Tennis: Der andere Flock
zuletzt aktualisiert: 07.02.2008Nach seinem Abschied vom Solinger TC im Sommer 2005 war Alexander Flock in der Tennis-Weltrangliste abgestürzt, weil er kaum noch Turniere gespielt hatte. Die Zeit hat der 24-Jährige genutzt, um sein Spiel komplett umzustellen – mit Erfolg.
Es war eine kleine Überraschung, dass Sie wieder zum Solinger TC zurückkehrt würden. Hat Sie das Angebot, dass Ihnen Kurt-Reiner Witte als Vorsitzender des Tennis-Bundesligisten unterbreitet hat, ebenfalls überrascht ?
Flock Ich habe voriges Jahr sehr gut gespielt und mehr als 700 Plätze in der Weltrangliste gut gemacht. Da ist es klar, dass Vereine an mich heran getreten sind, um mir ein Angebot zu unterbreiten. Dass Solingen dabei war, hat mich sehr gefreut.
Ihr Abschied im Sommer 2005 war aufgrund einiger interner Meinungsverschiedenheit erfolgt. Gab es deswegen jetzt Bedenken ?
Flock Ich hatte in den Jahren, in denen wir in Widdert von der 2. Verbandsliga bis in die Zweite Liga marschiert waren, viel Herzblut reingesteckt. Daher war es schade, dass es so gelaufen ist. Mir ist damals aber nichts anderes übrig geblieben, als den Verein zu verlassen. In erster Linie hatte ich zu diesem Zeitpunkt meine persönliche Zukunft neu gestalten wollen. Und dazu gehörte auch der Trainerwechsel, von dem ich mir neue Impulse für mein Spiel versprochen habe. Die Bedenken, die ich bezüglich einer Rückkehr hatte, sind bereits in den ersten Gesprächen schnell ausgeräumt worden.
ATP-Weltrangliste
Positionen der Tennisprofis des Solinger TC – Einzel (Stand: 4. Februar): 369. (+ 7 Plätze) Lars Uebel 88 Punkte, 393. (+/- 0) Bastian Knittel 82, 415. (+ 2) Alexander Flock 77, 536. (+ 9) Clinton Thomson 45, 548. (+ 19) Marius Zay 43, 648. (- 19) Gero Kretschmer 28, 856. (+/- 0) Martin Emmrich 13.
Nach Ihrem Abschied aus Solingen waren Sie in ein tiefes Loch gefallen – zumindest, was Ihre Position in der Weltrangliste betraf . . .
Flock Dafür muss man die Hintergründe kennen. Ich bin bis auf Rang 1070 zurückgefallen, weil ich kaum noch Turniere gespielt habe. Wenn’s hoch kommt, waren es fünf oder sechs. Normal wären aber mindestens 25. In dieser Zeit ging alles nur darum, mein Spiel umzustellen.
Was haben Sie verändert ?
Flock Jetzt steht ein komplett anderer Spieler auf dem Platz. Früher habe ich fast ausschließlich Serve-and-Volley praktiziert. Heute bin ich ein aggressiver Grundlinien-Spezialist, der seine Kontrahenten in längeren Ballwechseln besiegt.
Sind Sie in dieser Umstellungsphase nicht ungeduldig geworden ?
Flock Ich hatte ein großes Ziel vor Augen, für das ich diese lange Durststrecke in Kauf genommen habe. Ich wusste genau, was ich zu tun hatte. Qualität musst du dir hart erarbeiten. Und das geht nicht, wenn du ständig auf Turnieren unterwegs bist. Ich habe im Training die Fortschritte gesehen. Da war es egal, dass ich in der Rangliste nicht nach vorne gekommen bin.
Wann sind Sie wieder ins Turniergeschehen zurückgekehrt ?
Flock Ziemlich genau vor einem Jahr, im Februar 2007. Seitdem bin ich kontinuierlich geklettert. Wenn am Montag auch die Punkte für die Teilnahme am Finale des Future-Turniers im britischen Tipton vom vergangenen Wochenende berücksichtigt sind, werde ich auf Position 380 geführt werden – meine bislang beste Weltranglisten-Platzierung. Ich denke, das wird noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Wenn das so weiter geht, werden Sie im Sommer für den Solinger TC die meisten Partien als Nummer Eins bestreiten müssen.
Flock Sagen wir besser: Ich darf als Nummer Eins antreten. Aber das mache ich gerne, denn es ist eine große Herausforderung. Allerdings bleibt abzuwarten, was sich noch tut. Schließlich soll der aktuelle Kader ja noch um den einen oder anderen Spieler ergänzt werden.
Wie bewerten Sie die Chancen der Mannschaft in der zweiten Erstliga-Saison ?
Flock Ich weiß, dass wir nur als klarer Außenseiter antreten. Trotzdem glaube ich an das durchaus realistische Ziel Klassenerhalt. Wir sind in der Lage, diesen zu schaffen. Es wird immer Profis aus den Top 100 geben, die einen Gero Kretschmer, Clinton Thomson, Bastian Knittel, Marius Zay oder Alexander Flock unterschätzen werden. Natürlich gehört auch etwas Glück bei der ganzen Sache dazu. In jedem Fall freue ich mich darauf, in Solingen wieder viele bekannte Gesichter zu treffen.
Guido Radtke führte das Gespräch
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