Boxen: Die Lizenz zum Profiboxen
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 20.03.2008Erst im Oktober 2007 hat André Hitzegrad wieder mit dem Boxtraining begonnen – als Ausgleich zum Stress im Beruf. Dann entstand die Idee, am 24. Mai in der Ohligser Festhalle unter realen Bedingungen in den Ring zu steigen.
Skeptisch schaut André Hitzegrad, als Frank Ottehenning ins Plaudern kommt und über den möglichen Verlauf eines Boxkampfes philosophiert. „Jeder, der in den Ring steigt, wird für die Runden bezahlt, die angesetzt sind. Und wenn du deinen Gegner vorher Schach-Matt setzt, dann hast du das gleiche Geld für weniger Arbeit verdient.“ Mit großen Augen und leicht hochgezogenen Brauen lauscht André Hitzegrad den Worten des Präsidenten der Internationalen Burma Boxing Organisation (I.B.B.O.). So recht glauben mag er ihm nicht, dass dies auch für ihn gelten soll – erst recht, als Ottehenning noch ergänzt: „Wenn du aber merkst, du hast deinen Gegner im Griff und musst nur noch den entscheidenden Schlag landen, dann lass‘ ihn noch ein wenig zappeln. Die Zuschauer wollen schließlich für ihr Eintrittsgeld etwas sehen.“
Profibox-Abend
Schauplatz der Profibox-Veranstaltung am Samstag, 24. Mai, ist die Festhalle Ohligs. Höhepunkt des Abends soll der Titelkampf von Bihes Barakat, Boxer des Solinger Veranstalters „I.B.B.O. Germany“, in der 60 Kilogramm-Gewichtsklasse gegen den Tschechen Josef Halub werden.
André Hitzegrad nickt nur und lässt seine Gedanken kreisen, wie es ihm wohl bei seiner Premiere ergehen wird. Erst im Oktober vergangenen Jahres ist der 30-Jährige wieder ins Training eingestiegen, nachdem er gut vier Jahre pausiert hatte. „Eigentlich boxe ich nur, um mich körperlich fit zu halten und einen Ausgleich zum Stress in der Firma zu haben.“ Dass er sich nun auf ein Duell über vier Runden vorbereitet, hatte er überhaupt nicht ins Auge gefasst. „Wir saßen Anfang des Jahres nach einem Training zusammen und haben rum gesponnen, als es darum ging, in Solingen einen Profibox-Abend zu organisieren.“ Mitte Januar wurden die Planungen dann konkret. André Hitzegrad hat signalisiert: „Einen Kampf mache ich auch“ – ohne an mögliche Konsequenzen zu denken.
„Lampenfieber ist dabei“, sagt André Hitzegrad. Glaubwürdig gelassen versichert der Solinger, dass er weniger daran denke, was im Ring passieren könne. „Ich will ja gewinnen.“ Und Frank Ottehenning traut seinem 100 Kilogramm schweren Schützling zu, den Kölner Denis Lothmann bezwingen zu können. „Anfangs hatten wir über einen Showkampf gegen René Weller nachgedacht“, blickt der I.B.B.O.-Präsident zurück. „André hat aber so eine Wahnsinns-Linke, dass er unter realen Bedingungen boxen soll.“
Damit am 24. Mai auch alles ordnungsgemäß über die Bühne geht, muss André Hitzegrad noch mit einer Profibox-Lizenz ausgestattet werden. „Ich bilde mir nichts darauf ein, mich plötzlich Profiboxer nennen zu können“, versichert der 30-Jährige. Er werde auch nach dem Kampf weiterhin nur seinem Job im Ohligser Familienbetrieb nachgehen und das Training ausschließlich als Ausgleich betrachten. „Wir sind hier ein nettes Trüppchen. Viele Geschäftsleute sind dabei, die sich bewegen möchten und vom Alltag abschalten wollen.“
Ein schöner Abend
Dass sein Pensum nach Ostern von zwei bis drei Mal pro Woche auf vier Einheiten erhöht werde, sei daher nur die zweckgebundene Ausnahme. „Für die vier Runden à drei Minuten braucht man schließlich Kondition.“ André Hitzegrad weiß ganz genau, was ihn bei der Erfüllung eines Jugendtraums erwartet. Gut vorbereitet „soll es einfach ein schöner Abend werden“.
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