Solingen: Tierischer Besuch
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 30.03.2007Solingen (RPO). Ein Mal im Monat unterhalten Hund und Hase die Bewohner des Elisabeth-Roock-Hauses. Die Vierbeiner des Vereins „Tiere in Not“ werden dort mit Freude erwartet. Denn viele der älteren Menschen hatten einst selbst Tiere.
Christel Runkel hat die Hände voller Leckerli. Schwanzwedelnd stehen Lieselotte, Louis und Pedro vor der alten Dame im Rollstuhl. „Lecker, lecker, lecker“, ruft die Bewohnerin des Elisabeth-Roock-Hauses immer wieder strahlend aus. Ganz hingerissen ist sie von den Hunden vom Verein „Tiere in Not“, die ein Mal im Monat zu den alten Menschen zu Besuch kommen. „Ich hatte früher selbst einen kleinen Langhaardackel“, sagt sie.
Im Altenheim kann sich kaum jemand mehr um ein Tier kümmern, umso fröhlicher werden die vierbeinigen Gäste von den drei Pflegegruppen empfangen. „Es ist eine ganz herzliche Stimmung“, sagt Rita von Itter. Die Vorsitzende des Vereins „Tiere in Not“ hatte die Idee für den tierischen Besuch an der Neuenhofer Straße. „Ich selbst werde auch älter und kann mir nicht vorstellen, auf meine Hunde zu verzichten.“ Die alten Menschen hätten ihr leid getan, müssten sie doch oft ihre Tiere abgeben, wenn sie in ein Altenheim zögen.
Die Kooperation
80 Bewohner leben im Elisabeth-Roock-Haus in Höhscheid. Die drei Pflegegruppen bekommen abwechselnd alle drei Monate von Hund, Meerschwein und Co.
Die Mitarbeiterinnen von Tiere in Not kommen teilweise extra aus Waldbröl und Remscheid, um den Bewohnern eine Freude zu machen. Sie kommen mit eignenen Tieren oder Tieren, die in Vermittlung stehen.
Ruth Moheim hat Tränen in den Augen, als sie den kleinen grauen Turbo sieht. „Wie meiner früher“, murmelt sie. Loni Ossau ist vernarrt in Lieselotte. „Ich mag größere Hunde lieber.“ Die meisten der Damen und Herren, die sich im Aufenthaltsraum im ersten Stock eingefunden haben, hatten früher selbst ein Tier, wie sie gerührt erzählen. „Wir hatten zu Hause einen ganzen Zoo“, erinnert sich Helene Klöppel. Die 97-Jährige sitzt nicht allein in ihrem Sessel. In eine Decke auf ihrem Schoß hat sich Puschel gekuschelt. Zum ersten Mal ist das
Meerschwein zu Gast. „Süß, herrlich“ – Helene Klöppel blüht auf. Rita von Itter berichtet: „Einige haben nach Kaninchen oder Meerschweinchen gefragt, doch es müssen äußerst liebe, ruhige Tiere sein.“ So wie Puschel, der sich von Dame zu Dame weitergeben lässt.
Christiane Zirndorf vom Sozialen Dienst war von der Idee sofort begeistert. „Was unsere Bewohner erfreut, das stößt auch bei uns auf Gegenliebe.“ Jeder könne selbst entscheiden, ob er zu der tierischen Gesellschaft hinzukommen möchte und ob er beobachten, streicheln oder füttern wolle. Auch bettlägerige Bewohner bekommen Hausbesuch, wenn sie es wünschen. So wie Horst Heinen, der einen Schlaganfall hatte. Vorsichtig beginnt er zu streicheln. Sein Gesicht erhellt sich. Früher ist er viel mit seinem Schäferhund spazieren gegangen ist. Als er von Puschel hört, will er auch ihn kennenlernen.
Mit vier ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen sind die fünf Hunde gekommen, um für eine Stunde zu unterhalten. Margot Brandenstein (86) nimmt die Leckerli-Fütterung lustig: „Bratwürstchen wären besser als das Trockenfutter.“
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