Solingen: Vermisster Rentner ist wohl tot
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 08.07.2009 - 16:54Solingen (RPO). Ein Spaziergänger hat den 78-jährigen Kurt L. in einem Waldstück in Glüder, nicht weit von der Wupper entfernt, entdeckt. Laut Polizei ist der Mann in einem Steilhang gestürzt. Es gebe keine Hinweise auf ein Verbrechen.
Der seit über einem Monat vermisste Rentner Kurt L. ist Dienstagabend höchst wahrscheinlich gefunden worden. Ein 71-jähriger Spaziergänger aus Höhscheid, der mit seinem Hund in Glüder jenseits der Wupper im Wald Richtung Witzhelden unterwegs war, hatte laut Polizei gegen 19 Uhr Verwesungsgeruch wahrgenommen.
In einem mit Tannen bewachsenen Steilhang oberhalb des Böckelchenbachs suchte er nach dem Grund und entdeckte eine männliche Leiche. Die herbeigerufenen Ermittler gehen anhand der Kleidung, der Größe und der vorgefundenen Gegenstände davon aus, dass es sich um den Vermissten handelt. Ob er noch obduziert werde, entscheide heute die Staatsanwaltschaft, berichtete Polizeisprecher Gustav Heyer. "Anzeichen für ein Fremdschulden gibt es nicht."
Kopfüber soll der Mann nach Aussage von Beamten in den dichten Tannen gelegen haben, was darauf hindeute, dass er – möglicherweise durch einen Schwächeanfall oder Herzinfarkt – von einer oberhalb gelegenen Stelle herabgestürzt sei. "Vielleicht ist er über einen Trampelpfad auf das nahe Plateau gegangen", mutmaßt ein Ermittler. Oder der 78-Jährige sei – aus welchem Grund auch immer – gezielt ins Gebüsch gegangen. Vollständig aufklären lasse sich der Hergang wohl nicht.
Umfangreiche Suche
Kurt L. hatte am Vormittag des 4. Juni seine Wohnung in Jagenberg verlassen und war seitdem nicht zurückgekehrt. Ehefrau und Sohn wandten sich daraufhin an die Polizei.
Umfangreiche Suchaktionen mit zum Teil über 100 Polizisten aus Solingen, Remscheid und Wuppertal, dem Einsatz von Tauchern und Polizeihubschraubern sowie Suchhunden hatten keinen Erfolg gebracht. Ebenso wenig die grobe Ortung des Handys des Vermissten.
Am 24. Juni war sogar das Wasser aus dem Wasserwerk Glüder abgelassen worden, weil man die Leiche des Rentners dort vermutet hatte.
Während der Suchaktionen seien in diesem Gebiet zwar speziell trainierte Hunde eingesetzt worden, einer habe auch die Spur des Mannes bis zum Böckelchenbach verfolgt. "Aber dann ist er umgekehrt, rund 50 Meter von der jetzigen Fundstelle entfernt", berichtet ein Beamter. "Möglicherweise hat ihn der Wasserlauf irritiert." Zu sehen gewesen sei der Rentner in dem Dickicht unter den Tannen nicht.
Die waldige Gegend – sie ist nur etwa 200 Meter Luftlinie vom Campingplatz Glüder entfernt – ist eigentlich recht belebt. Gleich vier Wanderwege führen hier entlang, unter anderem der Rundwanderweg A 3 sowie der Bezirkswanderweg von Leverkuse-Opladen nach Burg.
Klaus Flügel joggt hier des öfteren, ebenso an der Sengbachtalsperre und in Müngsten. "Ich habe dabei die Augen aufgehalten und versucht, den Mann zu finden", berichtet der 51-jährige Burscheider. "Es ist schließlich ein ungutes Gefühl zu wissen, dass hier jemand spurlos verschwunden ist. Da kann man ja auch ein Verbrechen nicht ausschließen." Angst, weiterhin alleine durch den Wald zu laufen, hat Flügel nicht. "Ich halte mich immer nur auf den Wegen."
Dazu rät auch Peter Reisener, der städtische Seniorenbeauftragte. "Der tragische Unfall zeigt, dass es selbst mit der heutigen Technik keine Sicherheit gibt." Schließlich hätten die Beamten den Rentner per Handy zwar in etwa geortet, dann aber doch nicht gefunden. "Bevor man sich auf eine Wanderung begibt, sollte man überlegen, ob man sie alleine schafft und ob man sie nicht lieber in Begleitung macht."
Ähnlich sieht es Dr. Petra Reingen vom Stadtdienst Gesundheit. Wünschenswert sei es zwar, sich mindestens zu zweit auf den Weg zu machen. "Aber manche wollen ja bewusst alleine unterwegs sein", sagt die Ärztin. "Und wenn jemand körperlich und geistig fit ist, bestehen auch keine Bedenken."
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