Leichtathletik: Die Gefahr der tollen Stimmung
VON CHRISTIAN BENDIG - zuletzt aktualisiert: 05.06.2010"Dann hoffe ich, dass wir gewinnen", sagt Ines Liebegott, bevor sie mit ihren Schülern von der Sammelstelle am Zelt des Roten Kreuzes zum Startbereich geht. Ob alle der 139 teilnehmenden Staffeln der Grund- und Weiterführenden Schulen beim 22. Klingenlauf mit diesem Ziel ins Rennen gehen, ist ungewiss.
Zumindest für die Sportschüler der Friedrich-Albert-Lange-Schule (FALS) ist dieses Ziel klar vorgegeben. Dementsprechend werden die Läufer der NRW-Sportschule auch ausgewählt. "Wir nehmen nur die schnellsten Jungen und Mädchen mit." Sportkoordinator Volker Lohrengel gibt offen zu, dass für die Staffeln der FALS nur der Sieg zählt. Genauso groß wie die Erwartungen war dann auch die Dominanz der Gesamtschüler: Doppelsiege in beiden Wertungen der Mädchen und Jungen der fünften und sechsten Klassen gingen an die FALS. Besonders beeindruckend fiel der Sieg bei den Mädchen aus. Satte 34 Sekunden betrug der Vorsprung auf die Zweitplatzierten.
Knapp dahinter platzierte sich die Staffel des August-Dicke-Gymnasiums, das die fast unglaubliche Maximalzahl von 19 Teams auf die 4 x 425 Meter schickte. Zahlenmäßig konnte dabei nur das Gymnasium Schwertstraße halbwegs mithalten, das immerhin zehn Staffeln melden konnte. Die beste Platzierung holten die Jungs mit dem dritten Platz. Trotz des verpassten Sieges zog Liebegott ein positives Fazit: "Der Klingenlauf ist immer wieder ein Highlight. Allein schon wegen der tollen Atmosphäre und der vielen Zuschauer." Der Schlüssel zum Erfolg der Veranstaltung, so dass diese auch bei ihrer 22. Auflage nichts an Attraktivität verloren hat.
Genau in dieser tollen Stimmung und dem anfeuernden Publikum besteht für die unerfahrenen Läufer die Gefahr, die Runden zu schnell anzugehen. So geschehen bei Franziska Ern von der Gesamtschule Solingen: "Am Ende wurde es total anstrengend, wegen der Seitenstiche", meinte 11-Jährige. Dabei hatten die Jungen und Mädchen von der Wupperstraße drei Wochen lang wegen eines Sponsorenlaufes intensiv trainiert. Für Ern und ihre Mitstreiterinnen reichte es trotzdem zu einem respektablen zehnten Platz unter den 25 Teams.
Noch größere Resonanz erfuhr der Wettbewerb der Grundschulen. 92 Staffeln kämpften hier um die besten Zeiten – ganz vorne platzierten sich ein Quartett der Grundschule Am Rosenkamp vor der Waldorfschule Haan-Gruiten und der Gerberstraße.
Medaille für jeden Läufer
Viele Kinder nutzten neben den Schulstaffeln noch die Gelegenheit, um an den Einzelwettkämpfen teilzunehmen. So wie Pauline Scheffel von der Gerberstraße. Die Neunjährige zeigte besonders viel Durchhaltevermögen. "Ich bin am Anfang umgeknickt, bin aber trotzdem bis zum Ende durchgelaufen", sagt sie stolz. Am Ende erlief sie den sechsten Platz. Vielleicht hätte es zu mehr gereicht. Das spielte aber keine Rolle, da alle Kinder an diesem Nachmittag für ihren Einsatz eine Medaille mit nach Hause nehmen konnten.
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