Solingen: Volltrunken hört der Spaß auf
zuletzt aktualisiert: 16.02.2009Solingen (RPO). Interview Jugendliche greifen immer früher zur Flasche. "Für sie ist es leider kein Problem, an Alkohol zu kommen", bedauert Achim Weiser. Der Stadtdienst Ordnung steuert durch Kontrollen gegen.
Alkohol und Jugendliche – ist das ein Problem, und vor allem im Karneval? Mit Altweiber und Rosenmontag stehen doch jetzt die kritischen Tage bevor.
Weiser Vor einem Jahr war es überraschend und erfreulich ruhig. An Rosenmontag waren wir vom Stadtdienst Ordnung mit acht Mann unterwegs. Wir haben vor, während und nach dem Zug kontrolliert. Die Alkoholika, die wir dort bei Jugendlichen gefunden haben, finden wir bei ihnen auch an einem normalen Sommerabend. Nur weil Karneval war, hatten sich Jugendliche nicht besonderes zugeschüttet.
Haben Jugendliche im Prinzip also kein Problem mit dem Alkohol?
Weiser Doch! Grundsätzlich ist es ein Problem, dass Kinder und Jugendliche immer früher anfangen zu trinken. Wir erwischen schon 14-Jährige mit einem Bier. Das Problem ist immer akut, nicht nur zu Karneval. An schönen Sommertagen ist es sogar noch größer als während der Karnevalstage.
Jugendschutz
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen in der Öffentlichkeit überhaupt keinen Alkohol trinken, Jugendliche unter 18 Jahren keine branntweinhaltigen Alkoholika.
16- bis 18-Jährigen darf in Gaststätten Bier ausgeschenkt werden, aber nicht mehr nach 24 Uhr – die Wirte müssen hierauf achten und Jugendliche zum Verlassen des Lokales auffordern.
Übrigens: Laut Jugendschutzgesetz dürfen unter 18-Jährige in der Öffentlichkeit auch nicht rauchen.
Wird das von Jahr zu Jahr schlimmer?
Weiser Offensichtlich geht der Trend in diese Richtung. Im Vergleich zu den Vorjahren ist es bei uns tatsächlicher schlimmer geworden. Wodka ist sehr beliebt. Unter 18-Jährigen, die wir damit zum Beispiel im Bärenloch oder im Maltesergrund antreffen, nehmen wir die Flaschen weg.
Was passiert dann?
Weiser In schweren Fällen benachrichtigen wir direkt die Eltern. Die bekommen ohnehin eine Mitteilung. Weil wir die Jugendlichen vorladen. Wir wollen von ihnen wissen, wo sie den Alkohol her haben. Gegen jedes Büdchen, das gegen das Jugendschutzgesetz verstößt, leiten wir ein Bußgeldverfahren ein. Die Abgabe von Alkohol an Kinder und Jugendliche ist verboten.
Welche Strafen drohen dem Kioskbetreiber?
Weiser Das wüssten wir auch gerne. Die Verfahren werden vor dem Amtsgericht eingestellt. Offensichtlich sieht man das dort als ein Kavaliersdelikt an. So war das beim letzten Verfahren. Obwohl es Zeugen gab, hat der zuständige Richter das Verfahren trotzdem eingestellt.
Wie sehen Sie das denn beim Stadtdienst Ordnung mit dem Alkohol bei Jugendlichen?
Weiser Das ist kein Kavaliersdelikt. So etwas muss stärker verfolgt werden, damit Jugendliche geschützt werden. Unsere Aufgabe beim Ordnungsamt ist, dafür zu sorgen, dass insbesondere Jugendliche nicht übermäßig trinken. Das sehe ich als meinen Job an. Unter 16-Jährige dürfen kein Bier trinken, unter 18-Jährige keinen Schnaps. Das steht klipp und klar im Jugendschutzgesetz. Es lässt kein Ermessen zu. Alkohol ist kein Spaß. Wer regelmäßig trinkt, braucht das irgendwann. Bei Erwachsenen liegt das in der eigenen Verantwortung. Bei Kindern und Jugendlichen haben wir einen großen Teil der Verantwortung.
Woher bekommen Jugendliche den Alkohol?
Weiser Der wird ihnen am Kiosk oder in Geschäften verkauft. Und zwar dort, wo sich die Mitarbeiter nicht den Personalausweis zeigen lassen. Oft sieht ein 16-Jähriger wie ein Volljähriger aus. Doch die Optik täuscht. Die Jugendlichen wissen, wo sie hingehen müssen. Für Jugendliche ist es leider kein Problem, an Alkohol zu kommen. Den Schnaps kauft manchmal ein 18-Jähriger aus der Clique und gibt ihn an seine 16- und 17-jährigen Freunde weiter. Auch diese Fälle gibt es: Der Alkohol wird legal gekauft und landet in der Clique in den falschen Händen.
Wird in Gaststätten an Minderjährige ausgeschenkt?
Weiser Hier gibt es ebenfalls schwarze Schafe. Gaststätten kontrollieren wir ganzjährig. Im vergangenen Jahr nach dem Rosenmontagszug haben wir uns in den bekannten Lokalen eigens umgesehen. Auch hier kennen wir unsere Pappenheimer. Die werden verstärkt kontrolliert.
Günter Tewes führte das Gespräch.
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