Handball: Der ewige Tabellenzweite
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 23.03.2009Trotz der 33:34-Niederlage bei der TSG Münster glaubt Raimo Wilde an eine Trendwende. "Die Leistungssteigerung und die Patzer der Konkurrenz sollten Ansporn genug sein", sagt der Trainer des Bergischen HC.
Chrischa Hannawald hatte auf der Tribüne der Krifteler Kreissporthalle recht entspannt das Spielgeschehen verfolgt. "In der Schlussphase allerdings war es nahezu unerträglich, nur hier sitzen zu können", sagte der Keeper, der bis vorige Woche noch das Trikot des Handball-Zweitligisten Bergischer HC übergestreift hatte. Als seine Teamkollegen bei der TSG Münster in den sieben Schlussminuten noch einen Drei-Punkte-Vorsprung verspielten und sich eine 33:34-Niederlage einhandelten, war Hannawald ähnlich lautstark und gestikulierend aktiv, wie er es auch sonst als Aktiver auf dem Spielfeld oder an der Seitenlinie gewesen war.
Sich geärgert über den entscheidenden Gegentreffer von Daniel Wernig in zweifacher Unterzahl hat sich Chrischa Hannawald in Zivil genauso wie die mitgereisten 40 Anhänger des Bergischen HC um ihn herum sowie die Mannschaft und Trainer Raimo Wilde. "Wenn's nicht läuft, dann kommt so etwas Unglückliches einfach dazu", betrachtete Wilde diesen Treffer ganz nüchtern. "Das passiert auch nur einmal im Leben eines Handballers."
Wie aber konnte Daniel Wernig das Tor erzielen, das den Bergischen HC um seinen verdienten Lohn gebracht hat ? Jens Reinarz dachte, der Münsteraner Rechtsaußen würde aus diesem unmöglichen Winkel nicht treffen. Hätte dieser wohl auch nicht, wenn Mario Huhnstock auf der Linie geblieben wäre. "Und dann war's passiert." Damit hat Raimo Wilde diese Situation abgehakt. Viel wichtiger sei, dass diese Begegnung eine Trendwende gewesen sei. "Es war eine deutliche Steigerung zu erkennen – in der Defensive, im Angriff und auch im kämpferischen Bereich."
Stark ansteigende Form
In der sehenswerten Zweitliga-Partie hatten allen voran Simon Kluge, Joey Duin und Alexander Oelze stark ansteigende Form gezeigt. Den Spielmacher-Job überließ letzterer nur in einer Ausnahme-Situation einem Anderen – jedoch nicht Mathias Fuchs. In Unterzahl verzichtete Raimo Wilde auf den Wechsel Abwehr-Angriff und ließ Jens Reinarz auf die Mitte rücken. Auf dieser Position war dem Rechtsaußen sogar ein sehenswerter Treffer in der Kategorie "Tor des Tages" gelungen. Aus der Hüfte heraus hatte Reinarz aus etwa elf Metern den gut aufgelegten Münsteraner Schlussmann Michael Rebstock zum 4:2 (8.) bezwungen.
Damit hatte Jens Reinarz genauso viele Tore aus dem Rückraum erzielt wie Kenneth Klev. In der Abwehr machte der Norweger erneut einen glänzenden Job, nur vorne standen seinem Tor aus der 1. Minute sieben Fehlversuche gegenüber. "Kenny setzt sich zu sehr unter Druck", sagt Raimo Wilde, der dem Handball-Profi das Vertrauen schenkt. "Auch bei ihm wird der Knoten platzen" – so wie beim gesamten Team, das seit drei Begegnungen auf einen Sieg wartet und trotzdem ewiger Tabellenzweiter bleibt. "Das Glück, das wir mit den Patzern der Konkurrenz haben, sollte für uns Ansporn genug sein." An diesem Spieltag strauchelten Hüttenberg (in Schwetzingen) und Bietigheim (in Erlangen).
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