Solingen: Zoch-Verbot für saufende Kids
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 25.02.2011Solingen (RPO). Polizei, Ordnungs- und Jugendamt wollen beim Burger Karnevalszug hart durchgreifen. Betrunkene Jugendliche werden aus dem Verkehr gezogen und müssen von den Eltern im alten Burger Rathaus abgeholt werden.
Jahrzehntelang war der Burger Karnevalszug ein fröhliches Familienfest für Jung und Alt. Doch die vergangenen zwei Jahre hat sich das Bild gewandelt. "Wir erleben hier Alkoholexzesse von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren, dass es so nicht mehr weitergehen kann", sagte Oberbürgermeister Norbert Feith gestern bei einem Pressegespräch in Unterburg. "Gerade, weil der Burger Karneval so schön ist, darf er nicht in Verruf kommen."
Dieses Jahr will die Stadt daher mit einem besonderen Konzept gegen Jugendliche vorgehen, die nur zum Burger Zug kommen, um sich zu betrinken. "Klare Kante" lautet der Slogan von Ordnungsamt, Polizei und Deutschem Roten Kreuz. Dahinter verbirgt sich, Minderjährige daran zu hindern, dass sie sich ins Koma oder nahe dran trinken.
Verletzungen mindern
Nach einem schweren Unfall im vergangenen Jahr überprüft das Ordnungsamt alle teilnehmenden Wagen auf Tauglichkeit.
Um die Scherben zu verringern, darf kein Glas auf den Wagen mitgeführt werden. Auch die Bierstände dürfen keine Gläser ausgeben.
Kontrollen mit Alkoholtestgeräten
Rund 60 Ordnungskräfte von Polizei, Ordnungsamt und Jugendamt sind dafür im Einsatz. Von der Hasencleverstraße bis zur Wupperinsel kontrollieren sie in Trupps entlang des sonntäglichen Zuges, ob sich Minderjährige Hochprozentiges mitgebracht haben. Der Oberbürgermeister will sich sogar den Ordnungskräften anschließen und mit Streife gehen. "Um zu zeigen, dass es mir Ernst ist", sagt Feith.
Wer erwischt wird, darf nicht weiterfeiern. Die aufgegriffenen Kinder und Jugendlichen werden in eine erstmals eingerichtete Auffangstelle im ehemaligen Burger Rathaus gebracht, wo sie von Mitarbeitern des Jugendamtes und des Deutschen Roten Kreuzes in Empfang genommen werden. Die entscheiden darüber, ob der Jugendliche von seinen Eltern abgeholt werden kann oder in ein Krankenhaus gebracht werden muss.
Eltern und Kinder erhalten zudem die Empfehlung, sich bei der Jugend- und Drogenberatung beraten zu lassen. "Damit wollen wir die Eltern mit ins Boot holen, die ja die Erziehungsaufgabe haben", sagt Anja Hufschmidt von der Jugend- und Drogenberatung. Das Beratungsgespräch wahrzunehmen, sei Ausdruck von Verantwortung. Außerdem signalisiere man so den Jugendlichen, dass man sie im Blick habe, ergänzt Jürgen Bürger von der Jugendhilfe.
Auch die umliegenden Tankstellen und Kioske sind im Visier der Ordnungskräfte. "Wir werden sie im Vorfeld nochmals über die Jugendschutzbestimmungen informieren", sagt Bürger. Wer unerlaubterweise Alkohol an Kinder und Jugendliche verkaufe, müsse mit Strafe rechnen.
Organisator begrüßt das Vorgehen
Klaus Hinger, der Organisator des Burger Zuges, begrüßt das strenge Vorgehen der Stadt. "Wegen der Vorfälle in den vergangenen Jahren bleiben nun viele Familien mit kleinen Kindern weg", bedauert er. Mit dem neuen Konzept hofft er, diese Zuschauer zurückzugewinnen.
In Gräfrath hat sich das harte Durchgreifen bewährt. "Dort hatte es beim Marktfest auch eine Zeit lang Probleme mit betrunkenen Jugendlichen gegeben", berichtet Achim Weiser vom Ordnungsamt. "Nachdem wir dort drei Jahre intensiv kontrolliert hatten, hatten wir das Problem im Griff."
Die Jugendlichen müssten nun aber nicht glauben, zum Koma-Trinken zum Rosenmontagszug in der Innenstadt ausweichen zu können. "Auch wenn es dort bislang nicht die Probleme wie in Burg gab, werden wir in der Innenstadt ebenfalls strenger durchgreifen", kündigt Oberbürgermeister Feith an.
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