Solingen: Unfallgefahr: eine Trasse, viele Nutzer
VON GÜNTER TEWES - zuletzt aktualisiert: 07.08.2009Solingen (RPO). Ilona Rauch geht mit ihrem Hund durch den Schlagbaum-Tunnel der Korkenziehertrasse. Husky "Anuk" hält sie ganz dicht an der Leine. Die spärlich ausgeleuchtete Röhre ist gefährlich. Während ihrer täglichen Spaziergänge mit dem Tier beobachtet sie das immer wieder, weil sich Spaziergänger, Skater und Radfahrer eng begegnen.
Häufig legten diese auf den Sitzbalken am Ausgang zum einstigen Nordbahnhof eine kleine Verschnaufpause ein.
Und manchmal, erlebt Ilona Rauch, kommen Radfahrer mit einem Affenzahn aus dem Tunnel herausgerauscht. "Wenn dann ein Kind plötzlich auf die Trasse laufen würde, könnten die nie und nimmer bremsen."
Radfahrer Harald Feldmann teilt ihre Meinung: "Die Korkenziehertrasse ist keine Rennstrecke. Sie soll der Erholung dienen."
Jedenfalls haben sich die Verkehrssicherheitsberater der Polizei mit ihrem Info-Stand gestern genau an dieser heiklen Stelle ausgangs des Schlagbaum-Tunnels postiert. Spaziergänger, Skater und Radfahrer müssen sich die beliebte Trasse teilen – "vor allem am Wochenende wird es hier eng", beschreiben Thomas Müller und Ulli Schmidt die Situation. Konflikte zwischen den verschiedenen Nutzern sind nicht auszuschließen. Gegenseitige Rücksichtnahme und vorausschauendes Fahren sei denn auch vonnöten, so die Botschaft der beiden Polizisten.
Reichlich Info-Material bieten sie an dem Stand. Zudem wird auf das wichtige Tragen eines Fahrradhelms und die große Bedeutung reflektierender, gut zu erkennender Kleidung aufmerksam gemacht. Auch Bremstests werden angeboten, um Radlern ein besseres Gefühl für den langen Anhalteweg zu vermitteln; und dies selbst bei geringem Tempo.
"Die Korkenzieher-Trasse ist kein Hauptunfall-Brennpunkt", berichten die Verkehrssicherheitsberater Schmidt und Müller. In diesem Jahr seien von der Polizei bislang nur zwei Unfälle aufgenommen worden: Ein jugendlicher Radler habe das Lenkrad verrissen, sei gestürzt und habe Prellungen sowie Schürfwunden erlitten; zudem sei ein Radfahrer in eine Fußgängergruppe gefahren. Nach den Worten der beiden Polizisten handelt es sich dabei um keine hohe Zahl – gemessen an dem Betrieb auf der Korkenziehertrasse.
Dennoch: Im vergangenen Jahr verunglückte ein 75-jähriger Radfahrer auf der Trasse unweit des Schlagbaum-Tunnels tödlich an den Folgen eines Sturzes. Im Kopf habe sich ein Blutgerinsel gebildet; der Radfahrer habe keinen Helm getragen, berichten die Verkehrserzieher.
Verkehr nimmt immer mehr zu
"Der Verkehr auf der Trasse nimmt immer mehr zu", erlebt Christa Knopp den zunehmenden Hochbetrieb. Um im Alter fit zu bleiben, radelt sie täglich – und wurde vor einem Jahr selbst in einen Unfall verwickelt. Ein junger Mann musste mit seinem Mountain-Bike plötzlich ausweichen, stürzte, schlingerte samt Rad auf sie zu und verletzte sie am Bein. "Das war ein großer Schreck."
Christa Knopp ist froh, vormittags auf der Trasse radeln zu können. Abends, wenn die jungen Leute nach ihrem Job reichlich Tempo mit ihren Rädern machen, um verständlicherweise Dampf abzulassen, fährt sie möglichst nicht. Das ist ihr zu riskant.
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