Fußball: Abordnung der Holzfüße
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 10.03.2007Der SV Straelen gastiert am Sonntag beim Fußball-Oberligisten Union Solingen. „Überragend waren die nicht“, blickt Trainer Eddy Malura zurück, obwohl die Ohligser das Hinspiel mit 0:4 verloren haben.
Solingens Eddy Malura ist kein Trainer aus der Kategorie notorischer Bedenkenträger. Der 51-Jährige holt kurz Luft, und dann scheint sein Sprachzentrum ohne Rücksicht auf eventuelle Nebenwirkungen loszulegen. So war’s wenigstens beim Hinspiel von Union Solingen in Straelen. Nach einer recht eindrucksvollen 0:4-Pleite an der Römerstraße bezeichnete er die Sieger der Partie als Holzfüße. Lediglich Samet Atulahi und „den auf der rechten Seite“ – er meinte wohl Danny Thönes – nahm er aus der „Holzfüße“-Kritik aus. Dabei war die Partie in Straelen schneller entschieden als der 1. FC Köln in der Zweiten Liga in Rückstand gerät. Am Sonntag findet der Rückkampf im Stadion „am Hermann-Löns-Weg“ statt. Und Malura, der diplomatische Aussagen offenbar so sehr mag wie Plutonium im Handschuhfach, haut direkt wieder drauf: „Straelen? Überragend waren die nicht. Das ist biedere Schonkost.“
Blick aufs Konto
Wesentlich mehr Probleme als der SV Straelen bereitet Union Solingen jedoch derzeit ein Blick aufs Konto. In der aktuellen Saison wird zwar sehr ordentlich gewirtschaftet, doch drücken den Verein eventuelle Forderungen aus vergangenen Jahren. Sogenannte Altlasten. „Es ist ätzend. Jeden Tag holen die hier eine neue Leiche aus dem Keller. Alles Klamotten aus vergangenen Tagen. Dafür können wir überhaupt nichts“, poltert Malura. Der ehemalige Vorsitzende der Union, Michael Welling, soll etwa für 300 000 Euro offene Rechnungen im Ordner haben. Und auch beim ehemaligen Trainer Bernd Klotz steht der Klub mit etwa 100 000 Euro in der Kreide. Wenn diese Forderungen vom Verein gezahlt werden müssten, wäre die Union pleite. Noch versucht man sich mit Welling und Klotz zu einigen. Der jetzt gestellte Insolvenzantrag, ist mittlerweile der dritte, den Union Solingen stellt.
Und zwar war’s bislang offensichtlich immer so, dass der aktuelle Vorstand den finanziellen Müll der vorherigen Mannschaft beseitigen musste. Sprich, als die aktuelle Riege erstmals einen Blick ins Heftchen mit den Kontoauszügen und den Ordner mit den Rechnungen geworfen hatte, erhielt die anfängliche Euphorie gleich einen erheblichen Dämpfer. Die aktuelle Spielrunde ist jedoch gesichert. Zumindest finanziell.
Sportlich sieht’s hingegen noch recht mau aus. Zwar konnte die Union am vergangenen Spieltag das Duell der zwei potentiellen Verbandsliga-Kandidaten beim 1. FC Bocholt mit 1:0 für sich entscheiden, doch rangiert Solingen immer noch auf einem Abstiegsplatz. Den würde Malura nach dem Duell gegen die „Abordnung der Holzfüße“ gern verlassen haben: „Straelen kann kommen. Mit denen haben wir noch eine Rechnung offen. Wir haben uns in der Liga Respekt erarbeitet und wollen endlich da unten raus.“ Respekt hat sich die Union in der Tat verschafft. Wer Oberhausen zu Hause mit einer 0:3-Dröhnung wieder in den Bus setzt, sollte ernst genommen werden. Auf seine Mannschaft lässt Malura nämlich nichts kommen: „Wir investieren hier richtig viel Arbeit, klotzen ordentlich rein.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



