Solingen: Tannenbaum im Gepäck
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 16.12.2008Solingen (RPO). Metin Karyagdi lebt seit 20 Jahren in Solingen. Aber dieses Jahr feiert er mit der ganzen Familie Weihnachten in seiner alten Heimat Türkei. Sogar an ein Weihnachtsmann-Kostüm hat der Vater zweier Kinder gedacht.
Der Name ist in gewisser Weise Programm – und darum erscheint es auch nur folgerichtig, dass Metin Karyagdi am Samstag einen Flieger in Richtung Türkei besteigen wird. Übersetzt man nämlich seinen Familiennamen aus dem Türkischen, dann heißt der 45-Jährige „Es hat geschneit“.
Was wiederum in Adana, dem Heimatort des Mannes, der bei der Stadt Solingen seine Brötchen verdient, eher selten vorkommt. Macht aber nichts, denn die Chancen stehen trotzdem gut, dass in diesem Jahr in der Metropole mit ihren rund 1,4 Millionen Einwohnern tatsächlich so etwas wie Weihnachtsstimmung aufkommen wird. „Wir besuchen meine Verwandten, um mit ihnen zu feiern“, erzählt Metin Karyagdi, den es vor 20 Jahren der Liebe wegen nach Solingen verschlug. „Wir haben uns kennen gelernt, als ich damals in der Türkei Urlaub machte“, berichtet Ehefrau Britta Albrecht-Karyagdi, die ihren Mann zusammen mit den beiden Kindern Suzan (18) und Leon (6) auf seinem Weihnachtstripp in die alte Heimat begleiten wird.
Früher kamen die Verwandten aus Adana über die Feiertage nach Solingen und waren von der besinnlichen Adventsatmosphäre begeistert. Aber diesmal wird der Spieß umgedreht. „Schließlich wollen wir meiner ganzen Familie mal zeigen, wie schön Weihnachten in Deutschland ist“, erklärt Metin Karyagdi, der darum auch nicht die Gebühren für Übergepäck gescheut hat, die Fluggesellschaften ihrer Kundschaft in Rechnung stellen, wenn es ein wenig mehr zu transportieren gibt. Ein Tannenbaum aus Plastik, Geschenke für die Nichten und Neffen – ja, sogar an Plätzchen und Rotkohl fürs Festtagsessen haben die Karyagdis gedacht. „Denn schließlich weiß ich wirklich nicht so genau, ob es diese Sachen in der Türkei gibt“, lacht Familienvater Karyagdi, der sich dafür aber noch in allen Einzelheiten an sein erstes Weihnachtsfest in Deutschland erinnern kann.
1988 war es, der gelernte Techniker lebte erst wenige Wochen in Solingen – die Verständigung mit Ehefrau Britta ging einstweilen nur „mit Händen und Füßen sowie auf Englisch“, wie das Paar erzählt. Doch was soll’s, es hatte ja längst gefunkt zwischen den beiden. Und Metin Karyagdis Liebe zum deutschen Weihnachtsfest entflammte auch gleich. „Mir gefällt die Gemütlichkeit in der Adventszeit“, erklärt der Solinger mit türkischen Wurzeln, der vor allem für Toleranz zwischen den Religionen wirbt. „Wichtig ist, dass man sich für den Glauben des anderen interessiert“, wissen der Moslem und seine evangelische Frau.
Denn dann klappt’s auch mit dem Weihnachtsmann in der Türkei. „Ich werde mich zur Bescherung verkleiden“, lacht Metin Karyagdi, der sich schon auf das Fest in seiner alten Heimat freut.
Und wer weiß, vielleicht gibt’s in diesem Jahr in Adana ja wirklich mal weiße Weihnachten – bei dem Namen . . .
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