Handball: Vertrauen in den eigenen Wurf
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 27.03.2009Vor seinem Wechsel zum Bergischen HC hatte Joey Duin beim Erstliga-Aufsteiger TSV Dormagen nur die Rolle des Edel-Jokers. Bei den Löwen bekommt der 2,04 Meter Rückraumspieler seine Spielanteile und damit auch nach und nach seine Sicherheit zurück.
Es gab Zeiten, da hat Joey Duin nicht verstanden, warum seine Mutter bei jedem Heimspiel auf der Tribüne gesessen hatte. "Ich habe in Dormagen ja kaum, manchmal auch gar nicht gespielt. Warum also der ganze Aufwand, immer aus Volendam anzureisen ?" Das war und ist Mama Duin auch heute egal. "Es ist einfacher, einen Berg zu versetzen, als meine Mutter von der Tribüne zu bekommen", sagt Joey Duin und lacht. Auch morgen Abend kann sich der 27-Jährige der Familien-Unterstützung aus seinem Heimatort in der Nähe von Amsterdam sicher sein, wenn er für den Bergischen HC in der 2. Handball-Bundesliga gegen den HC Erlangen spielen wird.
Der nächste Gegner
Gegen den HC Erlangen hatte der Bergische HC im Hinspiel eine seiner besten Saisonleistungen geboten. Mit 33:19 hatten die Löwen den heimstarken Aufsteiger in dessen eigener Halle entzaubert, indem sie das hohe Tempo mit noch höherem Tempo beantwortet hatten. Auswärts haben die Franken im Übrigen bislang nur ein einziges Pünktchen (in Leichlingen) holen können.
Mittlerweile kann sich Agatha Duin sicher sein, dass ihr Sohn seine Spielanteile bekommt, "auch wenn ich mit Kenneth Klev einen sehr guten Mann auf meiner Position habe". Im November vorigen Jahres war Joey Duin in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom Erstligisten TSV Dormagen gekommen, um bei den Löwen die Lücke zu schließen, die Elvir Selmanovic aufgrund einer zwingend notwendigen Operation hinterlassen hatte.
Anfangs fand sich der Niederländer auch hier nur in der Joker-Rolle wieder, die ihn in Dormagen so unglücklich gemacht hatte. "Ich bin ein geduldiger Mensch, der hart an sich arbeitet", sagt Duin, der im Laufe der Rückrunde von Trainer Raimo Wilde immer wieder seine Chance bekam. "Ich weiß, dass meine Leistung noch nicht konstant genug ist. Aber ich merke, dass die Automatismen langsam wieder zurückkommen." Bester Beweis war Joey Duins Auftritt zuletzt in Kriftel bei der unglücklichen 33:34-Niederlage gegen die TSG Münster, als er bei seinen sechs Würfen aus dem Rückraum ohne Fehlversuch geblieben war. "Wenn ich einen Schuss nehme, dann bin ich mir auch sicher, dass ich den Ball rein mache." Nur der Direkte Freiwurf nach dem Schlusssignal, der noch den Ausgleich bedeutet hätte, fand nicht sein Ziel. Und das beschäftigt ihn immer noch ein wenig.
Innerlich aufgewühlt
Auf dem Spielfeld gehört Joey Duin zu den ruhigeren Vertretern im BHC-Kader. "Aber nur äußerlich." Er sei voll konzentriert, innerlich meist aufgewühlt. "So wie nach der Niederlage in Münster muss ich meinen Frust in Bewegung umsetzen. Wenn ein Elefant da gewesen wäre, ich hätte ihn in dem Moment stemmen können." So aber war der 2,04 Meter große Rückraumspieler nur durch die Halle getigert, um sich so abzureagieren.
Joey Duin weiß stets genau, was er tut. So hat er in der Schule Deutsch gelernt, weil er geplant hat, irgendwann als Handballer ins Ausland zu gehen. Vor diesem Schritt aber hat der 27-Jährige erst noch ein Studium zum Bauingenieur abgeschlossen, um nach der aktiven Karriere etwas in der Hand zu haben. "Ich bin jetzt vier Jahre Handballprofi und habe in dieser Zeit auch das Gefühl gehabt, dass das nicht alles sein kann." Ein weiteres Studium ist nicht ausgeschlossen.
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