Solingen: Tippen mit Teamgeist
VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 28.06.2008Solingen (RPO). Markus Groos ist Tabellenführer beim Tippwettbewerb der Firma Wüsthof – wird Deutschland Europameister, gewinnt er 100 Euro. Auch in den Büros der Arge an der Kamper Straße wird seit Beginn der EM munter getippt.
Fußball ist Emotion, Leidenschaft und Dramatik. Fußball kann aber auch ein komplexes Punktesystem, berechnendes Kalkül und eine siebenseitige Excel-Liste sein – zumindest bei der EM-Tippgemeinschaft der Firma Ed. Wüsthof Dreizackwerk. „44 Mitarbeiter aus allen Bereichen spielen mit, die Geschäftsleitung ist auch dabei“, erklärt Klaus Kühnlenz, Disponent des Unternehmens und Organisator des Tippspiels, „jeder musste fünf Euro Startgeld bezahlen.“ Am Computer hat Kühnlenz eine umfangreiche Liste erstellt, allerdings nicht ganz ohne Hilfe: „Bei der Programmierung hat mir ein Kollege aus der EDV-Abteilung geholfen, denn das war sehr aufwändig. Die Pflege übernehme ich selbst.“
Tippspiel
„Die Geschäftsführung der Firma Wüsthof hat das EM-Tippspiel direkt befürwortet“, erklärt Achim Dültgen, Personalleiter des Unternehmens. Und nicht nur das: „Die Chefs spielen auch selbst mit, wenn auch auf den hinteren Platzierungen.“ Wichtig sei lediglich, dass die Organisation und Durchführung des Spiels nicht während der Arbeitszeiten abliefen.
Aus dem Bauch heraus
Nach dem Abpfiff jedes Spiels aktualisiert er die Tabelle und informiert seine Mitspieler sogar per E-Mail über Auf- und Absteiger. „Ein solcher Wettbewerb erzeugt Spannung und sorgt für Diskussionsstoff unter den Kollegen. Wir ziehen uns auch gerne gegenseitig damit auf, wenn einer völlig falsch gelegen hat“, verrät der Disponent schmunzelnd.
Markus Groos betrifft das nicht: Er hat richtig getippt und führt die Tabelle an. Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Sonntag Europameister wird, gewinnt er 100 Euro, „das reicht für eine Tankfüllung“, lacht der Einrichter und erklärt sein Erfolgskonzept: „Ich habe mir die Statistiken der vergangenen Europameisterschaften angesehen, mich mit den Quoten befasst – und letztlich doch aus dem Bauch heraus getippt.“ Taktisches Vorgehen beim Wetten sei nichts für ihn, „dafür ist Fußball viel zu sehr Herzenssache“, gesteht der Schalke-Fan. Zu siegessicher möchte sich Groos jedoch noch nicht geben, „wenn Spanien gewinnt, können andere Mitspieler noch aufholen.“
Auch bei Arge und der Agentur für Arbeit wird auf den Ausgang der EM getippt, insgesamt 121 Mitspieler haben ihren Tippschein abgegeben. „Neben den Mitarbeitern können auch Angehörige und Partner mitspielen“, weiß Sabine Meiswinkel, persönliche Ansprechpartnerin im U25-Team der Arge. Sie verwaltet die Tabelle mit den Ergebnissen – und ist selbst weit abgeschlagen: „Obwohl ich mich mit Weltranglisten und Wettquoten beschäftigt habe, bin ich nur auf Platz 99 gelandet.“
Ihr Kollege Jörg Binkenborn steht momentan auf Platz zehn, siegt Deutschland im Finale ist ihm der siebte Platz sicher. „Ich spiele selbst Fußball und interessiere mich für den Sport. Trotzdem ist Tippen ein Glücksspiel – und ich habe einfach Glück gehabt“, sagt der Verwaltungsfachwirt bescheiden. Auch hier hat jeder Mitspieler fünf Euro entrichtet, die Gesamtsumme wird auf die ersten zehn Gewinner aufgeteilt. „Für den Letzten gibt es sogar noch einen Trostpreis“, beruhigt Meiswinkel. Über den Ausgang des Finalspiels herrscht Einigkeit: „Deutschland wird Europameister“, sagen Sabine Meiswinkel und Jörg Binkenborn einstimmig. Markus Groos liefert gleich das Ergebnis dazu: „3:2, das besagt schon das Gesetz der Serie“, ist sich der Fußball-Fan sicher.
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