Fußball: Spruchkammer verhängt strenges Urteil
VON DANIEL OELBRACHT - zuletzt aktualisiert: 11.10.2007Ein strenges Urteil verhängte die Spruchkammer des Fußballkreises Solingen über die SSVg. Haan. Der Verein muss nun für die Vorkommnisse gerade stehen, in deren Verlauf Anfang September nach dem Spiel der 2. Mannschaft (Kreisliga B) gegen Union Solingen II ein Schiedsrichter mehrfach tätlich angegriffen worden war. Dessen im Krankenhaus angefertigter Sonderbericht war Grundlage und Gegenstand der Verhandlung im Kreisjugendheim in Aufderhöhe. Der Referee kündigte bereits an, auch zivilrechtliche Schritte gegen die Täter einzuleiten.
Nach gut dreistündiger Beweisaufnahme mit zum Teil erheblich voneinander abweichenden Zeugenaussagen zogen sich die vier Mitglieder der Spruchkammer für knapp 30 Minuten zur Beratung zurück. Um 22.03 Uhr verlas Schriftführer Hans Schmitz das Urteil, das der Vorsitzende Bernd Flemm anschließend begründete. Dem Haaner Trainer untersagte die Kammer jegliche Betätigung im Verein bis 30. Juni 2008. Der SSVg. Haan erlegte sie auf, dem bislang unbekannten jugendlichen Schläger ein lebenslanges Platzverbot zu erteilen, während der Vater des damals mit der Roten Karte bestraften Haaner Spielers die Anlage bis 31. Dezember 2008 nicht mehr betreten darf, weil er dem Schiedsrichter eine Ohrfeige verpasst hatte.
Die SSVg. Haan muss weiterhin 750 Euro Strafe zahlen, weil sich die Angriffe überhaupt ereignet haben – und 50 Euro Ordnungsgeld wegen des fehlenden Ordnungsdienstes. Bis Saisonende muss der Verein deshalb vor jeder Partie sechs Ordner benennen, die dem Unparteiischen (und später auch dem Staffelleiter) schriftlich vorgelegt werden müssen.
Solinger hätten eingreifen sollen
„Trotz des Vorfalls, in dem Emotionen eine große Rolle gespielt haben, danke ich allen Beteiligten für die sachliche Aufarbeitung“, stellte Bernd Flemm fest. Nicht zweifellos aufgeklärt werden konnte, ob der Rotsünder nach der Ohrfeige seines Vaters ebenfalls zugeschlagen hatte. Es zeigte sich jedoch, dass zumindest einige Haaner Spieler versucht hatten, den Schiedsrichter auf dem Weg zur Kabine zu schützen. Das wurde durch die Aussage einer Solinger Zeugin bestätigt. Mehrere Augenzeugen berichteten zudem von einem Jugendlichen mit einer Baseballkappe, der den Unparteiischen von hinten angesprungen und dermaßen am Kopf verletzt hatte, dass er ohnmächtig geworden war.
„Zwar hat sich die Mannschaft der Union regelgerecht verhalten, aber angesichts der Situation hätten Trainer und Spieler eingreifen sollen“, kritisierte Flemm bei der Urteilsbegründung auch die Gäste. Das Solinger Team hielt sich nach dem Abpfiff völlig aus den Tumulten heraus, leistete dem Schiedsrichter keine Hilfe. Der mit Rot bestrafte Haaner Spieler wurde inzwischen wegen seines Verhaltens aus dem Verein ausgeschlossen.
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