Tennis: Der Abstiegs-Krimi
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 14.08.2007Im Vergleich zum TV Reutlingen und Blau-Weiß Neuss hat der Solinger TC im Abstiegskampf der Tennis-Bundesliga aufgrund seiner zahlreichen hohen Niederlagen die schlechtesten Karten.
Die Schwarz-Weiß-Fotos im Treppenhaus des Klubhauses des 1. FC Nürnberg sind blass geworden. Die Bilder von Henry Leconte, Thomas Muster oder Anders Jarryd erinnern an die Glanzzeiten des Tennis-Bundesligisten, in denen die Anlage unweit des Frankenstadions mit mehreren tausend Zuschauern aus allen Nähten platzte und am Valznerweiher auch noch lange nach Spielende weiter gefeiert wurde. Am Sonntag waren es immerhin 1200 Zuschauer, die das Abstiegsduell gegen den Solinger TC sehen wollten. Mit einer gehörigen Portion Galgenhumor redeten viele FCN-Anhänger davon, dass die Franken „ihre Beerdigung“ vielleicht noch um eine Woche verschieben könnten – daraus wurde nichts. Nürnberg ist abgestiegen.
Als Clinton Thomson und Gero Kretschmer im Doppel ihren zweiten Matchball zum 4:2-Gesamtsieg des Aufsteigers verwandelten, blieben fast ausschließlich die mitgereisten Solinger Fans auf der Anlage. Erstmals konnten die Widderter im Tennis-Oberhaus einen Sieg feiern. Für knapp eine Stunde war die Rechnung gültig, dass dem STC am kommenden Samstag beim Saisonfinale gegen den TV Reutlingen ein Remis zum kaum für möglich gehaltenen Klassenerhalt reichen würde. Die Ernüchterung kam bei Trainer Karsten Saniter, den Spielern und dem STC-Vorsitzenden Kurt-Reiner Witte, als sie sich auf die Flucht vor den 47 000 Fußball-Fans der Bundesliga-Begegnung 1. FC Nürnberg gegen Karlsruher SC gemacht hatten. Auf der Rückfahrt kam die Nachricht, dass Reutlingen das Kunststück vollbracht hatte, einen 1:3-Rückstand im Doppel noch auszugleichen. „Daran sieht man, was im Tennis alles passieren kann, wenn wie bei Blau-Weiß Halle eine Stammformation auseinander gerissen wird“, bilanziert Kurt-Reiner Witte.
So sind vor dem letzten Spieltag die Teams aus Solingen, Reutlingen und Neuss mit jeweils 4:12 Punkten ausgestattet. Aufgrund der zahlreichen hohen Niederlagen hat das Sextett um Lars Uebel die schlechtesten Karten. Mit einem Sieg gegen Reutlingen wäre der Klassenerhalt in jedem Fall geschafft und Reutlingen abgestiegen. Ein Remis reicht nur, wenn Blau-Weiß Neuss sein Heimspiel gegen Krefeld verliert. „Auch wenn Reutlingen sicherlich mit seinen Sandplatz-Spezialisten favorisiert ist, müssen auch sie genauso mit dem Druck zurecht kommen wie wir“, sagt Kurt-Reiner Witte. „Vielleicht ist es ja ein Vorteil, ein Heimspiel zu haben.“
Neuss tritt ohne Topspieler an
Wie im direkten Duell der beiden Abstiegskandidaten Solingen und Reutlingen haben es auch die Neusser selbst in der Hand, in der Ersten Liga zu bleiben. „Deshalb müssen wir gegen Krefeld Alles mobilisieren“, sagt Teammanager Marc Raffel mit Blick auf den letzten Spieltag. Personell besteht dieses „Alles mobilisieren“ aus Marcos Daniel, Flavio Cipolla und Philipp Petzschner. Von den Topleuten aber steht beim Deutschen Vize-Meister keiner zur Verfügung. Das Angebot beschränkt sich wohl auf Marcel Granollers-Pujol und Tobias Summerer.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



