Solingen: Union: Tränen für den Trainer
zuletzt aktualisiert: 13.05.2009 - 15:38Einen Tag vor dem Spiel gegen den KFC Uerdingen hat sich der Vorstand des Fußball-Niederrheinligisten Union Solingen von seinem Trainer Frank Zilles getrennt. Neben Zilles mussten auch sein Co-Trainer Marc Schweiger sowie Fitness-Coach Harry Jahnke gehen. Michael Tesch sprach mit Zilles, der zwei Jahre nicht nur als Trainer, sondern bis vor einigen Wochen auch als Sportlicher Leiter der Union tätig war.
Herr Zilles, hat Sie die Entscheidung des Vorstandes überrascht?
Frank Zilles: Ja, ich war schon überrascht.
Wie ist die Trennung abgelaufen?
Zilles: Andreas Sonius hat mich vor dem Training gebeten, kurz mit in die Geschäftsstelle zu kommen. Dort warteten Peter und Christian Deutzmann. Sonius hat mir dann mitgeteilt, dass meine Äußerungen in der Presse der Grund wären, sich mit sofortiger Wirkung von meinem Traineramt zu entbinden.
Ihnen wird vorgeworfen, dass Sie mit Ihren Äußerungen nach dem Spiel in Straelen das Vertrauensverhältnis zum Vorstand „nachhaltig gestört” hätten.
Zilles: Ich habe doch keine Kritik geäußert, sondern nur eine Tatsache angesprochen und die Auswirkungen auf den sportlichen Bereich aufgezeigt, für den ich die Verantwortung hatte. Die Fans und Zuschauer wissen doch alle gar nicht, was im Hintergrund alles gelaufen ist, wofür ich aber als Puffer zwischen Vorstand und Spieler herhalten musste. Dass der Vorstand Verträge mit erst zwei Spielern hat, sagt doch alles über die Qualität der Planungen aus. Man kann nicht in die heiße Aufstiegsphase gehen, ohne die Planungen für die kommende Saison weitgehend festgezurrt zu haben. Es ist doch ganz klar, dass viele Spieler sich da fragen, wie es weitergeht und ob es für sie eine Zukunft bei der Union gibt. Darunter leidet dann auch die gesamte Mannschaftsleistung. Der Kopf ist dann nicht frei. Einige fühlen sich da dann auch ausgenutzt oder einfach nur schlecht behandelt. Sport besteht halt zu einem gehörigen Maß aus Psychologie, aber das scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben.
Wie hat die Mannschaft auf Ihre sofortige Freistellung reagiert?
Zilles: Ich habe es den Spielern in der Kabine mitgeteilt. Das war natürlich ein sehr emotionaler Moment. Es gab auch die ein oder andere Träne in der Kabine.
Für Sie wird es auch nicht einfach gewesen sein...
Zilles: Wenn man in zwei Jahren so eine tolle Mannschaft aufgebaut hat, ist es nicht leicht zu gehen. Wir haben eine intensive und erfolgreiche Zeit gehabt, vielen Leuten Freude bereitet und trotz der vielen Knüppel, die wir zwischen die Beine bekommen haben, immer wieder Moral bewiesen und uns gegen alle Widrigkeiten durchgesetzt. So etwas schweißt natürlich zusammen.
Der Vorstand wirft Ihnen auch einen „offenkundigen Interessenkonflikt” vor, da sie zu TuRU Düsseldorf wechseln und einige Spieler Ihnen folgen werden.
Zilles: Einen Konflikt hat es für mich nicht gegeben. Wir hatten hier ein gemeinsames Ziel und das heißt Aufstieg. Diesem Ziel haben wir uns alle verschrieben. Dafür haben wir alles getan. Man kann jetzt weder Mannschaft oder Trainerstab dafür verantwortlich machen, wenn man bis heute mit nur zwei Spielern eine Einigung erzielt hat. Das sieht schon sehr nach Ablenkungsmanöver aus. Hier bei der Union geht es um den sportlichen Aufstieg. Ich bin Sportler und will als erster durchs Ziel gehen.
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