Solingen: Woolworth vorerst gerettet
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 21.07.2009Solingen (RPO). Das Solinger Warenhaus taucht auf einer Liste von Filialen auf, die nach einer Rettung des Unternehmens fortgeführt werden sollen. Allerdings müssen die Angestellten Einbußen hinnehmen. Die Frist läuft bis Jahresende
Wer in diesen Tagen auf den Internet-Seiten der Billig-Warenhaus-Kette Woolworth nach Schnäppchen stöbert, der erfährt unter anderem, dass zurzeit Herren-T-Shirts im Angebot sind. Das Stück zu 1,99 Euro: Keine Frage, wer hier zuschlägt, kann eigentlich nicht viel verkehrt machen – solange der Vorrat reicht.
Wie lange allerdings die Solinger Woolworth-Filiale an der Hauptstraße noch geöffnet sein würde, entzog sich bislang auch der Kenntnis der rund 40 Beschäftigten. Denn nachdem das Unternehmen im April Insolvenz anmelden musste, stand lange Zeit nicht fest, ob die Dependance in der Klingenstadt erhalten bleiben würde. Doch nun taucht das Geschäft nach Informationen unserer Zeitung auf einer Liste all jener Woolworth-Niederlassungen auf, die im Rahmen eines Fortführungskonzepts weiterbestehen sollen. Der Wermutstropfen an der Sache ist aber: 98 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten müssen sich in einer Abstimmung dazu bereit erklären, in eine zum 1. Juli gegründete Transfergesellschaft zu wechseln.
Und damit sind mit einem Schlag alle Besitzstände weg. Unter anderem gibt es dann nach Angaben von Gesamtbetriebsratschef Carsten Kruse keine Urlaubsansprüche und auch kein Weihnachtsgeld mehr. Die Angestellten der Filialen, die sich für einen Wechsel in die Transfergesellschaft aussprechen, haben bis Ende des Jahres Anrecht auf 80 Prozent ihrer letzten regulären Netto-Bezüge, die zum Teil von der Agentur für Arbeit übernommen werden. Ein Verdi-Sprecher: "Wir gehen davon aus, dass die Solinger Kollegen zustimmen."
Bei der mit dem Insolvenzverfahren betrauten Kölner Kanzlei wollte man hingegen gestern unter Verweis auf juristische Gründe nicht bestätigen, dass die Solinger Filiale einstweilen bis Ende Dezember gerettet ist. Gleichwohl betonte ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung, das Insolvenzverfahren sei inzwischen eröffnet und in den folgenden Monaten komme es nun darauf an, für das Gesamtunternehmen neue Investoren an Land zu ziehen.
Tatsächlich war die Kette nach Ansicht von Insidern in Schieflage geraten, da "das Sortiment in den unterschiedlich großen Läden nicht gestimmt" habe. Vor allem kleinere Filialen sorgten so für rote Zahlen. Und lange Zeit war eben unklar geblieben, ob die Größe der Solinger Dependance für einen Neustart reichen würde. Zwischenzeitlich hatte der zweite Mieter der Immobilie, Willi Pollschmidt, der im Souterrain einen Edeka-Markt betreibt, gegenüber unserer Zeitung sogar die Idee geäußert, bei einem Woolworth-Aus selbst ins Erdgeschoss expandieren zu wollen.
Dies erscheint jetzt erst einmal vom Tisch. Ob Woolworth der Solinger Innenstadt mit ihren ohnehin schon vielen Leerständen aber dauerhaft erhalten bleibt, muss abgewartet werden. Ganz allgemein gilt nämlich, dass alle Kosten des Unternehmens auf den Prüfstand kommen.
So soll nach Angaben des Insolvenzverwalters auch die Miethöhe in einzelnen Objekten geprüft werden. Ende des Jahres wird sich dann voraussichtlich entscheiden, ob und gegebenenfalls wie es mit Woolworth weitergeht – auch in Solingen.
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