Solingen: Tränen bei Globus
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 30.03.2007Solingen (RPO). Rewe verkündet vollmundig Rekordergebnisse mit kräftig gestiegenen Gewinnen und schließt Globus in zweieinhalb Monaten. Für die 64 um ihre Existenz bangenden Mitarbeiter des Warenhauses ist das wie ein Schlag ins Gesicht.
Sie fühlen sich, als ob man ihnen den Boden unter den Füßen wegreißt. „Es geht um Existenzen. Unsere Familien stehen dahinter.“ Als Olaf Zachau, Burghard Pfuhler, Ellen Nicolaus und Linda Sachpatzidis die vollmundige Erfolgsmeldung ihres Kölner Arbeitgebers in diesen Tagen in der Zeitung lasen, fühlten sich die vier Mitarbeiter des Walder SB-Warenhauses Globus wie vor den Kopf gestoßen. „Wir verlieren hier unsere Arbeitsplätze“ – und der Rewe-Mutterkonzern spreche zugleich von kräftig gestiegenem Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr. „Das passt nicht zusammen“, sagen die in ihren Herzen tief getroffenen Mitarbeiter.
Laut der von Konzernchef Alain Caparros ausgegebenen Qualitätsoffensive soll es bei der Rewe-Gruppe künftig heißen: „Genuss, Spaß, Kompetenz, Emotionen, Gesundheit – alles was das Leben sexy macht.“ 1,2 Milliarden Euro will der Handelskonzern investieren – und das Geld unter anderem in die Eröffnung von 550 neuen Märkten stecken, davon etwa 300 in Deutschland.
Globus
Am 14. Juli, ein Samstag, ist die letzte Schicht im Walder SB-Warenhaus Globus. An diesem Schließungskurs hält die Geschäftsführung des zur Kölner Rewe-Gruppe gehörenden Kaufhauses beharrlich fest. Als Grund für die Schließung hat das Unternehmen deutliche wirtschaftliche Verluste angegeben.
64 Mitarbeiter beschäftigt Globus. Das Warenhaus mit Vollsortiment-Angebot auf 5500 Quadratmetern besitzt ein eigenes Parkhaus mit 250 Stellplätzen.
Im September könnte das Kaufhaus im Walder Zentrum 25-jähriges Bestehen feiern.
Keine Antwort finden
„Ich habe geweint.“ Ellen Nicolaus ringt noch immer mit den Tränen. Sie findet wie ihre 63 Arbeitskollegen keine Antwort darauf, warum ein Konzern, der offenbar glänzend dasteht, ohne mit der Wimper zu zucken, den Globus-Standort schließt und die Mitarbeiter auf die Straße schickt. Im Herbst könnte Ellen Nicolaus 25-jähriges Betriebsjubiläum feiern. Wenn sie, Olaf Zachau, Burghard Pfuhler sowie Linda Sachpatzidis ihre Dienstzeiten addieren, kommen sie zusammen auf 75 Jahre. Eine lange Zeit, in der sie sich für das Unternehmen eingesetzt haben. „Wir sind eine Familie und gehören hier zusammen“, heißt es bei den Mitarbeitern, und die Kunden werden dabei herzlich einbezogen.
„Unser Globus soll bleiben“ – gut 13 000 haben dafür schon unterschrieben. Am Infostand im Eingangsbereich des Warenhauses liegen Listen aus, um gegen die Schließung zu protestieren. Am Tag, als das Rewe-Rekordumsatzergebnis in der Zeitung stand, bildete sich sogar eine Schlange der Kunden am Unterschriftenstand.
Olaf Zachau sitzt bei Globus an der Kasse. Wenn in ein paar Wochen Schluss sein sollte, weiß er nicht wie es weiter geht. Bekommt er einen neuen Arbeitsplatz? „Mit jedem Tag, den es auf das Ende zugeht, wird es schlimmer“, beschreibt er seine Zukunftsängste. Seinen Kollegen geht es ebenso. Olaf Zachau muss von seinem Gehalt seiner Mutter zur Seite stehen. „Sie bekommt nur eine kleine Rente.“ Falls er im Sommer seine Stelle verlieren sollte, sorgt die Familie vor. Die Rentnerin ist bei Globus jetzt eingestellt worden: ein Zehn-Stundenjob in der Woche für die 71-Jährige. Bei dem Warenhaus hat man ihr den Dazu-Verdienst angesichts der ungewissen Aussichten ermöglicht. Solidarität mit den Mitarbeitern, die Globus in Wald immer so stark gemacht hat.
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