Tennis: Die Olympia-Frage
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 13.06.2008Auf der Meldeliste des Solinger TC taucht der Name von Robert Lindstedt ganz weit hinten auf. Dabei ist der 31-jährige Schwede als Doppelspezialist einer der wertvollsten Neuzugänge des Erstligisten aus Widdert – sportlich wie menschlich.
Robert Lindstedt gehört nicht zu den Spielern, die bei den großen Tennisturnieren dieser Welt im Fokus stehen. Das ist das Los der Doppel-Spezialisten, die meist nur im Daviscup oder beim „ARAG World-Team-Cup“ in Düsseldorf ins Rampenlicht rücken. Daher war der Schwede auch ein wenig überrascht, als ihm ein Tag nach seinem Erstrunden-Aus bei den „Gerry-Weber-Open“ im westfälischen Halle eine Interview-Anfrage mit seinem Hotelzimmer-Schlüssel ausgehändigt wurde.
Robert Lindstedt hat sich bequem in seinem Sessel zurückgelehnt. Die Niederlage mit seinem finnischen Doppelpartner Jarkko Nieminen tags zuvor gegen das israelische Weltklasse-Duo Jonathan Ehrlich und Andy Ram (3:6, 6:7) beschäftigt den 31-Jährigen schon kaum noch. „Wir hatten nicht unseren besten Tag erwischt, und auf Rasen wird jeder Fehler sofort bestraft“, sagt Lindstedt in perfektem Deutsch mit einem leichten nordischen Akzent.
Zur Person
Name: Robert Lindstedt.
Spitzname: Roger.
Alter: 31 Jahre.
Familie: ledig.
Wohnort: Bastad (Schweden).
ATP-Weltrangliste: 34 (Doppel).
Größter Erfolg 2008: Halbfinale in Indian Wells (mit Richard Gasquet / Frankreich).
Vor rund sechs Jahren hatte Robert Lindstedt nur ein paar Brocken Deutsch gesprochen, die er auf seinen ersten Stationen in der Tennis-Bundesliga aufgeschnappt hatte. Als Blau-Weiß Krefeld ihn erstmals in den Stadtwald holte, „habe ich ein bisschen mit meinen blauen Augen geflirtet und habe meine Traumfrau gefunden“. Seine heutige Lebensgefährtin Tine war damals unter den Zuschauern. So ist Köln neben Schwedens Party-Metropole Bastad Lindstedts zweiter Wohnsitz geworden. „Dann lernst du automatisch die Sprache.“
Als im April der Solinger TC seine Meldeliste für die Erstliga-Saison veröffentlichte, tauchte der Name Robert Lindstedt weit hinten auf – aber nur weil der Mannschaftsweltmeister 2008 seit mehreren Jahren kein Einzel mehr spielt und daher nicht in der aktuellen Weltrangliste geführt wird. Nach einem Leistenbruch vor gut zwei Jahren hat sich „Roger“ auf das Doppel spezialisiert und sich in den Top 40 der Welt etabliert – obwohl er jedes Match nur mit Schmerzmittel bestreiten kann.
„Ich will so häufig wie möglich versuchen, Solingen zu helfen, den Klassenerhalt zu schaffen“, sagt der sympathische und unkomplizierte Schwede, der sich schon in der Vergangenheit angeboten hatte, für die Widderter aufzuschlagen. Das war in der Zeit, als der Klub noch ganz auf das Konzept gesetzt hatte, nur mit deutschen Spielern anzutreten. Als Trainingspartner war Lindstedt in den vergangenen Jahren trotzdem stets ein gern gesehener Gast gewesen. Nun gehört er zum STC-Kader, der am 4. Juli gegen den Deutschen Meister Grün-Weiß Mannheim in die Erstliga-Saison gehen wird. Wie viele der neun Begegnungen er tatsächlich bestreiten wird, hängt ganz allein von der Olympia-Frage ab. Sollte sein Landsmann Thomas Johansson nämlich eine Wildcard für Peking erhalten, könnten die Schweden ein zweites Team in China an den Start bringen, zu dem dann auch Robert Lindstedt gehören würde.
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