Tennis: (Fast) Alle Negativserien gebrochen
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 23.07.2007Bislang war der Blau-Weiß Krefeld das Überraschungsteam der Tennis-Bundesliga gewesen. Gestern sorgte der Solinger TC für die nächste Sensation: Der Aufsteiger holte beim Tabellendritten Grün-Weiß Mannheim seinen ersten Punkt.
Mannheim – Solinger TC 3:3
Einzel: Janko Tipsarevic (Serbien/47) – Lars Uebel (365) 6:4, 3:3 (Aufgabe Tipsarevic); Fernando Vicente (Spanien/146) – Sascha Klör (797) 3:6, 3:6; Lars Burgsmüller (273) – Clinton Thomson (518) 6:4, 6:4; Daniel Elsner (858) – Marius Zay (717) 6:4, 6:7 (1), 9:11.
Doppel: Fernando Vicente/Sebastian Prieto, Sebastian – Lars Uebel/Clinton Thomson 6:2, 3:6, 11:9; Lars Burgsmüller/Daniel Elsner – Sascha Klör/Marius Zay 6:2, 6:2.
Lars Uebel war ratlos. „Ich weiß gar nicht, wie ich gegen ihn spielen soll“, murmelte der Solinger vor sich hin. Sein Kontrahent im Spitzeneinzel schlich nur noch über den Platz, nur noch in Zeitlupe agierte Janko Tipsarevic. Der Serbe in Diensten des Tennis-Bundesligisten Grün-Weiß Mannheim hatte sich kurz zuvor mehrere Minuten auf dem Boden liegend behandeln lassen müssen. Jetzt ging gar nichts mehr. Lars Uebel retournierte den viel zu schwachen Aufschlag, Tipsarevic hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht seine rechte Seite, kniete nieder, stütze sich mit der anderen Hand auf seinen Schläger und gab das Zeichen für die Aufgabe. Lars Uebel eilte sofort auf die andere Seite des Netzes, um Janko Tipsarevic zu stützen und seinen Gegner vom Platz zu begleiten.
Mit dem Gewinn des Spitzeneinzels (beim Stand von 4:6, 3:3 und 15:0 aus Uebels Sicht) war die Sensation perfekt. Der Solinger TC hatte bereits vor den Doppeln seinen ersten Punkt in der Tennis-Bundesliga sicher. Die fachkundigen und fairen Zuschauer auf der schmucken Anlage am Neckarplatt wollten ihren Augen nicht trauen, dass die Mannschaft der für sie Namenlosen nach den Einzeln mit 3:1 in Führung lag.
Nach den drei 0:6-Niederlagen gegen Düsseldorf, Neuss und Erfurt hatte Sascha Klör den Knoten platzen lassen. Gegen den passiv spielenden Publikumsliebling Fernando Vicente gelang dem Solinger gleich im ersten Spiel das Break. Im Duell zweier Sandplatz-Spezialisten leistete sich der Außenseiter weniger Fehler, und er machte nahezu jeden Punkt am Netz – so wie beim ersten Satzball: Wieder hatte Sascha Klör einen der keineswegs schlechten Stoppbälle des Spaniers kurz hinter dem Netz erreicht und mit einem noch besseren Stopp geantwortet.
Noch mehr Sicherheit
Mit dem Gewinn des ersten Durchgangs (6:4) bekam Sascha Klör noch mehr Sicherheit. Bei der 3:0-Führung war der wieselflinke Krefelder sogar dabei, den zweiten Satz im Schnelldurchgang für sich zu entscheiden. Plötzlich, als der Sieg mit der 5:2-Führung greifbar wurde und Fernando Vicente sein erstes Aufschlagspiel zu Null durchbrachte, ließ die Souveränität nach. Eine kritische Schiedsrichter-Entscheidung verhinderte, dass Klör im neunten Spiel des zweiten Satzes ein Break hinnehmen musste. Die Stuhl-Schiedsrichterin gab einen Vicente-Lob Aus – Einstand. Dieser knappe Ball war ein Weckruf: Im zweiten Anlauf verwandelte Sascha Klör seinen zweiten Matchball.
Noch spannender machte es Marius Zay gegen Daniel Elsner. Nachdem die Nummer Vier im ersten Abschnitt den fünften Satzball nicht mehr hatte abwehren können (4:6), schien er nach einem weiteren Break zum 1:3 auf der Verliererstraße. Zay aber rettete sich in den Tiebreak, gewann diesen souverän mit 7:1. Trotz deutlich sichtbarer nervlicher Anspannung sorgte der Ratinger im STC-Team für das zweite Novum der Saison: Nach bislang sieben verlorenen Match-Tiebreaks ging Marius Zay erstmals als Sieger vom Platz (11:9).
Alle Negativserien waren damit gebrochen – fast alle Negativserien. Denn die absolute Krönung eines erfolgreichen Tennis-Tages blieb aus. Während Marius Zay und Sascha Klör in ihrem Doppel gegen Lars Burgsmüller und Daniel Elsner chancenlos waren, verspielten Lars Uebel und Clinton Thomson den ersten Bundesliga-Sieg im Match-Tiebreak (9:11). „Eine ärgerliche Niederlage“, urteilte Lars Uebel.
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