Solingen: Weichenstellung im Klinikum
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 27.06.2008Solingen (RPO). Die Ambulanz soll „patientenfreundlich“ umgebaut werden. Zurzeit erarbeitet eine Expertengruppe ein Konzept. Handlungsbedarf besteht: Denn wenn die Wartezeiten zu lang sind, gibt es immer mal wieder böses Blut.
Dem älteren Herrn war im Bus schwindelig geworden – und so endet die Fahrt nicht am eigentlichen Ziel, sondern erstmal bei Thorsten Klein. Es ist jetzt kurz nach elf. Die Notaufnahme des Solinger Klinikums liegt im Souterrain des Gebäudes. Die Sonne schafft es kaum bis hier unten – und in solchem Licht wirkt der Bereich schon ein wenig trüb, zumal der kleine Fernseher, der einzig für Ablenkung sorgen könnte, im Moment aus ist.
Thorsten Klein hat dafür aber keinen Blick. Die Daten des Herrn müssen in der Glaskanzel, direkt am Eingang, aufgenommen werden. „Wohl ein Schwächeanfall“, beruhigt der stellvertretende Gruppenleiter. Aber dennoch, die Ehefrau ist in Sorge, zur Abklärung wird der Mann auf einer Trage erst mal in die innere Notaufnahme gebracht – und außerdem warten schon die nächsten Fälle, die Klein nach erster Analyse weiterleiten muss.
Tag und Nacht besetzt
Am Tag arbeiten in der Ambulanz drei Ärzte sowie fünf Pfleger und Krankenschwestern. Die Zahl der Mediziner bleibt über Nacht gleich, von den Pflegekräften sind nur zwei im Dienst. Kommt ein Koordinator, ist denkbar, dass er an der Rezeption von einer Arzthelferin unterstützt wird. Professor Pfaffenbach: Dann können wir Pfleger anders einsetzen.“
40 000 Patienten durchliefen 2007 dieses Weichenstellwerk, wie Professor Boris Pfaffenbach die Notaufnahme nennt – Tendenz steigend. Der Chefarzt für Gastroenterologie sitzt eine Etage über der Ambulanz. Bis Herbst werden er und weitere Fachleute ein Konzept entwickeln, durch das die Pforte zum Klinikum „patientenfreundlicher“ gestaltet werden kann.
Kürzere Wartezeiten
„Wir wollen kürzere Warte- und Behandlungszeiten“, erklärt Pfaffenbach. Es kann vorkommen, dass Neueinlieferungen zwei Stunden warten müssen. Im Vergleich zu anderen Häusern zwar ein guter Wert; dazu kommt, dass richtige Notfälle sofort versorgt werden. Trotzdem, in der Ambulanz treffen Herzinfarktpatienten auf Leute mit nur leichten Blessuren. Und wenn Letztere zu lange warten müssen, gibt’s ab und zu böses Blut.
„Steht das Konzept, setzen wir es um“, fährt Boris Pfaffenbach fort. Ziel ist, Abläufe anzugleichen. Ab Frühjahr 2009 soll ein ärztlicher Leiter die Koordinierung übernehmen, das Zusammenspiel der Abteilungen verbessert, das Vorgehen bei speziellen Krankheiten festgelegt, die Bettensuche optimiert und Überwachungsbetten in der Ambulanz geschaffen werden. Professor Pfaffenbach: „So haben wir mehr Zeit für Entscheidungen.“ Doch egal, ob jemand entlassen wird oder im Klinikum bleibt – der Empfang soll heller wirken. Im Winter wird umgebaut. Hier unten läuft der Betrieb derweil weiter. Der Mann von eben geht zur Ultraschalluntersuchung, ein Krebspatient mit akuten Beschwerden braucht Hilfe. Inzwischen ist es zwölf und das TV-Gerät immer noch aus. Thorsten Klein macht sich so seine Gedanken, während er zur Tür blickt. Wenn Klein in zwei Stunden Feierabend hat, wird er die heutigen Fälle „nicht mit nach Hause nehmen“. Allerdings: „Leid tun mir die Menschen schon“, erklärt er, der zum Beispiel bei schweren Verkehrsunfällen wissen will, wie es den Patienten später geht.
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