Solingen: Von der menschlichen Existenz
VON MICHAEL TESCH - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012Solingen (RP). Zwei inhaltliche Säulen tragen das Kunstmuseum Solingen. Die eine widmet sich den verfolgten Künsten, die andere der zeitgenössischen Kunst. Beide Bereiche vereint jetzt Daniel Pesta mit seiner Ausstellung "Gravitation Zero".
Daniel Pesta stellt in seiner Medien-übergreifenden Kunst viele Fragen. Fragen nach dem kollektiven Gewissen, nach Unrecht und Verbrechen sowie privaten, nie aufgedeckten Familien-Geschichten. Seine Ausstellung "Gravitation Zero – Tribut für Pina Bausch", die heute um 16 Uhr im Solinger Kunstmuseum eröffnet wird, verknüpft also hervorragend die beiden inhaltlichen Säulen des Gräfrather Hauses: die zeitgenössische Kunst und die verfolgten Künste.
Das geschieht in der Ausstellung auch durch einen Brückenschlag zwischen Altbau (mit der Literatursammlung Serke) und dem Anbau mit den Räumen für Wechselausstellungen. Pesta präsentiert in dem den böhmischen Schriftstellern gewidmeten Kabinettraum im Altbau seinen Zyklus "Hölle". Der auch einen Dialog herstellt zum Schicksal des von Pesta hoch geschätzten Dramatikers und Präsidenten Vaclav Havel.
Ausstellung
Die Ausstellung "Gravitation Zero – Tribut für Pina Bausch" von Daniel Pesta wird heute um 16 Uhr im Kunstmuseum eröffnet. Eine Einführung hält Prof. Dr. Martin Damus, anschließend bietet Kurator Jürgen Kaumkötter (Museum Montanelli Prag) einen Rundgang durch die Ausstellung an. Der Katalog ist zum Preis von 49 Euro im Museumsshop erhältlich. "Gravitation Zero" ist bis zum 18. März in Gräfrath zu sehen.
Der Bezug zum Solinger Museum, das Pesta vor zwei Jahren bei einem Besuch mit dem Kurator Jürgen Kaumkötter kennengelernt hatte, ergibt sich aber auch aus der Biografie des Künstlers selber. 1959 in Prag geboren, studierte er an der dortigen Baugewerbeschule und der Vaclav-Hollar-Kunstschule. Unter dem kommunistischen Regime war Pesta als Arbeiter in unterschiedlichen Berufen tätig. Als Werbegrafiker entwarf er für alternative Bands Plattencover und Plakate. Parallel malte und zeichnete er. 1989 erhielt Pesta seinen Reisepass zurück und konnte das Land verlassen. Zwei Lebenserfahrungen spiegeln sich also im Werk des Multimedia-Künstlers wider, der heute in Prag und Frankfurt arbeitet: das Leben in kommunistischer Unfreiheit, in dem er als Künstler gesellschaftlich und künstlerisch isoliert war, sowie das sich anschließende Leben in der freien Welt.
"Träumerischer Nebel"
Jürgen Kaumkötter, Kurator der Ausstellung, hat gemeinsam mit Pesta eine sehr auf die Räume des Museums eingehende Präsentation geschaffen. Dafür haben beide auch Eingriffe in die Architektur der Räume vorgenommen, oder, wie es Direktor Dr. Rolf Jessewitsch beschreibt, "eine Art träumerischen Nebel geschaffen", in dem die Ausstellung im abgedunkelten Dämmerlicht zu erleben ist.
Zu Beginn des Rundgangs begegnet der Besucher dem Künstler zweimal, in einer raumgreifenden Doppelprojektion und in einem scheinbaren Dialog. Ein Video trägt den Titel "Schrei", das andere "Narziss". In beiden trägt Pesta eine dünne Latexmaske. Im "Schrei" verhindert der Künstler diese Möglichkeit durch das Zusammennähen des Maskenmundes, in der zweiten Arbeit verspeist er als "Narziss" sein eigenes Maskenabbild.
In allen Werken Pestas steht die menschliche Existenz im Mittelpunkt. Mal schafft er aus alten Fotos einen genetischen Code, dann zeigt er, eingegossen in von Stahlbändern zusammengehaltenen Giesharzwürfeln, die neun Stadien der menschlichen Embryonalentwicklung. Zu dieser Wandarbeit pilgern zwölf Figuren, die alle den gleichen Körper, aber unterschiedliche Gesichtsmasken aus Wachs tragen. Alle Wesen sind in einer Bewegung eingefroren. Die Arbeit hat Pesta Pina Bausch gewidmet. "Ballett ist mein großes Hobby. In meinem zweiten Leben werde ich Choreograph", lacht der Künstler.
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