Badminton: Der Badminton-Akrobat
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 01.10.2010In der zweiten Saison ist Rio Wilianto eine feste Größe im Kader des Zweitligisten STC Blau-Weiß Solingen. Im Doppel und Mixed ist der sprunggewaltige Indonesier der Denker und Lenker.
Rio Wilianto hätte es in der Welt überall hin verschlagen können. Dass der 22-Jährige vor zwei Jahren ausgerechnet den Weg von Indonesien nach Deutschland gefunden hat, verdankt er zum einen Bundestrainer Holger Hasse und zum anderen ganz besonders seiner Cousine. "Sie hat damals meinen Lebenslauf zusammengestellt und diesen dann per E-Mail an verschiedene Badminton-Verbände geschickt."
Die Resonanz bezeichnet der Doppelspezialist als ernüchternd. "Nur Deutschland hat reagiert und hat mir eine Chance gegeben." Holger Hasse, zugleich Vereinscoach beim TV Refrath, holte Wilianto 2008 in die Zweite Liga Nord. Vor einem Jahr nahm er ein Angebot des STC Blau-Weiß Solingen an, um vor dieser Saison voller Freude in die Klingenstadt zurückzukehren.
Als Mitglied des Nationalteams hätte sich Rio Wilianto wohl kaum vor Angeboten retten können. Doch selbst als Nummer Eins der indonesischen Junioren-Rangliste blieb ihm eine Nominierung verwehrt, und sie wurde ihm auch nicht mittelfristig in Aussicht gestellt – seiner Körpergröße wegen. Mit gut 1,60 Metern verfügt der Wirbelwind nicht über das Gardemaß eines Badmintonspielers. "Anfangs konnte ich es nur schwer akzeptieren. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden", sagt Wilianto und lächelt. "So ist das Leben."
Dabei verfügt Rio Wilianto über reichlich Qualitäten, die einen Weltklassespieler auszeichnen. Bei Meisterschaftsspielen oder großen Turnieren geht oftmals ein Raunen durch die Hallen, wenn er Bälle nach zum Teil akrobatischen Sprungeinlagen spielt.
Wie in Refrath am Erstliga-Aufstieg war Rio Wilianto auch in Solingen am Sprung in die Zweite Liga maßgeblich beteiligt, indem er im Doppel oder Mixed die Impulse als Denker und Lenker gegeben hat. Ein Einzel wird der Indonesier hingegen nur zu Trainingszwecken bestreiten. "Ich spiele kein Einzel, das ist zu schwer." Seine plausible Begründung, die er lachend hinzufügt: "Das Feld ist mir zu groß". Die Puste würde lediglich für einen Satz reichen.
Als Siebenjähriger hat Rio Wilianto zum ersten Mal einen Schläger in der Hand gehabt. In einem Verein in Jakarta hat er gespielt, nur als Hobby. Ernst wurde es mit Zwölf, als er wie 30 weitere Kinder ein Badminton-Internat besuchte. Damals ist sein Talent gefördert worden, seit Juli gibt er seine Erfahrungen an den Nachwuchs des STC Blau-Weiß weiter. Zum ersten Mal in seiner sportlichen Laufbahn. Daran muss sich Wilianto erst einmal gewöhnen, weil er eigentlich ein Typ ist, der sich ständig bewegen müsse. "Als Trainer steht man so viel rum und beobachtet. Das ist manchmal langweilig."
Im Leben neben der Sporthalle wird es Rio Wilianto kaum langweilig. Jeden Wochentag fährt er mit Bus und Bahn nach Düsseldorf, um fleißig Deutsch zu büffeln – mit dem Ziel, als bald wie möglich in Deutschland Betriebswissenschaft studieren zu können.
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