Tennis: Geld regiert die Welt
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 20.08.2007Nach nur einem Jahr muss sich der Solinger TC wieder aus der Ersten Liga verabschieden. Zum einen war am letzten Spieltag mit Krefelder Schützenhilfe nicht zu rechnen. Zum anderen schickte der TV Reutlingen seine beste Besetzung in das Endspiel um den Klassenerhalt und siegte 5:1.
Der Stachel der Enttäuschung saß bereits tief, bevor in dem Endspiel um den Klassenerhalt überhaupt der erste Ball geschlagen war. Als das Fax mit sämtlichen Aufstellungen aller fünf Begegnungen der Tennis-Bundesliga im Geschäftszimmer eintrudelte, war klar, dass der Solinger TC keine Schützenhilfe vom HTC Blau-Weiß Krefeld bekommen würde. „Das ist eine Unverschämtheit“, fluchte der STC-Vorsitzende Kurt-Reiner Witte. „Wenn das Nürnberg als Absteiger gewesen wäre, hätte ich das noch verstehen können – aber Krefeld ?“
Die Niederrheiner hatten darauf verzichtet, am letzten Spieltag ihre gut bezahlten Tennisprofis einzufliegen und hatten stattdessen auf die vier Deutschen Ranglisten-Spieler Mario Lesic, Dominik Pfeiffer, Sven André und Pascal Wilkat gesetzt, die lediglich an Positionen neun bis zwölf gemeldet waren. Der ebenfalls noch abstiegsgefährdete Blau-Weiß Neuss konnte so gar nicht in die Gefahr einer Niederlage kommen, die für die Solinger die Aufgabe gegen den punktgleichen TV Reutlingen etwas einfacher gemacht hätte. Dann hätte das Sextett aus Widdert nicht zwingend gewinnen müssen. Ein Unentschieden hätte ihnen unter Umständen schon zum Klassenerhalt gereicht.
Solinger TC –TV Reutlingen 1:5
Einzel: Lars Uebel (ATP 360) – Alessio di Mauro (Italien / 114) 3:6, 2:6; Sascha Klör (776) – Stefano Galvani (Italien / 183) 5:7, 1:6; Clinton Thomson (501) – Razvan Sabau (Rumänien / 441) 7:5, 6:4; Marius Zay (689) – Marc Lopez (Spanien / 167) 3:6, 1:6.
Doppel: Gero Kretschmer/Clinton Thomson – Galvani / Lopez 2:6, 2:6; Michael Kohlmann/Lars Uebel – Sabau / Sebastian Fitz 2:6, 2:6.
Ganz anders sah die Aufgabe aus, die der Solinger TC am Samstag vor rund 1200 Zuschauer zu bewältigen hatte. Wie schon in der Vorwoche beim überraschenden 3:3 gegen Blau-Weiß Halle brachte der TV Reutlingen nahezu seine Bestbesetzung an den Start. „Wenn Reutlingen mit dieser Mannschaft jede Woche angetreten wäre, hätten die niemals etwas mit dem Abstiegskampf zu tun gehabt“, vermutete Kurt-Reiner Witte. Aber so sei das eben in den Tennis-Mannschaftswettbewerben. „Geld regiert die Welt.“
So blieb nur ein Fünkchen Spannung, als Sascha Klör und Marius Zay zeitgleich ihre Einzel gegen die in der Weltrangliste jeweils rund 500 Positionen besser platzierten Stefano Galvani und Marc Lopez bestritten. Drei Einzel-Siege hatten Klör und Zay bislang in der Bundesliga gefeiert, am Samstag waren sie ganz weit davon entfernt, ihre Erfolgsbilanz um einen weiteren Erfolg zu ergänzen.
Es stand im ersten Satz 5:5, als Sascha Klör sein Aufschlagspiel zu Null abgab. In vier langen Ballwechseln spielte Stefano Galvani mit seinem Gegner Katz und Maus, ließ ihn so lange laufen, bis er mit einem einfachen Schlag den Punkt machen konnte. Nach dem Satzverlust (5:7) lief bei Sascha Klör gar nichts mehr (1:6).
Ähnlich erging es Marius Zay. Zum einen bekam der 25-Jährige nie die Möglichkeit, Marc Lopez ein Aufschlagspiel abzunehmen. Zum anderen musste die Solinger Nummer vier einen Breakball nach dem anderen abwehren. Beim Ausgleich zum 2:2 gelang es ihm noch, danach dauerte es zehn Spiele, bis ihm gegen die spanische Gummiwand, die jeden Ball ins Feld zurückbrachte, wieder ein Punkt gelang (3:6, 1:6).
Ohne unbedingten Siegeswillen
Auch Lars Uebel bekam im Spitzeneinzel die Überlegenheit seines Gegners zu spüren, auch wenn der Solinger gegen den Sandplatz-Spezialisten Alessio di Mauro zumindest bis zum 3:3 ruhig und überlegt agierte. Wie seinen beiden Teamkollegen fehlte aber auch dem 26-Jährigen der unbedingte Wille, sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen. Die Ausweglosigkeit hatte sich schon im Unterbewusstsein festgesetzt.
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