Jedermann ist leicht gesagt
VON MATTHIAS KNISPEL - zuletzt aktualisiert: 15.04.2009In den Firmenräumen ihres Merscheider Hauptsponsors präsentierte sich das "Röltgen Cycling Jedermann-Team" mit einem professionell anmutenden Event. Enrico Muax moderierte die Veranstaltung.
In der Firma Röltgen stand an den Ostertagen nicht das operative Geschäft von Signier- und Markiersystemen im Vordergrund, sondern der Radsport. Vier strahlend weiße Rennmaschinen des Aachener Mitsponsors "Zoulou Bikes" standen im Spotlight mehrerer Scheinwerfer und stachen beim Betreten der Firmenräume ebenso ins Auge wie die hochwertige, hauteng anliegende Rennkleidung der 15 Fahrer des neu gegründeten Solinger Teams. Die fest verpflichteten zehn Fahrer und fünf Fahrerinnen werden in diesem Jahr erstmals unter dem Namen "Röltgen Cycling Team" hauptsächlich bei Straßenrennen in der Jedermann-Konkurrenz an den Start gehen. In Merscheid wurden alle vom italienischen Radsport-Original und Online-Showmaster Enrico Muax einzeln vorgestellt.
Julian Krieschen gehört dem Team an. Sie präsentierte eine der Rennmaschinen mit 22 Gängen, die der Besucher bequem mit zwei Fingern anheben kann: Ein hochwertiger Carbon-Rahmen lässt sie nicht mehr als sechs Kilogramm wiegen, ihren Preis allerdings auf stattliche 7000 Euro steigen. "Die Rennräder müssen wir Fahrer selber bezahlen, allerdings bekommen wir vom Hersteller Prozente", sagt der 24-jährige Solinger und Hobby-Rennfahrer, der trotz Vollzeitjob bei Ford an die 15 Stunden in der Woche im Sattel sitzt.
Die Kosten für die teure und natürlich mit dem Firmenschriftzug beflockte Renn-Funktionskleidung – also Trikots, Hosen, Schuhe sowie Bein- und Armlinge – übernimmt hingegen komplett die Firma Röltgen. Und dafür hat Geschäftsführer Marc Baer nach eigenen Angaben für dieses Jahr insgesamt 12 000 Euro locker gemacht. Nach seinen Worten sind Straßen "öffentlicher Raum" und daher für ein Unternehmen zu Werbezwecken sehr attraktiv.
Ingo Herrmann (32) war vorher für ein Jedermann-Team im Münsterland aktiv und hat die Idee einer Solinger Equipe im Herbst vergangenen Jahres aus der Taufe gehoben. So hat der Medizinstudent mit Fahrern aus Solingen, Frankfurt und Münster zügig ein Team aus Sprintern, Zeit- und Bergfahrern sowie "Allroundern" zusammengestellt und über einen gemeinsamen Freund den Kontakt zu Marc Baer geknüpft. Zwar würden sich die Fahrer hauptsächlich alleine, aber auch – wie vor kurzem auf Mallorca – in gemeinsamen Trainingslagern in Wettkampfform bringen.
40 Kilometer pro Stunde
"Jedermann"-Rennen sagt sich zwar leicht, allerdings liegt laut Herrmann die Durchschnittsgeschwindigkeit meist jenseits der 40 Kilometer pro Stunde, so dass von Breitensport keine Rede sein kann. Ferner würden sich auch Jedermann-Fahrer Renntaktiken zurechtlegen: So sei es wichtig, wer "ein Hinterrad", also Windschatten braucht, wer Gegner beobachtet, Verpflegung holt oder aus taktischen Gründen einen Ausreißversuch unternimmt.
Auch am Ostermontag, beim Jedermann-Rennen am Rande des Profi-Radklassikers "Rund um Köln", waren neben Enrico Muax einige Fahrer des "Röltgen Cycling Teams" mit von der Partie.
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