Solingen: Wege aus der Alkoholsucht
VON SANDRA HEINZELBECKER - zuletzt aktualisiert: 10.09.2008Solingen (RPO). Das Team des Blauen Kreuzes steht Menschen mit Alkoholproblemen zur Seite. Bei einem Tag der offenen Tür an der Brühler Straße hat sich der Ortsverein jetzt vorgestellt.
Blaues Kreuz
30 Mitglieder hat der Verein Blaues Kreuz in Solingen und betreut insgesamt über 80 Betroffene und deren Angehörige. In verschiedenen Gruppen wird die Möglichkeit geboten, über eigene Erfahrungen zu sprechen, über Probleme und Ängste. Ein Impulsthema soll helfen, sich mit verschiedenen Fragen auseinander zu setzen, beispielsweise: Wie gehe ich mit einem Rückfall um?, oder: Wie bewältige ich meine Wut?
Dem Menschen seine Selbstachtung wiederzugeben und ihm zu helfen, wieder ein selbst bestimmtes Leben zu führen, das ist das Ziel des Blauen Kreuzes. Bereits seit 1902 zeigen die Mitarbeiter und Helfer des Blauen Kreuzes in Solingen Wege aus der Alkoholsucht auf, bieten Hilfe zur Selbsthilfe an. 20 Jahre findet man den Solinger Ortsverein nun schon in der Brühler Straße 60.
Anlässlich dieser Zeitspanne veranstaltete das Blaue Kreuz einen Tag der offenen Tür, um über Arbeit und Sucht zu informieren, aber auch zu beraten und Kontakte zu knüpfen. „Um trocken zu bleiben, müssen auch Alltagsprobleme besprochen werden“, erklärt Bärbel Girgzdies, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Solingen des Blauen Kreuzes. Doch auch über das Krankheitsbild wird informiert. „Viele Angehörige wissen kaum etwas darüber.“ Zwei gemischte Gruppen betreut das Blaue Kreuz in der Klingenstadt. Anfang des Jahres wurde zusätzlich eine Frauengruppe ins Leben gerufen. „Wichtig ist, dass sich die Menschen angenommen fühlen“, so Girgzdies. Neben den Gesprächsgruppen bietet das Blaue Kreuz auch Gestaltungsmöglichkeiten für die Freizeit an, wie Kegeln, Wandern oder Ausflüge.
„Viele vereinsamen durch die Sucht“, erklärt Girgzdies. Es sei wichtig, ihnen die Möglichkeit zu geben, Freundschaften aufzubauen und führen zu lernen. Natürlich ist die Arbeit mit suchtkranken Menschen nicht immer einfach. Alle Mitarbeiter sind deshalb durch ihre Ausbildung zu Suchtkrankenhelfern und regelmäßige Fortbildungen gut vorbereitet.
Chancen und Möglichkeiten
„Über Chancen und Möglichkeiten der Behandlung bei Alkoholproblemen“, sprach Dr. Matthias Brecklinghaus, ärztlicher Leiter der Fachklinik des Blauen Kreuzes in Radevormwald, während seines Fachreferates. „Das Kernstück ist die Langzeittherapie“, erklärte er. Der rein medizinisch erfolgte Entzug dauere zwei bis drei Wochen, die Entwöhnung jedoch bis zu 16 Wochen.
„Die Hälfte der Patienten bleibt trocken“, führt Brecklinghaus Statistiken an, „die Wahrscheinlichkeit ist höher, wenn Selbsthilfegruppen besucht werden.“ So blieben die Menschen nach der Entwöhnung nicht in einem leeren Raum hängen. Deshalb sei die Arbeit der Selbsthilfegruppen so wichtig. Brecklinghaus: „Selbsthilfegruppen können leisten, was Therapeuten nicht leisten können.“
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