Solingen: Uni und Betriebe suchen Alternativen zu PFT
zuletzt aktualisiert: 22.10.2009 - 11:00Solingen (RPO). Seit vergangenem Jahr forscht die Bergische Universität zusammen mit zwei Betrieben aus Solingen (Galvano Röhrig) und Langenfeld (Detlef Bingen) daran, wie sich der Einsatz von Perfluortensiden (PFT) – genauer gesagt: von Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) – verringern lässt. Das Problem: PFOS steht zwar unter dem Verdacht, Leberkrebs zu erzeugen, ist in der Galvano-Industrie aber bislang unerlässlich und deshalb dort noch erlaubt. In der Kunststoff-Galvanik wird es in der Beize eingesetzt, in der Metall-Galvanik wird es beim Verchromungsprozess als zuverlässiger Schutz der Arbeitnehmer vor Kontakt mit dem giftigen Chromsalz verwendet, erklärt Professor Joachim M. Marzinkowski, Leiter des Fachgebietes Sicherheitstechnik und Umweltchemie an der Wuppertaler Universität.
"PFOS lässt sich in Klärwerken allerdings nicht abbauen." Nur ein kleiner Teil werde durch den Klärschlamm zurückgehalten. "Der Rest geht hinaus in die Flüsse." Und bleibe dort über lange Zeit erhalten, weil es sehr langlebig und gut wasserlöslich sei. So komme es, dass die Itter teilweise deutlich mehr als die 300 Nanogramm PFOS pro Liter aufweise, die das Umweltbundesamt als Leitwert für Trinkwasser derzeit empfehle (ein Nanogramm ist ein Millionstel Milligramm).
Forschung bis spätestens Ende 2010
Ziel des Forschungsprojektes "Galvarec", das spätestens Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein soll und das der Bund mit einer Million Euro finanziert, sei es daher, Alternativen für PFOS zu finden und – wo dies nicht möglich sei – Verfahrensvarianten zu finden, durch die PFOS in den Betrieben zurückgehalten und wieder verwendet werde und nicht ins Abwasser gelange. Gleichzeitig müssten sich die Lösungsvorschläge für die Galvanik-Betriebe auch rechnen, sonst setze sie niemand um.
"Die beiden teilnehmenden Betriebe in Solingen und Langenfeld verwenden bereits einige Alternativprodukte – nämlich weniger bedenkliche Tenside – mit Erfolg", berichtet Joachim Marzinkowski. Dennoch finde sich auch in ihrem Abwasser noch PFOS, weil sich das Tensid in der Vergangenheit hartnäckig an Behälterwänden angelagert habe. Es werde daher noch eine Weile dauern, bis dieses Problem gelöst sei.
Grundsätzlich warnt der Chemiker davor, Perfluorkohlenstoff-Verbindungen generell zu verteufeln. "Weil sie schwer entflammbar, wasser-, öl- und schmutzabweisend sind, werden Teppiche mit Perfluorkohlenstoff-Verbindungen ausgerüstet und Pfannen antihaftbeschichtet. Auch in Goretex-Kleidung ist eine Membran aus diesem Kunststoff enthalten", sagt Marzinkowski.
Beim Verchromungsprozess gebe es auch weiterhin keine Alternative zu PFOS. "Aber bei allen anderen Verwendungen, so bei der Kunststoffherstellung und in Löschmitteln, ist der Einsatz von PFT zu hinterfragen."
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