Oktober der Wahrheit
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 29.09.2006Norbert Gregorz lässt sich von dem Pokalsieg des Bergischen HC in Münster und den 5:3 Punkten zum Saisonstart nicht blenden. Die schweren Spiele gegen die Top-Mannschaften der 2. Handball-Bundesliga kommen jetzt erst.
Sie standen vor den harmlosen Löwen und hatten aus unerfindlichen Gründen Angst vor ihnen. „Es war so, als ob sie das Spiel gar nicht gewinnen wollten“, sagt Ivan Zoubkoff, der sich nach dem Spiel noch lange mit seinem französischen Landsmann Rock Feliho vor der Eichendorfhalle in Kelkheim über die Begegnung in der zweiten Runde des DHB-Pokals unterhalten hatte. Die Stimmung in der Kabine der TSG Münster sei gedrückt gewesen, als Trainer Hans-Josef Embs auf die zweite Halbzeit eingestimmt hatte. „Das kann ich nicht verstehen, schließlich hatten wir doch nur drei Tore in Folge markiert und lagen zur Pause immer noch mit 11:13 zurück“, erklärt der BHC-Keeper.
Was nach dem Wiederanpfiff folgte, war zwar keine Handball-Show des Bergischen HC, aber eine Demonstration von Stärke eines ausgeglichen besetzten Kaders. „Wir haben viel aus den Fehlern der Niederlage vor einer Woche in Hüttenberg gelernt“, sagt Trainer Norbert Gregorz, der ebenfalls bei den Auswechslungen mehr Geschick bewies als bei der ernüchternden Niederlage in der Meisterschaft.
Vor allem die neuen Impulse von Alexander Oelze ließen die 30 Minuten lang zahmen Löwen bissiger werden. „Mathias Fuchs hatte zwar solide gespielt, aber gegen die Deckungsvariante der Münsteraner brauchte ich einen anderen Spielertypen im zentralen Rückraum.“ Oelze glänzte nicht nur beim Durchbruch zum Tor, sondern schaffte auch die Räume, die Thomas Zeller benötigt, damit er seine Tore machen kann. Und auch Tim Mullens machte bei seinem ersten längeren Einsatz in dieser Saison einen guten Job.
„Wir sind auf dem besten Weg dorthin, auf jeder Position so durchwechseln zu können, ohne dass es einen Bruch in unserem Spiel gibt“, freut sich Norbert Gregorz. So wie in Münster, als Sebastian Aschenbroich in der Abwehrmitte und Thomas Zeller im rechten Rückraum die erkrankten Christoph Krosch und Lars Friedrich ersetzten. In der vergangenen Saison hatte der Coach bei der SG Solingen ausschließlich auf acht Spieler vertraut: „Das war aber auch eine ganz andere Situation, weil wir um den Klassenerhalt gekämpft haben.“ Jetzt aber befinde sich der Kader im Aufbau, und jeder bekomme seine Spielanteile.
Auf den richtigen Weg gelangen
Norbert Gregorz weiß allerdings auch, dass die Qualifikation für die dritte Runde im DHB-Pokal sowie die 5:3 Punkte zum Start in die Zweitliga-Saison noch nicht viel wert sind. „Wir haben jetzt erst die ganz schweren Wochen für uns. Wenn wir danach immer noch im oberen Tabellendrittel zu finden sind, dann sind wir auf dem Weg, den wir auch einschlagen wollten“
Den Auftakt macht die schwere Auswärtsbegegnung am Sonntag bei der HG Oftersheim/Schwetzingen, „die leider im Pokal in Gensungen verloren haben“. Nach Meinung des Trainers mache das die Aufgabe nicht einfacher. Anschließend folgen im „Oktober der Wahrheit“ bis zum 4. November die Heimspiele gegen die drei Aufstiegsfavoriten SG Ludwigsburg (7. Oktober), TuSEM Essen (21. Oktober) und Bayer Dormagen (4. November).
2. Handball-Bundesliga: HG Oftersheim/Schwetzingen – Bergischer HC (Sonntag, 17 Uhr, Nordstadthalle).
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