Handball: Emotional stark
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 20.10.2007Handball-Zweitligist Bergischer HC schraubte gestern Abend seine Auswärtsquote auf 7:1 Punkte. Nur acht Minuten lang gab es bei der TSG Münster Zweifel am letztendlich deutlichen 34:24-Erfolg.
So eine erste Halbzeit hat der Bergische HC in Kelkheim noch nie abgeliefert. Hellwach präsentierte sich der Handball-Zweitligist gestern Abend bei der TSG Münster – und die Mannschaft zeigte von Beginn an die Emotionen, die sie in der Vergangenheit an gleicher Stätte so oft hatte vermissen lassen. Nach jedem Tor, nach jeder gelungenen Abwehraktion wurden die Fäuste gen Hallendecke geballt, oder es wurde sich gegenseitig abgeklatscht. So wie nach Sebastian Aschenbroichs und Jens Reinarz‘ gemeinsam abgeblockten Ball, den Keeper Ivan Zoubkoff mit dem Fuß festhielt und so in Unterzahl das 5:7 verhinderte.
Es war die Phase, in der die Begegnung zu Gunsten der kampfstarken Gäste kippte – auch wenn Alexander Oelze im Gegenzug ein Stürmerfoul abgepfiffen bekam und Sven Pausch den Rückstand doch noch auf zwei Tore verkürzen konnte. Die BHC-Abwehr hatte zuvor schon sehr gut gestanden, doch jetzt bissen sich die Hessen oftmals in der 5:1-Abwehr fest. Ziad Rejab, bei der TSG Münster eigentlich der Mann für die Tore aus dem rechten Rückraum, war unscheinbar geblieben und saß jetzt mit einem frustrierten Gesichtsausdruck am Ende der Mannschaftsbank. Lediglich mit Einzelaktionen konnten Thomas Mauch, Markus Scheurer oder Jörn Olbrich in Rejabs knapp zehnminütiger Erholungspause zu drei Torerfolgen kommen, während sich die Löwen mit einem geordneten und konzentrierten Spielaufbau einen Fünf-Tore-Vorsprung erspielten. Nach Ballgewinnen wurde das Tempo bewusst niedrig gehalten, auf den riskanten Pass zum Einleiten eines Tempogegenstoßes verzichtet und so die Fehlerquote auf ein Minimum reduziert.
Münster – BHC 06 25:34
Münster: Bansa (31. - 55./3 Paraden, davon ein Siebenmeter), Rebstock (7 Paraden) – Conradt, Bohnert (2), Quilitzsch, Weber (2), Olbrich (4), Wernig (1), Götzenleuchter, Kaplan, Rejab (1), Mauch (6), Scheurer (1), Pausch (8/1).
BHC: Zoubkoff (11 Paraden), S. Nippes (ab 48. /5 Paraden) – Fuchs (5/3), K. Nippes (2), Hinze (5), Vitek, Neuenhofen, Aschenbroich (6), Krosch, Selmanovic (3), Kluge (1), Oelze (6), Reinarz (6/2).
Schiedsrichter: Martin Thöne / Marija Zupanovic (Berlin).
Zuschauer: 600.
Torfolge: 1:0 (2.), 2:2 (8.), 4:7 (16.), 10:14 (29.), 10:16 (Halbzeit); 12:17 (33.), 15:17 (36.), 16:18 (38.), 16:20 (44.), 18:24 (48.), 20:24 (51.), 21:29 (54.), 23:32 (58.).
Zeitstrafen: Fuchs, Kluge, Aschenbroich (2), K. Nippes, Vitek Reinarz / Olbrich (Rote Karte). Wernig, Götzenleuchter, Mauch.
Das nächste Spiel: TSG Friesenheim – Bergischer HC (Sonntag, 28. Oktober, 18 Uhr, TSG-Sportzentrum Ludwigshafen).
Aschenbroich überragend
Die erste Sechs-Tore-Führung markierte Elvir Selmanovic zwei Sekunden vor dem Abpfiff der ersten Halbzeit, als er sich den Abpraller nach seinem eigenen Pfostentreffer angelte und zum 16:10 nachsetzte – erneut in Unterzahl. Der in Angriff wie Abwehr überragende Sebastian Aschenbroich hatte nach einem Foul und seinem Klatschen, das die Schiedsrichter als Kritik an ihrer Person aufgefasst hatten, für vier Minuten auf der Bank Platz nehmen müssen. Nach der Pause, Aschenbroich brummte immer noch seine Zeitstrafe ab, legte Elvir Selmanovic noch einen weiteren Treffer nach (32.).
Selmanovic‘ 17:11 sollte die letzte gelungene Angriffsaktion der Bergischen für acht Minuten bleiben. Nun zeigten die Münsteraner die Emotionen und rissen ihre rund 550 Anhänger mit. Mit jedem Tor und dem von Konrad Bansa gehaltenen Siebenmeter (Mathias Fuchs) stieg bei den Gastgebern die Stimmung. Als auch noch Alexander Oelze seinen Strafwurf beim Stand von 18:16 über die Latte beförderte, schien der BHC das Spiel aus der Hand zu geben. Die gute Phase der TSG Münster hielt allerdings nur bis zur 43. Minute. Norbert Gregorz hatte schon mit einem Torhüterwechsel reagieren wollen, als Ivan Zoubkoff seine ersten Paraden der zweiten Hälfte verzeichnete. Stefan Nippes setzte sich wieder auf die Bank und freute sich mit Sebastian Hinze (19:16) und Alexander Oelze (20:16) über deren gelungenen Aktionen. Von nun an waren die Emotionen wieder da und die Löwen spielten sich in einen Rausch, während die Münsteraner keine Anstalten machten, sich noch gegen die 24:34-Niederlage zu stemmen.
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