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Handball: Tabellenzweiter im Freudentaumel

VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 27.12.2006

Der Bergische HC beschenkte sich mit einem historischen Sieg. 13 Minuten vor Spielende hatte der Tabellenzweite bei der TSG Friesenheim noch mit acht Toren in Rückstand gelegen, ehe Sebastian Hinze und Alexander Oelze eine unglaubliche Aufholjagd einleiteten. Den Siegtreffer erzielte Oelze nach der Schlusssirene mit einem direkt verwandeltem Freiwurf.

Es war das Zeichen, dass Norbert Gregorz eigentlich schon aufgegeben hatte. Der Coach des Bergischen HC schaute kurz zur Anzeigetafel unter dem Dach der Eberthalle in Ludwigshafen, nach dem Blick auf die Uhr überlegte er kurz und machte Kristian Nippes ein Zeichen, dass der A-Jugendliche sich für seinen ersten Einsatz in der 2. Handball-Bundesliga fertig machen sollte. Es war die 47. Minute und der Moment, als Lev Voronin die TSG Friesenheim mit 26:18 in Führung gebracht hatte.

Wie Norbert Gregorz glaubten auch die rund 150 mitgereisten Fans nicht mehr an eine Wende, obwohl die Löwen gegen Bittenfeld oder Aue jeweils mit einem famosen Schlussspurt nicht nur jeweils einen hohen Rückstand aufgeholt, sondern dann auch noch einen deutlichen Sieg gefeiert hatten. Aber so spät hatte der Tabellenzweite noch nie eine Aufholjagd gestartet.

Nach Feiern war den Anhängern seit den drei Zeitstrafen in Folge gegen Jens Reinarz (33.), Simon Kluge (35.) und Elvir Selmanovic (37.) nicht zu Mute. Sechs Minuten in Unterzahl – das verkraftet auch eine kampfstarke Truppe wie der Bergische HC nicht. Von 15:15 zogen die Friesenheimer auf 20:15 davon. Weitere drei Treffer in Serie legten sie nach, als Alexander Oelze mit einer zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidung für zwei Minuten auf die Bank geschickt wurde (46.).

Letztes Lebenszeichen

Kristian Nippes hatte zwar sein Aufwärmshirt ausgezogen, doch von einer Einwechslung nahm Norbert Gregorz wieder Abstand, als Sebastian Hinze und Alexander Oelze (2) mit ihren Toren zum 21:26 plötzlich wieder für ein Fünkchen Hoffnung sorgten. Der von Nico Kibat verwandelte Siebenmeter zum 27:21 (51.) war das letzte Lebenszeichen der TSG Friesenheim.

Bereits bei Jens Reinarz’ 25:27 (56.) stehen die BHC-Anhänger auf der Tribüne. Einen Grund, sich wieder zu setzen, liefert ihnen die Mannschaft nicht. Ivan Zoubkoff hält freie Würfe gegen Andreas Neumann, Michael Baus und Thorsten Laubscher – auf der Gegenseite nutzen Elvir Selmanovic (26:27) und Jens Reinarz (27:27) ihre Möglichkeiten. 50 Sekunden vor Ende ist der Punktgewinn greifbar – aber ein Sieg ? Doch die Ludwigshafener schaffen es in den letzten Sekunden noch nicht einmal, auf das BHC-Tor zu werfen. Stattdessen muss Thorsten Laubscher den Ball aufgrund eines Schrittfehlers wieder abgeben. Noch 15 Sekunden. Mit allen Mitteln versuchen die Gastgeber, zumindest den Punkt zu verteidigen. Nico Kibat langt dabei gegen Kim Neuenhofen so rabiat zu, dass er mit der Roten Karte noch gut bedient ist. Noch sechs Sekunden. Zwei kurze Pässe, wieder ein Foul – mit der Schlusssirene. Den direkten Freiwurf verwandelt Alexander Oelze für alle überraschend zum 28:27.

Während die Friesenheimer Anhänger fassungs- und wortlos die Halle verlassen, spielen sich auf dem Spielfeld noch nie da gewesene Jubelszenen ab. Oelze wird von Mannschaft und Wolfgang Mix auf den Schultern getragen. Noch Minuten nach dem Ende schütteln nicht nur Sebastian Hinze und Mathias Fuchs immer wieder ungläubig mit dem Kopf.

Quelle: RP

 
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