Tennis: Das verlorene Spiel mit den Legionären
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 21.07.2008Boris Pashanski, Ivo Klec und Robert Lindstedt standen gestern für den Solinger TC auf dem Platz. Einen Punkt geholt haben die ausländischen Tennisprofis nicht. Den sicherte Alexander Flock bei der 1:5-Niederlage gegen den TV Reutlingen, die fast schon den Abstieg besiegelt hat.
Der Solinger TC hat sich auf das Spiel des Bundesliga-Geschäfts eingelassen – und es (zumindest gestern) verloren. „Man sieht, dass die in der Weltrangliste ganz vorne platzierten Tennisprofis die gleichen Fehler machen wie wir“, bilanzierte Gero Kretschmer, dem aufgrund des erstmaligen Einsatzes dreier ausländischer Akteure nur die Rolle des moralischen Unterstützers geblieben war. „Und am Sieg waren sie auch nur genauso knapp dran wie wir in den Begegnungen zuvor.“ So hat das Schlusslicht der Tennis-Bundesliga gegen den TV Reutlingen das vielleicht schon entscheidende Match um den Klassenerhalt mit 1:5 verloren. Eine weitere Niederlage am kommenden Sonntag gegen Blau-Weiß Krefeld würde den vorzeitigen Abstieg der Widdert besiegeln.
Ein Boris Pashanski, ein Ivo Klec oder ein Robert Lindstedt haben mit ihrem Einsatz keine Sieg-Garantie geben können, denn auch Reutlingen hatte seine bestmögliches Quartett aufgeboten. Dabei hatte Pashanski zum Solinger Publikumsliebling werden können, obwohl sein Gesicht in Widdert noch nie jemand gesehen hat. Der Serbe zauberte im Spitzeneinzel fast auf ähnlichem Niveau, wie es Fabrice Santoro am Freitagabend für den Rochusclubs Düsseldorf getan hatte. Pashanski spielte im Spitzeneinzel nicht gegen Nicolas Devilder, er spielte mit ihm – bis zum ersten Break im zweiten Satz, nachdem die Nummer 130 der Welt den ersten Abschnitt ohne Mühe gewonnen hatte (6:2). Als keiner der rund 1000 Zuschauer mehr auf den Franzosen gewettet hätte, stellte Pashanski die Zauberei ein. Mit seinen Fehlern baute er Devilder auf, überließ ihm Satz zwei (4:6) und auch den Match-Tiebreak (6:10).
So war die Chance auf den Sieg bereits nach den Einzeln dahin. Chancenlos war Clinton Thomson gewesen. Ivo Klec hatte an Position zwei Anlaufschwierigkeiten, kam nach dem 6:3 im ersten Satz gegen Leonardo Mayer immer besser ins Spiel, um dann im Champions-Tiebreak vom Glück verlassen zu sein (6:10). Dem dritten Reutlinger Punkt durch Nicolas Devilder gegen Pashanski stand so lediglich der souveräne Sieg von Alexander Flock gegen Dick Norman gegenüber.
1:3 statt 3:1 – Teamchef Robert Orlik blieb nichts anderes übrig, als beide Doppel möglichst stark zu machen. Doch ausgerechnet die „Legionäre“ machten die Hoffnungen auf den noch möglichen Punktgewinn zunichte. Pashanski und Robert Lindstedt harmonierten nicht, was insbesondere an der hohen Fehlerquote des Schweden lag. Einen Tag nach seinem Halbfinal-Aus in Kitzbühel wirkte Lindstedt außer Form. Eine Nackensperre hatte ihn allerdings gehandicapt.
Krimi im Tiebreak
Kohlmann und Bastian Knittel spielten gut gelaunt wie eh und je und begeisterten mit ihrer Aufholjagd (4:6, 6:4), die im Duell mit Leonardo Mayer und Dick Norman in einem Krimi im Champions-Tiebreak endete. Es passte ins Bild, dass die Solinger mehrere Matchbälle ungenutzt ließen und den Reutlingern mit 16:14 auch diesen Punkt überlassen mussten.
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