Fußball: Rückzug aus der Landesliga
VON MICHAEL TESCH UND GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 29.06.2010Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde im Unterland geträumt. Vom Aufstieg in die NRW-Liga. Vom Aufleben guter alter Zeiten. Union Solingen war Gesprächsthema, über die Stadtgrenzen hinaus.
Auch weil beim damaligen Spitzenclub der Fußball-Niederrheinliga ein Ex-Profi mit dem schillernden Namen Thomas Brdaric plötzlich präsent war. Und Politik und Verwaltung diskutierten darüber, wie das Stadion am Hermann-Löns-Weg hergerichtet werden müsste, falls die Union tatsächlich den Klassensprung schaffen würde.
All das ist Geschichte. Im Vergleich zu vielen anderen Traditionsvereinen, die die Ohligser in ihren 14 Jahren Zweite Liga gesehen haben, hat Union Solingen den freien Fall nicht aufhalten können. Nach dem Abstieg im Jahr 1989 wurde der sportliche Niedergang immerhin in der Landesliga gestoppt. Jetzt geht es für den seitdem dauerhaft finanziell gebeutelten Club sogar noch eine Etage tiefer. Nach dem durch personelle Fehlplanungen programmierten Abstieg aus der Niederrheinliga wird der Name Union Solingen unter den 16 Teams der Landesliga-Gruppe 2 nicht mehr auftauchen.
Gestern Nachmittag verkündete Torsten Pütz: "Ich habe unsere Erste Mannschaft vom Spielbetrieb zurückgezogen". Das einzig verbliebene Vorstandsmitglied habe alle Spieler, die für die neue Saison mündlich zugesagt hatten, bereits darüber informiert. Am heutigen Vormittag will Torsten Pütz gemeinsam mit Anwalt André Altmann den nächsten Schritt tun und den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. "Ob es ein neues Verfahren geben wird, oder ob die noch laufende Insolvenz aus dem Jahr 1999 wieder auflebt, müssen dann andere entscheiden." Der Gang zum Amtsgericht wird die letzte Amtshandlung von Torsten Pütz sein. "Anschließend werde ich zurücktreten."
So ganz wird der Name Union Solingen aber nicht aus der Fußball-Landschaft verschwinden. Wie unsere Zeitung in der gestrigen Ausgabe berichtete, wurde rechtzeitig ein Rettungsanker geworfen und in Aufderhöhe verankert. Die meisten Spieler des von Mentor Dzemaili und Hafiz Balija zusammengestellten Kaders wird sich heute beim Bezirksligisten BSC Aufderhöhe anmelden. "13 Akteure werden auf jeden Fall mitgehen – auch Adnan Gashi, Stephan Heller, Dominik Montag und weitere Leistungsträger", erklärt Balija, der in Aufderhöhe Sportdirektor werden wird. Trainiert wird das neue Team von Mentor Dzemaili und Björn Scheffels. Am Mittwoch werden Torsten Pütz und Rainer Busch, Vorsitzender des BSC Aufderhöhe, die Spielgemeinschaft "BSC Union" offiziell vorstellen. Pütz erklärt, dass er bereit sei, auch hier Verantwortung zu übernehmen. Eine Maßnahme, die träumen lässt: vom Aufleben guter alter Zeiten. Irgendwann.
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