Solingen: Weiter durch Bildung
VON UWE VETTER - zuletzt aktualisiert: 27.09.2008Solingen (RPO). Mit passgenauen Qualifizierungsangeboten versucht die Arbeitsagentur, Arbeitslosigkeit von Beschäftigten erst gar nicht aufkommen zu lassen. Auch sechs Mitarbeiter des Automobilzulieferers CRH profitierten davon.
„Ungewohnt“ sei es gewesen, „vor allem die Theorie, da haben wir zum Teil Neuland betreten“, sagt Christian Waltner. „Jeder von uns“, ergänzt der 41-jährige Mitarbeiter der Firma C. Rob. Hammerstein von der Merscheider Straße. Zumal die insgesamt sechs CRH-Mitarbeiter, die jetzt an einer passgenauen Weiterbildung in der Lehrwerkstatt der Industrie- und Handelskammer an der Schützenstraße teilnahmen, auch unterschiedliche schulische Voraussetzungen hatten. Und das Sitzen auf der „Schulbank“ schon etliche Jahre hinter ihnen lag. Gleichwohl, seit dem 31. März haben sich die sechs CRH-Beschäftigten erfolgreich zum Teilezurichter weiterqualifiziert, gestern erhielten sie ein Zertifikat. „Die Maßnahme ist damit aber noch nicht vorbei, die sechs Hammerstein-Mitarbeiter bereiten sich jetzt auf die Facharbeiter-Prüfung im Dezember beziehungsweise Januar vor“, freut sich Andreas Braun, der Leiter der IHK-Lehrwerkstatt.
Förderung
Im Rahmen der Förderung der Weiterbildung von Beschäftigten in Unternehmen will die Arbeitsagentur Solingen/Remscheid in diesem Jahr 1,1 Millionen Euro ausgeben. 850 000 Euro davon sind bereits verbraucht, in 41 Unternehmen wurden 105 Arbeitnehmer gefördert.
Für die Maßnahme mit CRH gab die Arbeitsagentur rund 90 000 Euro aus.
Ansprechpartnerin Martina Wildförster, Arbeitsagentur, Telefon 23 55 624.
Überzeugungsarbeit leisten
Möglich wurde diese Qualifizierung durch eine Aktion der Arbeitsagentur. „In den Unternehmen ändert sich viel. Wer da als Geringqualifizierter bei den immer höher werdenden Anforderungen mithalten will, der muss sich weiterbilden“, weiß die Leiterin der Arbeitsagentur, Ute Ackerschott. Ansonsten drohe der Verlust des Arbeitsplatzes. Doch soweit will man es gar nicht erst kommen lassen, vielmehr soll präventiv durch Weiterbildung dagegen gehalten werden. „Wir mussten dafür aber bei Unternehmen, als auch bei Arbeitnehmern zunächst Überzeugungsarbeit leisten“, berichtet Ackerschott. Denn die Unternehmen müssen im Rahmen des Projektes ihre Mitarbeiter für ein halbes Jahr freistellen; die Arbeitnehmer mussten überzeugt werden, noch einmal die „Schulbank“ zu drücken und das dies für sie von Vorteil ist mit Blick auf den Erhalt des Arbeitsplatzes.
Beim Automobilzulieferer CRH war das auf beiden Seiten kein großes Problem: „Wir verlagern Produktion und bauen in diesem Bereich Arbeitsplätze ab. Aber wir benötigen weiter qualifizierte Beschäftigte in anderen Bereichen“, sagt CRH-Personalleiter Sven Köster. Da lag es nahe, sechs Beschäftigte aus der Produktion so zu qualifizieren, dass sie nun ab kommenden Montag im Musterbau ihre Arbeit aufnehmen können. Mit Martina Wildförster von der Arbeitsagentur hatte der Personalleiter eine kompetente Ansprechpartnerin – die Weiterbildung im Sechserpack, passgenau auf die Bedürfnisse von CRH abgestimmt, wurde so in Angriff genommen. „Das lief unkompliziert, schnell und ideenreich“, lobt Köster. Mit der IHK-Lehrwerkstatt wurde zudem die passende Bildungseinrichtung gefunden.
Das freut auch den Salvatore Tranchina. „Wir haben sechs von Arbeitslosigkeit bedrohte Mitarbeiter durch Weiterbildung gerettet“, meint der CRH-Betriebsratsvorsitzende. Für ihn ist es trotz Abschluss dieser Weiterbildungsmaßnahme gestern deshalb wichtig, weitere Qualifizierungsprojekte anzugehen: „Da sind wir uns mit der Geschäftsleitung einig.“
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