Handball: Respekt einflößend
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 28.10.2008Das Debüt von Kenneth Klev beim Handball-Zweitligisten Bergischer HC war ein gelungenes. Obwohl er zuletzt beim VfL Gummersbach kaum noch im Angriff gespielt hatte, erzielte der norwegische Neuzugang fünf Tore – und in der Abwehr scheint keine Eingewöhnungszeit vonnöten.
Das Bierchen nach Spielende hatte sich Kenneth Klev redlich verdient. „Ich kann zufrieden sein, auch wenn ich noch ein, zwei Tore mehr hätte machen können“, sagte der Norweger, lächelte verhalten und gönnte sich einen kleinen Schluck. Der erste Arbeitstag in der 2. Handball-Bundesliga im Trikot des Bergischen HC hatte für den Neuzugang in der 18. Spielminute begonnen. Mit freundlichem Applaus der 1300 Zuschauer wurde Kenneth Klev begrüßt, als Elvir Selmanovic seinen Platz im linken Rückraum räumte, die Löwen gegen die TSG Münster mit 11:6 führten, aber in Unterzahl agieren mussten.
Kenneth Klevs erster Wurf war sogleich ein Zeichen dafür, warum er vom VfL Gummersbach ins Bergische Land gelockt worden war. Mit einem Versuch aus dem Rückraum, der die zugelassene Höchstgeschwindigkeit der an die Bayerhalle angrenzenden Autobahn 46 überschritten hat, zwang der sprunggewaltige Norweger Münsters Keeper Michael Rebstock zu einer Glanzparade. So wie in diesem Moment stieg Kenneth Klev später nur dann im Rückraum hoch, wenn es die Situation erforderte oder zuließ. Bei seinen vier weiteren Würfen aus der Distanz landete der Ball drei Mal im Netz – eine gute Quote für einen Spieler, der zuletzt in Gummersbach nur in der Abwehr eingesetzt wurde.
Als Coach hatte Raimo Wilde seinem Neuzugang während der laufenden Begegnung wenig erklären müssen. Über Nacht hatte der Handball-Profi die BHC-Spielzüge einstudiert, so dass kurze Wortwechsel mit Alexander Oelze oder Mathias Fuchs reichten, um ihn erfolgreich einzubinden. Das Angriffsspiel des Bergischen HC ist mit Klev um eine weitere effektive Variante reicher geworden.
Abwehr-Trio mit Format
In der Defensive hingegen benötigt Kenneth Klev keine Zeit der Eingewöhnung. Raimo Wilde beorderte den 1,96 Meter großen Hünen mit dem breiten Kreuz sogleich in das Abwehrzentrum. Der Trainer lobte zwar nach dem 36:29-Erfolg gegen die TSG Münster die „unheimliche Präsenz“ des neuen Löwen, die jedoch erst durch seine Nebenleute ein rundes Bild ergibt. Es gab Zeiten, als die Spieler des BHC-Vorgängervereins SG Solingen winzig aussahen gegen Respekt einflößende Kerle im gegnerischen Innenblock. Da ist Vergangenheit. Gegen Münster spielten beispielsweise Elvir Selmanovic und Hennig Quade neben Kenneth Klev in der defensiven 6:0-Formation – ein Trio mit Format, an dem die Gegner im Zweitliga-Süden erst einmal vorbei kommen müssen.
Kenneth Klevs Debüt war somit ein gelungenes – nicht nur, weil er fünf Tore erzielte. Er überstand die Einsatzzeit von 42 Minuten trotz seiner zupackenden Art auch ohne Zeitstrafe. Mit 22 Straf-Minuten und zwei Roten Karten in neun Partien hatte Klev die Erste Liga auf Platz vier der Zeitstrafen-Sünder verlassen.
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