bei der Polizei und vor dem Haftrichter hatte sich das noch völlig anders angehört. Da war von einem gemeinsamen Tatentschluss die Rede und davon, dass er das Messer von dem gleichaltrigen Mitangeklagten bekommen habe. Als Grund für diese Widersprüche gab der Angeklagte an, er habe sich bei Polizei und Haftrichter unter Druck gefühlt: "Ich hatte Angst", sagte der 20-Jährige.
Dass sie alle drei in der Tankstelle waren, gaben die Angeklagten zu. Dies zu leugnen hätte angesichts der klar erkennbaren Aufnahmen der Überwachungskamera auch keinen Zweck gehabt. Zuvor habe man zusammen drei Flaschen Wodka getrunken und Haschisch geraucht.
Fortsetzung der Verhandlung am 21. April um 9.15 Uhr in Wuppertal.
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