Handball: Schalter steht auf „Aus“
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 02.03.2007Nach der zweiten Neun-Tore-Niederlage in Folge gilt beim Handball-Zweitligisten Bergischer HC die Devise, die der Fusionsklub auch auf seiner Erfolgswelle praktiziert hat: Ruhe bewahren. Bis zum morgigen Duell mit Concordia Delitzsch soll das Selbstbewusstsein wieder aufgebaut sein.
Die Welt war vor anderthalb Wochen noch in Ordnung. Die Abwehr des Bergischen HC stand sicher, die von Mathias Fuchs oder Alexander Oelze angesagten Systeme beherrschte die Mannschaft selbst mit geschlossenen Augen. Seit Mittwochabend aber rätselt nicht nur Trainer Norbert Gregorz, warum der Handball-Zweitligist nach dem 28:37 bei der SG Ludwigsburg gegen den TV Willstätt-Ortenau die zweite Niederlage in Folge mit neun Toren Differenz einstecken musste.
Vor sechs Tagen scheint jemand die Schalter der Kreativität und Selbstsicherheit auf „Aus“ geschaltet zu haben. „Ähnlich wie in Ludwigsburg hat es auch gegen Willstätt keinen Mannschaftsteil gegeben, an dem wir uns aufrichten konnten“, erklärte der Löwen-Coach. Von den beiden Halbpositionen im Rückraum ist kaum Gefahr ausgegangen. Alexander Oelze, in Ludwigsburg noch der einzige Lichtblick, hat sich von der Unsicherheit seiner Teamkollegen anstecken lassen.
Zweiter Ausfall
Nach Ivan Zoubkoff fällt nun ein zweiter Akteur des Bergischen HC für mindestens vier Wochen aus. Elvir Selmanovic hat sich bei einer Abwehraktion gegen Anthony Pistolesi zwei Gelenke des Mittelhandknochen gebrochen. Schon heute wird der 28-Jährige von Mannschaftsarzt Diederich von der Heyde operiert.
„Wir haben zu viele Fehler gemacht, zu viele freie Chancen vergeben und die Willstätter so zu Tempogegenstößen eingeladen“, lautet Norbert Gregorz’ knappe Analyse. Die Folge der wenigen Bewegung im Rückraum waren die wenig herausgespielte Tore, die der Tabellendritten bis vor knapp zwei Wochen noch in Hülle und Fülle erzielt hatte. Erschwerend kam hinzu, dass Elvir Selmanovic Anfang der zweiten Halbzeit verletzt ausscheiden musste und Kim Neuenhofen mit Magen-Darm-Problemen nicht mehr einsetzbar war.
Während Norbert Gregorz seinem Torhüter Stefan Nippes bescheinigte, einen soliden Job gemacht zu haben, sprach Trainerkollege Goran Suton das aus, was ein Großteil der 1200 Zuschauer in der Klingenhalle dachte: „Man merkte der Mannschaft an, dass Ivan Zoubkoff verletzt ist. Ich bin froh, dass er nicht zwischen den Pfosten gestanden hat.“
Ruhe bewahren
„In jedem Spiel der Hinrunde wäre uns der Ausgleich gelungen, und wir hätten es noch gewonnen“, haderte Stefan Adam. Grund, unruhig zu werden, sieht der Manager des Bergischen HC allerdings nicht. „Es ist das Gleiche wie in der Hinrunde, als wir trotz der Erfolgsserie nicht abgehoben sind. Nun gilt es auf die gleiche Art und Weise, Ruhe zu bewahren.“ Kampf sei gefragt, um so schnell wie möglich wieder zu spielerischer Stärke zurückzufinden.
Gleicher Ansicht ist auch der sportliche Leiter. Taktische Feinheiten können im Training angesichts der beiden letzten Auftritte nur eine Nebenrolle spielen. „Im Vordergrund steht das Selbstbewusstsein aufbauen“, erklärt Norbert Gregorz, der die Spieler bis zum morgigen Heimspiel gegen Concordia Delitzsch dorthin bringen will, wo sie noch vor zwei Wochen gewesen waren. „Ich hoffe, dass die Zeit bis Samstag reicht“, um die Schalter wieder auf „An“ zu schalten.
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