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Tennis: Mission „Deutsche Meisterschaft“

zuletzt aktualisiert: 01.07.2008

Der 34-jährige Kölner Robert Orlik ist der neue Teamchef beim Tennis-Bundesligisten Solinger TC 02.

Der Kölner Robert Orlik ist neuer Teamchef des Tennis-Bundesligisten Solinger TC 02.  Foto: RPO
Der Kölner Robert Orlik ist neuer Teamchef des Tennis-Bundesligisten Solinger TC 02. Foto: RPO

Ab Dienstag bereiten sich die Tennisprofis des Solinger TC gemeinsam auf die am Freitag beginnende Erstliga-Saison vor – unter der Leitung eines neuen Teamchefs. Robert Orlik hat die Aufgabe von Karsten Saniter übernommen.

Nach dem Aufstieg in die Tennis-Bundesliga ist man vor einem Jahr beim Solinger TC unter dem Motto „Wir haben nichts zu verlieren“ recht nüchtern an die Sache herangegangen. Wollen Sie als neuer Teamchef im zweiten Erstliga-Jahr bewusst mehr Druck aufbauen?

Orlik Das wäre ein Ziel. Die Meldeliste gibt es auf jeden Fall her, dass wir in der Lage sind, etwas mehr zu fordern. Vergangene Saison wurde lediglich mit deutschen Spielern gespielt, jetzt sind vereinzelt auch Ausländer dabei. Damit dokumentiert man für die anderen Mannschaften: Da bewegt sich etwas. Die Gegner sind gegen uns vielleicht nicht mehr ganz so entspannt.

Warum betrachten Sie das als einen Vorteil?

Orlik Meistens ist es so: Wenn man einen Tick entspannter ist, gehen Dinge einfach gut, weil man denkt, man bewegt sich auf einem sicheren Weg. Wenn Spieler jedoch wissen, dass es ganz speziell auf ihren Punkt ankommen könnte, werden psychologische Spielchen plötzlich ganz interessant.

Und wie sieht es mit den Spielern im eigenen Team aus?

Orlik Die Jungs fühlen sich in Solingen wohl, kennen ihre Umgebung, in der sie sich geborgen fühlen. So können sie sich auf ihre Leistung konzentrieren. Mein Hauptaugenmerk liegt darauf, die Kräfte von jedem Spieler zu bündeln, um das eine Ziel zu realisieren: den Klassenerhalt. Der Vereinsvorsitzende Kurt-Reiner Witte hat es schön formuliert, dass der Klassenerhalt für den Solinger TC so etwas ist wie eine Deutsche Meisterschaft. Deswegen spreche ich jetzt auch nur davon. Wir werden also versuchen, die Deutsche Meisterschaft zu erringen.

Hat die neu zusammen gestellte Mannschaft das Potenzial dazu?

Orlik Es ist vorhanden. Angst brauchen wir nicht zu haben. Wir sind als Underdogs lediglich in der Position, in der wir zum einen Respekt vor den Anderen haben sollten und in der zum anderen reichlich Chancen vorhanden sind, die es zu nutzen gilt. Wenn man erst nach einem Spieltag erkennt, dass man hätte etwas erreichen können, ist es zu spät. Das war vielleicht ein Manko in der vergangenen Saison.

Nach dem Klassenerhalt am Grünen Tisch hat es lange gedauert, bis die Entscheidung gefallen ist, wer die Mannschaft während der Saison betreut. Wann sind Sie ins Spiel gekommen?

Orlik Ganz konkret erst im April. Es hatte ein dreiviertel Jahr vorher zwar schon Kontakte gegeben, als mit Karsten Saniter darüber gesprochen wurde, ob er auch weiterhin als Teamchef zur Verfügung stehen würde. Klaus Langenbach und ich hatten damals signalisiert, dass es vom Grundsatz funktionieren könnte, das Team zu betreuen, wenn Karsten nicht mehr weiter machen würde. Weil die meisten Profis, die wir aktuell bei uns im Leistungszentrum betreuen, sowieso Bundesliga spielen, ist der Trainingsbetrieb so ruhig, dass dem Engagement beim Solinger TC nichts mehr im Wege stand, als dann die konkrete Anfrage kam.

Sie hätten Ihre Zusage sicherlich nicht gegeben, wenn das Team weniger konkurrenzfähig gewesen wäre . . .

Orlik Es hat eine Rolle gespielt. Wobei es eine Herausforderung ist, mit diesem Team zu bestehen, weil man in der Bundesliga ganz anders Kräfte bündeln kann. Es ist oft genug vorgekommen, dass ausländische Spieler anderer Teams erst kurzfristig von Turnieren abgerufen wurden, die dann auf dem Platz recht müde wirkten. Diese Profis, die gut dotierte Verträge haben, kommen manchmal auch nur um diese abzuspielen. In so einer Situation kann eine vermeintlich schlechtere Mannschaft durchaus auch Erfolge einheimsen. Mit einem Team, das auch als solches auftritt, kann man viel bewegen. Ich hoffe, dass wir dahin kommen, die Favoriten zu ärgern und aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen.

Ist das Risiko jetzt nicht auch gegeben, dass sich ein Dudi Sela oder ein Joseph Sirianni ähnlich lustlos wie andere Legionäre verhalten könnten?

Orlik Davor ist man zwar nie gewappnet, aber ich rechne nicht damit. Wenn man schon so einen starken Verbund hat wie wir in Widdert mit den deutschen Spielern, bilden diese bereits eine Mannschaft für sich. Dann ist es auch leichter für die Ausländer. Die merken gleich, dass sie in so einem Verbund ganz anders unter Druck stehen als in einer reinen Legionärstruppe. Wenn nur ein oder zwei ausländische Spieler dazu kommen, werden die sich fügen müssen.

Wie schätzen Sie die Bundesliga ein? Gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Orlik Es gibt mit Sicherheit die Erste Klasse, dann vielleicht eine größere Breite. Mannschaften wie Mannheim, Düsseldorf, Halle haben laut Meldeliste im Vergleich zu den anderen Teams einen Riesen-Vorteil. Da muss man sich nichts vormachen. Aber wir wollen mit unserer Teamgeist dagegen halten.

Wie werden Sie während der Spiele Einfluss nehmen?

Orlik Bei den Heimspielen habe ich bereits etwas verändert: Wir werden nur noch auf zwei Plätzen parallel spielen – weil ich einen Kompakt-Überblick haben möchte. Wenn die Spiele auf drei Plätzen verteilt wären, würde man von dem einen oder anderen Match fast gar nichts mitbekommen. Das versuche ich zu vermeiden, auch wenn ich nicht ganz ausschließen möchte, dass ich mich auch auf die Bank setzen werde. In den ersten Begegnungen werde ich in erster Linie von oben wachen und nur auf Zuruf eingreifen, um den Spielern etwas mit auf den Weg zu geben.

Gibt es in der Woche vor dem ersten Bundesliga-Spieltag ein Turnierverbot?

Orlik Offiziell ist es nicht ausgesprochen worden. Es hat aber keiner gemeldet, so dass ich davon ausgehe, dass jeder Spieler aus dem Stamm des Kaders ab Dienstag vor Ort ist, um sich gemeinsam auf die Saison vorzubereiten.

Guido Radtke führte das Gespräch.

Quelle: RP

 
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