Schießen: Bloß nicht unter Druck setzen
VON SONJA BICK - zuletzt aktualisiert: 07.02.2007Die Woche könnte für Jessica Mager deutlich mehr Stunden haben: Die Sportschützin muss für die Europameisterschaften der Junioren trainieren, geht ins Fitnessstudio, tanzt und macht eine Ausbildung.
Erstklassig schießen
Für ihren Verein Post SV Düsseldorf ist Jessica Mager bereits in der 1. Bundesliga aktiv. 2006 ist die Mannschaft aus der Regionalliga aufgestiegen. In dieser Saison haben sie den Klassenerhalt geschafft, so dass auch im kommenden Jahr wieder erstklassig geschossen wird. Eine Saison besteht dabei aus vier Wettkämpfen, von denen je einer pro Monat ausgetragen wird.
„Ich will zeigen, dass ich zu Recht mitgenommen wurde“ und „Hauptsache, ich bin dabei gewesen“. So lauten die Parolen, die Jessica Mager knapp anderthalb Monate vor ihrem bislang größten Turnier – den Junioren-Europameisterschaften im Luftgewehrschießen – ausgibt. Auch wenn sie versucht, diese überzeugt rüber zu bringen, man merkt der 18-Jährigen an: Sie will mehr.
Nur dabei sein ist nichts für die Solingerin in Diensten des Post SV Düsseldorf, die bereits Deutsche Meisterin in der B-Jugend geworden ist. „Aber wenn ich sage, dass ich aufs Treppchen will, setze ich mich unter Druck“, erklärt die Schützin, die sich am vorletzten Wochenende für die Europameisterschaften qualifiziert hat.
Bei einem internationalen Wettkampf in München schoss sie im ersten Durchgang 393 von 400 möglichen Ringen, steigerte sich auf 397, erreichte als Zweitplatzierte das Finale der besten Acht und wurde letztendlich Dritte. Beim Deutschland internen dritten Wettkampf, in dem es um die EM-Qualifikation ging, schnitt Jessica Mager mit 396 Ringen als beste ab. Nur vier Mal traf sie nicht in die Zehn – einer Trefferfläche, die gerade mal einen halben Millimeter beträgt. „Im Training habe ich auch schon die 400 geschafft“, sagt die 18-Jährige, die bei ihren Eltern wohnt und eine Ausbildung zur Erzieherin macht.
Vielleicht gelingt ihr dieses Kunststück ja auch am 14. März bei den Europameisterschaften. Bereits zwei Tage zuvor machen sich die je drei besten Juniorinnen und Junioren mit fünf Trainern im Bus der Nationalmannschaft auf den Weg Richtung Deauville in Frankreich. Dort wird ein Hotel bezogen und trainiert, ehe der Wettkampf auf dem Programm steht und es am Freitag wieder zurück geht. Eine Woche Unterricht wird sie dadurch auf dem Mildred-Scheel-Berufskolleg verpassen. „Aber es ist selbstverständlich, dass ich den Stoff nacharbeite“, sagt die angehende Erzieherin, die im August mit ihrem Anerkennungsjahr beginnen wird. Auch die drei Tage ihres Praktikums im Kindergarten, die sie aufgrund des Wettkampfes in München verpasst hat, wird sie in den Osterferien nachholen. Dabei hat die Woche für Jessica Mager ohnehin schon zu wenig Stunden. Neben drei Trainingseinheiten am Schießstand geht sie zwei Mal in der Woche ins Fitnessstudio und tanzt zudem zwei Mal Standard und Latein.
Auch wenn die Europameisterschaft kurz bevor steht, denkt Jessica Mager bereits jetzt an die Zeit danach. „Ich muss mich auf das Kleinkaliber konzentrieren“, sagt die 18-Jährige. Denn im Sommer gilt es, sich auf den Ranglistenturnieren neu für den C-Kader zu qualifizieren. „Es wär‘ ja blöd, wenn ich direkt wieder rausfliege“, sagt die Solingerin, die ebenfalls auf ein Fernziel hin arbeitet: die Weltmeisterschaften in drei Jahren.
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