Tennis: Auf der Suche
zuletzt aktualisiert: 29.05.2007Alexander Waske und Michael Kohlmann gelten beim Daviscup oder ARAG-World Team Cup als das deutsche Doppel. Der Tennisprofi des Solinger TC genießt diese Tage, doch auf den Turnieren muss sich der Doppelspezialist stets nach anderen Partnern umsehen.
Fühlen Sie sich mittlerweile als fester Bestandteil der Familie „Deutsche Tennis-Nationalmannschaft“ ?
Kohlmann Das kann ich schlecht beurteilen, ob ich nun ein fester Bestandteil bin. Ich fühle mich jedenmich wohl, weil alle Beteiligten Freunde oder sehr gute Kollegen sind. Und die Leistungen stimmen auch. Wenn wir zusammenspielen, klappt’s eigentlich immer. Insofern fühlt man sich da noch einmal extra wohl.
Ich erinnere mich an das vergangene Jahr. Da ging das Hoppla-Hopp mit der unerwarteten Nachnominierung für den World Team Cup. Und Sie waren als Doppelspezialist zurückhaltend, was einen regelmäßigen Einsatz betraf. Mittlerweile scheinen Sie und Alexander Waske gesetzt zu sein.
Kohlmann Ich bin froh darüber, dass sich das so positiv entwickelt hat und nicht vor jeder Begegnung darüber diskutiert werden muss, wer nun spielt, oder ob man überhaupt dabei ist.
Spüren Sie, dass Ihr Bekanntheitsgrad durch die regelmäßigen Einsätze im Daviscup oder World Team Cup gestiegen ist ?
Kohlmann Insbesondere in Düsseldorf haben mich viel mehr Leute und vor allem Kinder erkannt als in den Jahren zuvor. Ich kann aber immer noch mit meinen Eltern auf der Anlage stehen, ohne dass der große Hype passiert. Dieses Jahr war von Anfang an klar, dass Kohlmann/Waske als das deutsche Doppel galten – das hat sich durch die Erfolge der letzten Zeit so eingespielt.
Bei den ATP-Turnieren konzentriert sich fast alles nur auf die Einzelspieler, und die Doppel laufen nur so neben her. Stört Sie das manchmal ?
Kohlmann Überhaupt nicht. In den Wochen beim World Team Cup oder Daviscup sieht man, wie wichtig das Doppel ist. Diese Tage sind absolut ausreichend, wenn man etwas mehr im Mittelpunkt steht als die Einzelspieler, die es jede Woche sind.
Es scheint so, als ob Alexander Waske und Sie vom Typ her sehr gut auf dem Platz zusammen passen. Waske ist eher der emotionale Typ, Sie hingegen bringen etwas mehr Ruhe ins Spiel.
Kohlmann Das sagen viele. Ich glaube jedoch, dass gerade die Daviscup-Begegnungen immer gezeigt haben, dass wir beide aus uns raus gehen können und keiner dem anderen in irgendetwas nachsteht. Generell bin ich sicherlich der etwas Ruhigere und Alex der mit der Schnauze voraus.
Angesichts der Erfolge mit Alexander Waske ist es eigentlich schade, dass Sie mit ihm nicht auch auf der Tour öfters antreten . . .
Kohlmann Das ist es sicherlich. Allerdings muss man es auch von einer andere Seiten betrachten: Immer wenn wir zusammenspielen, ist es etwas Besonderes. Dadurch, dass wir so selten miteinander spielen, sind wir auch unverbraucht. So nutzen wir uns nicht so schnell ab oder nerven uns an, als wenn wir das gesamte Jahr gemeinsam im Doppel spielen würden.
Würden Sie sich denn nicht wünschen, beständig mit nur einem Doppel-Partner antreten zu können ?
Kohlmann Auf jeden Fall. Ich gebe ganz offen zu, dass es so, wie es derzeit ist, keine optimale Lösung ist. Ich würde mir wünschen, mit Alex häufiger spielen zu können. Er aber hat die Entscheidung getroffen und spielt sehr erfolgreich mit Andrej Pavel – und ich muss versuchen, das Beste daraus zu machen.
Sie hatten Anfang des Jahres versucht, mit dem tschechischen Doppelspezialisten Leos Friedl ein Gespann zu bilden. Woran ist das gescheitert ?
Kohlmann Wir hatten ganz gut angefangen. Dann kamen zwei blöde Niederlagen, und ich hatte nach Australien mit Alexander Waske in Zagreb und im Daviscup gegen Belgien sowie mit Rainer Schüttler in Heilbronn gewonnen, während Leos Friedl in der Zeit bei Turnieren mit anderen Partnern alles verloren hatte. Danach haben wir wieder zusammengespielt, und ihm fehlte das Selbstvertrauen. Zudem hat er eine andere Spielauffassung, so dass wir uns wieder getrennt haben. Das war jedoch kein außergewöhnlicher Vorgang.
Jetzt sind Sie wieder auf der Suche, mit wem es am besten funktionieren könnte ?
Kohlmann Ich spiele generell am liebsten mit einem Deutschen oder Deutschsprachigen, weil das die Sache doch vereinfacht. Ich bin auf der Suche, aber die ist nicht so einfach. Wir sind mitten in der Saison, und die meisten haben sich Anfang des Jahres schon verabredet. Ich denke positiv, werde in näherer Zukunft mit Philipp Kohlschreiber und auch öfters mit Rainer Schüttler spielen.
Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie am Freitag gegen Tschechien mit Benjamin Becker gespielt haben ?
Kohlmann Es war alles hektisch und nicht so geplant. Wir hatten nicht gedacht, dass es nach den Einzeln schon 0:2 stehen würde. Patrick Kühnen hatte gesagt, dass Benni in jedem Fall spielen sollte. Dann ging es nur darum, wer im Doppel an seiner Seite stehen würde. Es war reiner Zufall, dass die Entscheidung auf mich gefallen ist.
Der gemeinsame Auftritt gegen Tomas Berdych und Martin Damm war allerdings etwas holprig.
Kohlmann Benni war zum einen mit Grippe noch etwas angeschlagen. Zum anderen ist er ein klarer Einzelspieler. Natürlich sind wir auch nicht eingespielt. Das hat man mit Sicherheit auch gesehen.
Haben Sie eigentlich die Bundesliga-Saison schon im Blick ?
Kohlmann Ich bin die Meldelisten durchgegangen. Dass wir absoluter Außenseiter sind, darüber muss man sich nicht unterhalten. Das wird die schwierigste Saison, die wir alle jemals vor uns hatten. Ich bin zwar nicht euphorisch, aber es wird sich erst in den letzten beiden Spielen gegen Nürnberg und Reutlingen entscheiden, ob wir es nicht doch schaffen können. Ich bin noch nie aus der Bundesliga abgestiegen. Da bin ich stolz drauf. Dieses Jahr glaube ich, dass es vielleicht die erste Saison sein könnte, in der es passieren könnte.
Ihr Einsatz im Daviscup-Einzel gegen Belgien muss für Sie doch ein guter Einstieg gewesen sein, oder ?
Kohlmann Es hat sehr viel Spaß gemacht. In letzter Zeit habe ich auch vermehrt Einzel trainiert, immer wieder mal einen Satz gespielt. Verstecken muss ich mich mit Sicherheit nicht. Die Leute, gegen die ich da spielen werde, für die wäre es eine riesen Enttäuschung, wenn sie gegen mich verlieren würden. Ich habe nichts zu verlieren und kann im Einzel so locker aufspielen wie alle anderen auch.
Guido Radtke führte das Gespräch
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