Solingen: Tod eines Maklers: Prozessbeginn am 28. Juli
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 16.07.2009Solingen (RPO). In einem Mordprozess ohne Geständnisse will die Staatsanwaltschaft einem Paar aus Solingen in rund zwei Wochen die Tötung eines 69-jährigen Immobilienmaklers nachweisen. Die Anklage vor dem Schwurgericht, das ab 28.Juli verhandelt, stützt sich auf eine Indizienkette gegen die beiden 23-Jährigen. Demnach soll das Paar im Oktober 2008 mit zwei Scheren auf das Opfer in dessen Büro an der Bismarckstraße eingestochen haben, bis der Makler tot war. Der ermittelnde Staatsanwalt Ralf Herrenbrück geht von Raubmord aus. Das beschuldigte Paar soll die Bluttat aus Geldnot begangen haben
Die angeklagte Frau war einst Mitarbeiterin im Büro des Maklers gewesen. Am Tatabend habe sie mit dem 69-Jährigen eine Verabredung in dessen Geschäftsräumen gehabt, es soll dabei auch um eine erneute Beschäftigung der jungen Frau gegangen sein. Da der Makler aber statt eines erhofften Vorschusses von 5000 Euro lediglich 800 Euro angeboten habe, soll die Frau das Büro wieder verlassen haben.
Der Staatsanwalt Ralf Herrenbrück ist jedoch sicher, dass die Angeklagten gemeinsam kurz danach in das Büro zurückgekehrt sind, den Makler mit wuchtigen Scherenstichen getötet und anschließend ausgeraubt haben. Dem Opfer sei obendrein der Kiefer zertrümmert worden. Der Frau soll kurz vor der Tat ein Bankkredit gekündigt worden sein. Ihr Freund, Inhaber einer Karateschule in der Klingenstadt, habe kurz vor dem Ruin gestanden. Durch den Mord habe das Paar einen vierstelligen Geldbetrag und Wertgegenstände erbeutet.
Eine der Säulen der Anklage bildet ein geheimnisvoller Rucksack, der von einer Spaziergängerin wenig später zufällig am Unterbacher See entdeckt worden war. Darin fanden Ermittler mehrere Geldkarten des ermordeten Maklers sowie ein Paar Turnschuhe mit dem Blut des 69-Jährigen. Anhand von DNA-Ergebnissen will die Anklage jetzt beweisen, dass diese Turnschuhe dem Karatelehrer aus Solingen gehörten. Weitere Spuren wurden an den bei der Tat verwendeten Scheren gefunden. Auch sollen DNA-Spuren der Frau an der Kleidung des Opfers gesichert worden sein.
Seit die Angeklagten unter Mordverdacht in Untersuchungshaft sitzen, haben sie keine weiteren Aussagen gemacht. Für die Verhandlung gegen beide hat das Landgericht mehrere Prozesstage reserviert.
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