Tennis: Kosten ohne Nutzen
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 05.08.2008Zwei Spieltage vor Ende der Tennis-Saison nähert sich beim Solinger TC das Abenteuer Bundesliga seinem Ende. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Legionäre nicht in das familiäre Bild des Klubs aus Widdert passen.
In vielen Jahren ist beim Solinger TC etwas gewachsen. Mit dem im Profigeschäft nahezu einmalig erfolgreichen Konzept, ausschließlich mit deutschen Tennisspielern im Mannschaftswettbewerb anzutreten, hat der Verein ein familiäres Bild geschaffen, an dem die Mitglieder und Anhänger immer mehr Gefallen gefunden haben. Den Weg von der Verbandsliga bis in die Elite-Klasse haben keine Stars geebnet, sondern junge Spieler wie Gero Kretschmer, Clinton Thomson oder Alexander Flock, mit denen man sich in Widdert gerne identifiziert.
Dass diese Tennisprofis es vor zwei Jahren als Team geschafft haben, Meister der Zweiten Liga Nord zu werden, nahm man im Süden Solingens gerne mit. Der STC gehörte auf einmal zu den besten zehn Tennis-Klubs Deutschlands. Nach Platz neun und dem Klassenerhalt am Grünen Tisch reifte die Erkenntnis, dass das Konzept nicht ausreiche, um konkurrenzfähig zu sein. Also tauchten vor dieser Saison auf der Meldeliste des Solinger erstmals die Namen einiger ausländischer Tennisprofis auf. Eingesetzt wurden sie nur gegen Reutlingen (Boris Pashanski und Robert Lindstedt) beziehungsweise gegen den Rochusclub Düsseldorf (Ivo Klec). Nach sieben sieglosen Begegnungen in diesem Jahr bleibt die Erkenntnis, dass Legionäre nicht ins familiäre Bild des Klubs aus Widdert passen – auch weil der Einsatz des Trios nur Kosten ohne Nutzen geblieben ist.
Der Solinger TC ist der große Verlierer dieser Erstliga-Saison, weil alle anderen Vereine ihre Kader so gut aufgestellt haben wie noch nie zuvor. Mehrere Teams hatten ihren Anspruch auf den Deutschen Meistertitel angemeldet. Etuf Essen, Rochusclub Düsseldorf oder Blau-Weiß Halle gehörten dazu, die ihr Geld verpulverten und nur auf den Plätzen sieben bis fünf herum dümpeln. Geld macht keinen Meister, erst recht nicht, wenn es alle gleichzeitig einsetzen.
Gefehlt hat der Gesamterfolg
In Solingen kann man unter diesen Voraussetzungen zufrieden sein, auch wenn bislang kein Punkt verbucht wurde, denn das Pech des Vorjahres ist dem Team treu geblieben. Und dennoch sind Alexander Flock, Clinton Thomson und Gero Kretschmer an ihren Aufgaben gewachsen. Das Trio hat eine gute Saison gespielt und manch einen Gegner aus den Top 200 der Weltrangliste schlecht aussehen lassen. Gefehlt hat nur der Gesamterfolg, der auf die Stimmung in Widdert gedrückt hat. Hier will man Erfolge feiern mit Spielern, die man an jedem Spieltag sieht. Und das geht besser in der Zweiten Liga, in der das bewährte Konzept wieder aufleben kann. Auf das Erlebnis, Weltklasse-Spieler des Kalibers eines Fabrice Santoro auf der eigenen Anlage zu erleben, ist da zu verzichten.
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