Tennis: Wasserball westfälisch
VON GUIDO RADTKE - zuletzt aktualisiert: 11.08.2008Bei Blau-Weiß Halle gelang dem Tennis-Bundesligisten Solinger TC doch noch ein Coup: Bei Nieselregen siegten Clinton Thomson, Marius Zay und Gero Kretschmer im Einzel und sorgten für das erste Erfolgserlebnis der Saison.
Der Zeitpunkt des Abbruchs war ungünstig gewählt. In den ersten beiden Einzeln des gestrigen Spieltages ging es in die entscheidende Phase. Clinton Thomson schlug gegen Maximo Gonzalez bei einer 5:3-Führung zum Satzgewinn auf. Marius Zay versuchte auf dem Court nebenan, Werner Eschauer bei einem Rückstand von 4:5 und 30:30 dessen Aufschlagspiel abzunehmen und das Break auszugleichen, das er gegen den Österreicher in Diensten von Blau-Weiß Halle bereits beim 1:2 kassiert hatte. Und das alles bei strömendem Regen. Das anfängliche Nieseln hatte sich längst in einen westfälischen Dauerregen verwandelt.
„Wollt ihr hier Wasserball spielen lassen?“, rief der Vorsitzende des Solinger TC, Kurt-Reiner Witte, in Richtung der Stuhl-Schiedsrichterin. Diese aber machte trotz mehrfacher Bemühungen von Clinton Thomson und Teamchef Robert Orlik, das Spiel unterbrechen zu lassen, keine Anstalten, dem Match auf der rutschigen und aufgeweichten roten Asche vor Abschluss des ersten Satzes ein Ende zu setzen.
Erst als Clinton Thomson zum wiederholten Mal gegen den Argentinier einen Breakball abgewehrt und Einstand erzielt hatte, hatte die von einem riesigen Schirm vor den dicken Tropfen geschützte Dame ein Einsehen und stoppte das Glücksspiel. Marius Zay und Werner Eschauer mussten nebenan noch ein paar Minuten länger Wasserball spielen, ehe auch hier der Unparteiische auf dem Hochstuhl ein Einsehen hatte – zum Unmut von Eschauers Betreuer im Übrigen, der sich nicht über die Regenpause, sondern über den späten Zeitpunkt aufregte.
Erst ordnete Oberschiedsrichter Dietmar Stratmann eine rund 30-minütige Unterbrechung an, die er nach Studium des Wetter-Radars um eine weitere dreiviertel Stunde verlängerte. Exakt um 13.20 Uhr kehrten die vier Spieler auf die Plätze zurück, und auch Alexander Flock startete das Spitzeneinzel gegen Santiago Ventura. Dann ging alles ganz schnell: Thomson und Eschauer machten jeweils die beiden fehlenden Punkte und gewannen die ersten Sätze gegen Gonzalez (6:2) und Zay (6:4).
Was dann bei immer wieder einsetzendem Nieselregen folgte, war ein beeindruckender Coup des Absteigers. Clinton Thomson verlor zwar den zweiten Satz (4:6), agierte aber im Match-Tiebreak geduldig und spielte meist so flach, dass Maximo Gonzalez die Bälle unter Druck vom Boden auflesen musste (10:4). Mit der Nachricht der Führung drehte auch Marius Zay auf, der gegen Werner Eschauer nicht nur den zweiten Satz gewann, sondern auch im Champions-Tiebreak gleich den ersten Match-Ball zum 10:6 verwandelte. Auch wenn Alexander Flock bei seiner 6:7 (2), 6:7 (3)-Niederlage gegen Santiago Ventura mehrfach die Chance vergab, zumindest einen Satz für sich zu entscheiden, endeten die „Wasserspiele von Halle“ mit einem Solinger Erfolgserlebnis. Nach 5:7 und 6:2 gewann Gero Kretschmer auch den dritten Champions-Tiebreak des Tages (10:6), ohne am Ende gezittert zu haben. Der erste Punkt dieser Saison war dem STC damit nach den Einzeln sicher – aufgrund der Doppel-Stärke der Westfalen blieb es beim Remis.
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